Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5670/1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 174)
- Language
- German
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Flugsandhügel erstanden und Felsen wuchsen am Orte. "Wüste bedeckt ihren Odem — Schlaf hüllt die Bewehrten für ewig. Luftgeflimmer fraß ihre Kraft, es erstarrte die Schönheit. Glutsand glättet zu Häupten die Schneiden blinkender Felsen, Sonnenflammen spielen tanzend um Spitzen der Speere, Splittern in tausend Funken und sengen die ehernen Wangen. Brennender Sonne entblößt, versiegen Geschlechter, Geschlechter. Dörrt der Ost ihre Macht, der Sturm des Südens zerfegt sie. Sie zerbröckeln zu Staub, wie von strampenden Zwergen zertreten, Lebende Hunde lecken den Moder ewiger Kräfte, Lecken und stopfen den Mund — und nichts gemahnt mehr der Riesen, Die für ewig verstummten im goldenen Sande der Wüste. \ Manchmal nur überstreicht ein Schatten die sandige Weite, Um das Totenlager entlang in bedächtigen Bahnen Schwebt es und biegt sich im Flug, im Zickzack und in lauernden Kreisen, Stockt dann je über einem der ausgebreiteten Körper —- Ihn und den Nachbar bedeckt ein finstrer, mächtiger Schatten. Plötzlich zittert die Luft — ein Flügelschwirren und ^sinken — Und wuchtbebenden Leibs befällt der Geier der Felsen Mit gesenktem Schnabel und hakigen Krallen die Beute, Schreitet die steinerne Brust entlang mit demantenen Krallen, Den gezähnten Schnabel zum harten Angesicht streckend. Jetzt — zerfleischt nicht, Eisen an Eisen, der Geier die Leiche? *~ — Aber plötzlich — we'cht seine Wildheit, er senkt seine Waffen, Bebt vor der ruhenden Pracht, der schlummernden, machtvollen Hoheit, Spreitet die Flügel und schwingt sich und flattert empor in die Höhen, Wirft in der Luft eine mächtige Welle und kreischet zur Sonne, Nur im erhab'nen Gezelt, im Glänze der Wölbung verstummend. Lange nachher noch zuckt, von dem Stich einer Lanze gefangen, Unerkannt ihrem Eigner selbst, eine Feder des Geiers, Wie verwaist, und zittert und blinkt — dann fällt sie zu Boden. Stille ist's wie zuvor. Nichts schreckt die schlafenden Riesen. \janchmal hüllt sich die Wüste in Flimmergluten des Mittags, Sieh', da streckt eine baumesdicke getigerte Schlange In die kosende Hitze die Ringe des schmeichelnden Leibes, Selten im Sande nur knisternd, fast ohne Hauch und Bewegung, Schmilzt in Weichheit hin, wollüstig im Glänze sich badend, Dann erwacht sie und tappt und reckt ihren Körper zur Sonne,