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Jüdischer Almanach · 1910-01-01 · 5670/1910 · p. Seite 70

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5670/1910
Date
1910-01-01
Page
Seite 70 (sequence 80)
Language
German
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göttliche Form, zu geben. Die hebräische Sprache ist die einzige, deren Gebrauch die Sinnesorgane des Menschen dazu disponiert, das Gefäß für das Wort Gottes zu werden. Die Qualitäten dieser Sprache, ihre physiolqjjjs ch en Eigentümlichkeiten (Haievi geht in eine meritorische Erörterung der grammatischen Phänomene der hebräischen Sprache ein) korrespondieren mit den Postulaten der richtigen Disposition für die göttliche Form. Zu diesen allgemeinen Bedingungen kommt noch die „richtige Handlung", das eigentliche Ziel der Belehrung, die der König der Khasaren beim Rabbi gesucht hat. Die richtige Handlung, nach der richtigen, nur durch Offenbarung zu erreichenden Belehrung, an der richtigen Stätte und zur richtigen Zeit, ausgeführt mit dem richtigen Material als Substrat, in subtilen und empfindlichen Proportionen von Extensität und Intensität — all diese Momente zusammen sind unerläßlich, wenn anders das natürliche Werden zu dessen höchster Stufe geführt werden soll, zu jenem natürlichen Werden, das wir Geschichte nennen. Zwischen die zwei Momente der Pararelle von Makrokosmos und M i k r o- |k o s m o s fügt Haievi ein drittes, vermittelndes, ein. In seinem System besteht die Parallele aus drei Gliedern: Israel mit seinem Heiligtum und seinem nationalen Gottesjdienst ist ein treues Abbild des Kosmos einerseits und ein treues Abbild des Menschen anderseits. Auf diese Weise vereinigen sich Natur und Geschichte in eine Kontinuität. Denn es war die Erscheinung der göttlichen Form, die den Geist inspirierte und den Menschen zu jenen Handlungen führte, deren Gesamtheit wir mit dem Namen Geschichte auszeichnen (sofern wir dies mit Recht tun). Aber es war zu jener Zeit, als Israel die Arena der Geschichte betrat, daß diese Inspiration und die Wirksamkeit der göttlichen Form auf Erden den Zenith ihrer Tragweite und ihrer Evidenz erreicht haben. Und jene Zeit, die Zeit der höchsten Entwicklung von Israels Funktion in der Geschichte, wie sie das Ziel aller Vergangenheit war, so ist sie auch zum Kraftzentrum aller geschichtlichen Bewegung für alle Zukunft geworden. Wollen wir die historische Würde der allgemeinen Weltzustände zu irgend einer gegebenen Zeit bemessen, so ist es das Verhältnis derselben zum Weltzustand in jener Zeit, das wir als Maßstab zu fixieren haben. Und, wie in alter Zeit, so ist es auch heute noch Israel, nach dessen Lage wir uns zu erkundigen haben, wenn wir dieses Verhältnis finden wollen. Denn auch heute, in den Tagen des Leidens und der Bedrückung, hat Israel nicht aufgehört, das Herz der Nationen zu sein, das Zentrum der Weltgeschichte. Gewiß, viele, der vollkommenen Erscheinung des Göttlichen auf Erden förderliche Bedingungen fehlen dem Israel von heute, und auch jene Momente, die nicht ganz abwesend sind, sind nicht in der nötigen Integrität gegeben. Immerhin, es ist noch immer Israel, an das allein, als an den wahren Träger des Göttlichen auf Erden, wir uns zu wenden haben. Israel von heute ist „die Nation, arm an Materie und reich an F o r m" (II. 64), denn es ist der Träger der höchsten Form auf Erden. Wie in alten Tagen ist Israel auch heute noch das Zentrum der geschichtlichen Bewegung. Denn das letzte Ziel der Geschichte ist nichts anderes, als das: die ganze Menschheit zur H ö h e der Disposition Israel s z u erheben. Gewiß, dem oberflächlichen Beobachter mag es scheinen, als ob Israel sich den Nationen assimiliert, daß es seine eigene, 70

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