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Jüdischer Almanach · 1910-01-01 · 5670/1910 · p. Seite 44

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5670/1910
Date
1910-01-01
Page
Seite 44 (sequence 50)
Language
German
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V. Kunst» Der gotttrunkene Großvater hatte kein Auge für die Werke der Menschenhand. Der Enkel betet zu jedem Nachschöpfer in Leinwand und Ton wie zu einem Gott. VI. Weltschmerz. Der Großvater sagte, wenn er seine Familie leidlich ernährte: „Du, lieber Gott, wodurch habe ich so viele Gnade verdient?" Sein Enkel ruft, wenn der Champagner nicht die gewünschte Temperatur hat: „Ekelhaft! Nicht zum Existieren!" VII. Die Ideale. Der Großvater lehrte seinen Sohn: „Erwirb Wissenschaft, erwirb Weisheit." Der Enkel hört: „Erwirb eine Zeitung, erwirb ein Mandat." VIII. Jessica. Der Großvater raufte das Haar und erfüllte ganz Venedig mit seinem Jammer, als ihm seine Jessica mit Lorenzo durchging und die Dukaten des Vaters entwendete. Der klügere Enkel ist hochbeglückt, wenn Lorenzo Tochter und Dukaten aus seinen bereitwilligen Händen empfängt. IX. Freisinn. Der Großvater trat aus dem Judentum aus, weil die Verquickung von Volkstum und Religion, die dem Judentum seine Eigenart geben, seiner freisinnigen Weltanschauung widersprach. Der Enkel steht an der Spitze einer Zeitung zur Bekämpfung des Unglaubens in der christlichen Welt. X. Trost. Der Großvater flüchtete sich aus der Gebundenheit der Gemeinde in die Freiheit der Welt. Der Enkel rettet sich aus der Eiseskälte der Welt in die Wärme der Gemeinde zurück. 44

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