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Jüdischer Almanach · 1910-01-01 · 5670/1910 · p. Seite 67

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5670/1910
Date
1910-01-01
Page
Seite 67 (sequence 77)
Language
German
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Jehuda Halevi's nationalphilosophische Weltanschauung. Skizziert von DAVID NEUMARK. ls das traditionelle Element, das der Weltanschauung- Halevi's (in dessen Schrift: Al-Khasäri) zug-runde liegt, haben wir die Idee von jenem H e i 1 p 1 a n Gottes zu betrachten, den die Propheten (mit Jeremia angefangen), und nach ihnen die rälmudisten, von der Geschichte Israels aus zurück in den Uranfangder Welt und darüber hinaus verfolgten. Der neue Rahmen, in den Halevi diesen alten Gedanken faßt, im allgemeinen durch Erweiterung und Vertiefung der in ihm enthaltenen philosophischen Elemente, kann als die Kontinuität von Natur und Geschichte bezeichnet werden. Philosophen und Theologen waren darin einig, daß der Verlauf der Geschichte mit dem Kreislauf der Materie durch das Reich der Formen nichts zu tun habe* Halevi stört nun diese Ubereinstimmung, indem er den Gedanken formuliert, "daß der Kreislauf * der Materie durch das Werden innerhalb der Naturformen nicht erschöpft, sondern * von hier aus in den Verlauf der Geschichte zu verfolgen ist. Die Bewegangsprinzipien der Geschichte sind, gleich jenen des natürlichen Werdens, das Ergebnis, der variierenden Disposition der materiellen Elemente für die Empfängiris gewisser geistiger Formprinzipien. Um dies zu realisieren, müssen wir natürlich über jenes Formprinzip hinausgehen, das für gewöhnlich als das höchste, der Materie erreichbare angesehen wird. Wir müssen aufhören, den vollkommen entwickelten Verstand des Menschen als die höchste, von der Materie je erreichte Form zu betrachten. In der sonst bekannten Formleiter muß eine neue, höhere Sprosse angenommen werden: das Göttliche. Freilich, die ^neue, historische Form ist höherer Art, das alteriert jedoch in keiner Weise den neuen Gesichtspunkt, daß die Materie das gemeinsame S u b^s t r ä t von N.a t u r und Geschichte ist. Natur und Geschichte bilden eine Kontinuität, und ihr gemeinsames Bewegungsprinzip ist der Kreislauf der Materie durch das nunmehr erweiterte Reich der Formen. Alle historischen Begebenheiten stehen in Beziehung zur Erscheinung des Göttlichen auf Erden, das Göttliche aber ist in seinem Grundwesen nichts anderes als die höchste Art im Reich der Formen. Durch dieses höchste Formprinzip greift das natürliche Werden in den Verlauf der Geschichte ein, oder genauer: auf dieser höchsten Stufe des Werdens wird die Natur zur Geschichte. Es ist recht eigentlich nur eine Frage des sprachlichen Ausdrucks, wenn wir einen gewissen Teil des Werdens durch den Namen Geschichte auszeichnen. Es gibt nur e i n Werden, einen Kreislauf der Materie durch das Reich der Formen, dessen höchste das Göttliche darstellt. Und ferner: Die Geschichte reicht, streng genommen, hinauf zu den ersten Anfängen des natürlichen Werdens. Denn das Göttliche 67

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