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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1907-01-01 · 5668 = 1907/08 · p. Seite 156

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5668 = 1907/08
Date
1907-01-01
Page
Seite 156 (sequence 165)
Language
German
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Ratgeber bei eintretenden Unglücksfällen nach Prof. Dr. Fr. o. esmardjs Ceiffaben f. 5amariter-5chulen u. a. Nicht schaden! sei bei allen Unglücksfällen der erste Grundsatz des Hilfe leistenden Laien! Während aller Wiederbelebungsversuche versäume unter keinen Umständen, gleichzeitig nach dem Arzte zu senden! Verwundungen: Vor allem keine Verunreinigung, deshalb keine Charpie, kein Heftpflaster, kein Schwamm, keine schmutzige Leinwand, keine schmutzigen Finger, sondern abspülen mit ganz reinem Wasser, besser mit solchem, das eben gekocht hat, am besten versetzt mit fäulniswidrigem Mittel, wie Karbol, Salicyl, Kreolin oder Bleiwasser. Darein getaucht als Verband reine Leinwand oder Watte. Ist die Wunde von geronnenem Blute überzogen, so darf dieses nicht abgewischt, sondern mutz gehütet werden. Wenn aus der Wunde hellrotes Blut in starkem Strahl absatzweise hervorspritzt, dann ist eine Pulsader verletzt und grotze Lebensgefahr. Schnell Arzt rufen, bis dahin das blutende Glied in die Höhe heben und oberhalb der Wunde den Stamm der Pulsader stark znsammendrücken. Verrenkung: Zu erkennen an der Formveränderung bei Vergleich mit dem Gelenk der andern Seite. Das Gelenk mutz möglichst bald eingerichtet werden, aber nur vom Arzt! Alle Versuche vermeiden, nur Ruhe bis der Arzt kommt. Verstauchung: Keine Formveränderung, aber Anschwellung des Gelenkes, jede Bewegung schmerzhaft. Ruhe, bis der Arzt kommt. Kalte Umschläge, kalte Einwickelung, aber nicht kneten, nicht reiben. Verbrennung und Verbrühung: Bis der schnell gerufene Arzt kommt, den Verbrannten in warmem Zimmer auf den Fußboden oder Tisch legen, nicht ins Bett. Die Kleider entfernen. Wo es nötig, die Kleider mit scharfem Messer oder Schere vorsichtig so durchschneiden, daß sie von selbst abfallen; nicht ziehen oder reißen, weil man sonst die Blasen zerreißt. Nur feine Blasen abreißen! Sehr gespannte Blasen mit Nadel ausstechen. Klagt der Verbrannte über Durst, dann warmen erregenden Trank geben, Thee oder Grog. Nicht kalte Umschläge. Ist Apotheke nahe, dann hole man antiseptische Brandsalbe oder Jodoformpulver, welches rasch die Schmerzen beseitigt. Auch ist Kreolin brauchbar oder Salicylsäure, darüber Watte oder Mull. Ist alles nicht zu haben, dann bestreichen mit Oel oder Schmalz, Butter, Sirup, Talg, Mehl. Jedenfalls die verbrannte Haut vor Einwirkung der Luft schützen. Ist jemand in Kalkgrube oder Seifenlauge gefallen, dann stecke man ihn schnell in Wasser, auch mit Essigwasser waschen. Elektrische Schläge; Zufällige Schläge verursachen selten den unbedingten Tod, meist heben sie nur die Atmung Zeitweise auf. Sofortige Entfernung des Körpers von dem Stromkreise. Hierbei berühre man weder den Draht noch den Verunglückten mit der ungeschützten Hand. Man benutze Gummihandschuhe oder nehme ein Stück trockenes Holz, um den Körper zur Seite zu rollen oder den stromführenden Draht zu entfernen. Oder man nimmt ein Stück trockenes Tuch, oder einen Mantel, um die eigenen Hände beim Ergreifen des Körpers zu schützen. Wenn der Körper die Erde berührt, so kann man ohne Gefahr ein loses Kleidungsstück des Verunglückten anfassen, um ihn vom Leiter zu entfernen. Man lockere Kragen und Beinkleider. Ist Atmung vorhanden, so lege man den Kopf etwas erhöht und mache kalte Umschläge auf die Stirn. Auch empfiehlt sich eine Spritze von Kampferöl unter die Haut; nach zehn Minuten eine zweite. Zeigt sich keine Atmung mehr, so lege den Körper aus den Rücken, einen zusammengerollten Rock unter die Schultern, um den Kopf nach hinten zu halten. Nun versuche künstlich die Atmung hervorzurufen. Kniee hinterm Kopfe des Betreffenden nieder, das Gesicht ihm zugewendet, ergreife beide Arme unterhalb der Ellenbogen und ziehe sie kräftig ganz lang über den Kopf, so daß sie beinahe Zusammenkommen; so halte die Arme höchstens 2 bis 3 Sekunden, um die Brust zu erweitern. Dann bewege sie abwärts, beuge sie und presse die Ellenbogen des Betäubten fest gegen seine Brustwände. So ebenfalls 2—3 Sekunden, mindestens 15 mal in der Minute und unablässig eine bis zwei Stunden lang, sofern die natürliche Atmung nicht früher zurückkehrt. Inzwischen fasse ein zweiter die Zunge des Verunglückten mit einem Taschentuche, ziehe sie kräftig heraus, so oft die Brust zusammengedrückt wird. Geht der Mund nicht leicht auf, so öffne ihn mit Holz oder mit dem Griffe eines Taschenmessers. Daneben kann man den Verunglückten an Salmiakgeist, Schwefel oder Esstgäther riechen lassen, den Körper kräftig frottieren oder mit warmen Tüchern schlagen. Unratsam ist es dagegen, geistige Getränke in den Mund zu gießen. Ertrinken: Jeder Ertrunkene ist als scheintot zu betrachten, darum mit Hilfsversuchen nicht ermüden. Mund und Nase von Schlamm reinigen, den Mund nötigenfalls mit Holz oder Griff des Taschenmessers öffnen. Die Zunge 156

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