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Jüdischer Almanach · 1910-01-01 · 5670/1910 · p. Seite 69

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5670/1910
Date
1910-01-01
Page
Seite 69 (sequence 79)
Language
German
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Werdens eingreift, um es zur Höhe des historischen Werdens zu erheben. Doch gab es auch im Hause Jakob verschieden disponierte Stämme, der Stamm Levi besaß die höchste Qualifikation, und innerhalb dieses Stammes besonders ausgezeichnet war einerseits die Familie des Hohenpriesters Ahron und anderseits ein Individuum, Moses, der Fürst der Propheten, der sofort die höchste Manifestation der göttlichen Form auf Erden verkörperte, die dem Menschen jemals zu erreichen gestattet sein wird. Außer dieser, dem Geburtsrecht anhaftenden Disposition gab es noch einen Weg, die Disposition für einen höheren Grad des Göttlicheji zu erreichen (denn einen gewissen Grad der göttlichen Form bringt ein jeder Jude aktuell zur Erscheinung), die richtige Erziehung wie sie in den „Prophetenschulen" Israels geboten zu werden pflegte. Wir sehen, es ist eine spezielle physiologische Disposition, die der Auserwählung Israels im System Halevfs zugrunde liegt. „Israel unter den Nationen ist wie das Herz unter den Organen des Körpers" (II. 36). Wenn Halevi dies sagt, so ist das nicht bildlich, sondern im vollen physiologischen Sinne des Wortes zu nehmen. Das Blut Israels, buchstäblich: das Blut, erreicht die subtilste chemische Zusammensetzung; Israel ist daher das best disponierte Volk, die Erscheinung des Göttlichen auf Erden herbeizuführen. Israel ist das Zentrum der Blutzirkulation des gesamten Menschengeschlechts. Der Zustand dieses Volkes folglich ist ein empfindlicher Gradmesser des ganzen gev/undenen Laufes der Geschichte. Je geringer die Intensität des Göttlichen auf Erden, desto mehr gestört ist Israel in der Ausübung seiner zentralen Funktion in der Welt und desto mehr Leiden aller Art unterworfen. Das, die chemische Zusammensetzung des Blutes, ist ein Moment in der speziellen Disposition Israels: die Rasseneigentümlichkeit. Dazu kommen noch andere, gleich wichtig und ausschlaggebend: das Land: Palästina. Die spezielle Disposition Israels kann ihrer wahren Funktion nur in dem rechten Lande gerecht werden, in dem Lande, „dessen Luft weise macht". Das ist, sozusagen, ein chemisches Postulat. Mit Ausnahme des Berges Sinai, der bestimmt war, die Erscheinungsstätte für die höchste Stufe der göttlichen Form zu werden, jene höchste Form, die in dem Lichtglanz auf Moses' Angesicht ihren äußeren Ausdruck gefunden, gibt es kein Land auf Erden, dessen Klima so geeignet wäre, die nötige Disposition für das Göttliche zu erzeugen, wie das Land Palästina, das Land der Prophetie, „das Land, auf das die Augen Gottes stets gerichtet sind." Alle Prophetie hatte Palästina zum Schauplatz, oder stand wenigstens in Beziehung dazu. Die geeignetste Stätte innerhalb dieses Landes ist natürlich Jerusalem, die heilige Stadt, deren Zentrum, das Heiligtum, die disponierteste und empfindlichste Stätte auf Erden in sich barg, das Allerheiligst e, das Zentrum der Erde, der Welt. Und dann die Sprache. Die Sprache ist die Emanation des Nationalgeists eines Volkes; sie ist dessen Produkt, zugleich aber auch die Ursache von dessen Entwicklung. Die Sprache formt den Gedanken und den ganzen geistigen Habitus der Nation. Auch bei anderen Völkern formt die Sprache* den Geist und befähigt sie, die höchste ihnen mögliche geistige Kapazität zu erreichen, doch keine vermag es, die letzte Disposition für Prophetie, die 69

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