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Jüdischer Almanach · 1910-01-01 · 5670/1910 · p. Seite 68

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5670/1910
Date
1910-01-01
Page
Seite 68 (sequence 78)
Language
German
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war niemals ganz abwesend in der Welt. Sein Erscheinen datiert von der Zeit des ersten Menschen auf Erden und seither hat es niemals aufgehört, gegenwärtig zu sein. Die verschiedenen Erscheinungsgrade des Göttlichen, dessen Ebbe und Flut auf Erden, bestimmt den Lauf der Geschichte. Rücksichtlich ihrer Beziehung zu der ewigen Materie gibt es keinen Unterschied zwischen dem Göttlichen und anderen Formen. Beide, die sogenannte NaturfQXm und die göttliche_Eonn, sind in gleicher Weise von der Disposition der Materie abhängig, und das gilt auch von dem Grade und der Intensität ihrer Erscheinung. Keine Form, sei es die einer Pflanze, eines Tieres oder eines Menschen, erscheint, ohne daß irgend ein Teil der Materie vorher die für diese bestimmte Form nötige Disposition erreicht hätte, eine jede Form aber muß erscheinen, wann immer und wo immer die nötige Disposition erreicht worden ist. Das gilt aber auch von der göttlicheaJEorm. Wir werden das bald verstehen, wenn wir bedenken, daß die Disposition eines materiellen Aggregats für eine bestimmte Form auch das bedeutet,, daß dieser Teil der Materie bereits alle Formen inne hatte, welche in der Stufenleiter der Naturformen unter der neuen Form rangieren, die er jetzt annehmen soll. Die Erscheinung der Form „Mensch" z. B. setzt eine Materie voraus, die bereits die niederen drei Reiche der Natur unter ihm durchlaufen hat, den „letzten Stoff" in der Sprache Aristoteles. Haben wir nun das erkannt, so werden wir zu der Auffassung gedrängt, daß das Formprinzip schon in dessen niedrigster Manifestation die Bestimmung hat, die Materie durch die ganze Formleiter zu treiben, bis sie die höchste Form erreicht haben wird. Aristoteles nennt dies die „allgemeine Steresis", die „allgemeine Beraubung", den ßrang, der Materie, alle Formen zu durchlaufen, um die höchste zu erreichen. Die Erreichung der menschlichen Intelligenz ist das höchste Ziel des Werdens nach Aristoteles, aber dieses höchste Ziel ist bereits in der niedrigsten aller Formen angezeigt, die je in der Materie erschienen ist. Und das gilt auch mit bezug auf die göttliche Form, das neue, fünfte Reich des Seienden. Die Erscheinung dieser Form setzt die höchste Entwicklung der menschlichen Intelligenz voraus, da erst diese die Disposition der Materie vervollkommnet und diese als „letzten Stoff" für die göttliche Form qualifiziert. Der letzte Stoff für das Göttliche stellt demnach die Vollendung der unteren vier Naturreiche dar. Die allgemeine Steresis, nunmehr auch auf die göttliche Form gerichtet, zeigt diese schon in der niedrigsten Manifestation des Formprinzips in der Materie an. Das ist das metaphysische Fundament, auf dem Halevi seinen historischen Oberbau aufführt: Die richtige Disposition für die göttliche Form (Geist der Prophetie) ist von Adam, der sie zuerst besessen, durch die besten und auserwähltesten seiner Nachkommen, auf Abraham vererbt worden, und durch diesen, auf dem Wege einer strengen Auswahl, auf Jakob, wobei unzählige Seitenlinien von diesem kostbaren Besitz ausgeschlossen worden waren. Der Stamm Jakob war der erste, von dem keine Linie ausgeschlossen werden mußte, da er in allen seinen Teilen und Zweigen wohl qualifiziert war, würdig das Organ zu werden, durch welches die göttliche Form in den Lauf des natürlichen 68

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