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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1907-01-01 · 5668 = 1907/08 · p. Seite 136

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5668 = 1907/08
Date
1907-01-01
Page
Seite 136 (sequence 145)
Language
German
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und Namen, Ueberreste von Stuck und und Malerei in den Grabnischen. Egyptisirende Tempelportale, Säulenreihen, Pyramiden und Giebel sind die noch erkennbaren Hauptformen der altjüdischen Friedhofskunst. Daß es nicht auch an freistehenden Kapellen, Mausoleen und Grufttempelchen gefehlt hat, beweist das berühmte Absalomsgrab vor der Felsengruft des Josaphat am Kidron. Die Araber nennen das merkwürdige, aus dem Felsen gehauene Bauwerk, welches den einzigen Ueberrest jüdischer Baukunst aus dem Altertum darstellt, Tantur Firaun, Mütze des Pharao, weil der Oberbau in der Tat einer Mitra gleicht. Das läßt nicht nur auf das hohe Alter, sondern auch auf die königliche Würde des Mausoleums schließen. Wenn auch nicht bewiesen ist, daß hier Absalom beigesetzt ist, so spricht doch auch nichts dagegen und sehr kennzeichnend ist außer dem Namen auch die altjüdische Sitte, daß jeder Vorübergehende has Grabmal unter Verwünschung des Verräters mit Steinen bombardiert hat. Daher ist wohl das tiefe Loch im Architrav des Unterbaues entstanden. Die etwas plumpen ionischen Halbsäulen beweisen hier nichts gegen die Datierung aus der Zeit Davids, weil diese Mausoleen am Oelberg von verschiedenen Geschlechterfolgen in Gebrauch genommen und dann allemal etwas umgearbeitet und modernisiert wurden. Jedenfalls hatman das Absalomsgrab bei grundlegenden Betrachtungen über jüdische Friedhofskunst als klassischen Beleg herbeizuziehen und würdigt man dann noch die übrigen Reste am Oelberg, so wird man unschwer zu einem neuen jüdischen Stil gelangen, welcher die Granitbarbarei zu beseitigen und zu überwinden berufen ist. Wir wollen hier aus Gründen der Pietät nicht einzelne der verfehlten Grabmäler neuerer Zeit näher kennzeichnen. Es genügt der Hinweis auf die sinnlose Anhäufung von Granit-, Porphyr-, Syenit- oder Labradormassen. Diese Steine eignen sich, zumal poliert, nicht zu einem herrschenden Baumaterial, sie könnten höchstens als dienende Glieder in Gestalt von Säulen, Sockeln, Portalumkleidungen, Obelisken verwandt werden. Der in unseren Tagen entschieden veredelte Baugeschmack bevorzugt außer dem ewig gültigen Marmor den Tuffstein oder noch mehr den fränkischen Muschelkalkstein, ein sehr edles, bildsames und bei rechter Gestaltung auf Friedhöfen würdiges wie feierliches Material, dessen Tönung dem Ernst des Ortes auch schon vor dem Verwitterungsprozeß entgegenkommt. Aus Kalkstein sind denn auch in Weißensee, um von diesem Hauptsriedhof zu reden, die besten und echt künstlerisch berührenden Grabmäler der jüngsten Zeit gestaltet. Hervorragende Architekten und Bildhauer werden jetzt mehr und mehr mit dem Entwurf und der Ausführung vornehmer und religiös stimmungsvoller Grabdenkmäler und Familiengrüfte betraut und das hat denn auch schon so manche erfreuliche Erscheinungen gezeitigt, daß man hoffen darf, daß dem jüdischen Friedhof, wenn auch auf anderer Grundlage, die alte Weihe wiedergegeben wird. Allerdings gelangt man auf diesem Wege noch nicht zu einem ausgesprochen jüdischen Stil. Das ist offenbar auch noch nie gefordert worden. Das hindert uns indessen nicht, jetzt hier auf die Lösung dieses Problems angelegentlich hinzuweisen. Sonst begnügen sich die Künstler mit allgegemein menschlichen Kunstformen und Symbolen, die schließlich für jedes andre Bekenntnis gleich geeignet sind. Fügen sie dann zum Ueberfluß noch einen Davidsstern hinzu, so ist im Grunde nichts geändert und nichts gebessert. Ein jüdischer Stil müßte unter allen Umständen einen Abglanz des strengen Eifers, der starrfeierlichen Hoheit der für die Kulturvölker grundlegenden mosaischen Religion auszuweisen haben. Man denke an die düstere Größe, die dem Moses von Michelangelo inne wohnt! Ein archaistisches biblisches Pathos etwa im hohen Ton des Jesaias würde gewiß einen sakral empfindenden Künstler zu der Monumentalität des jüdischen Stils inspiriren. Doch wir wollen hier nicht gleich so hoch greifen und ein Ideal für einen Synagogenstil 136

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