Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5668 = 1907/08
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 143)
- Language
- German
- Belongs to
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mosaische Glaube in eine gewisse Rückständigkeit verfallen und somit auch innerlich erschüttert werden würde. Man ersieht daraus, daß das jüdische Grabdenkmal, aus welches hier hingezielt wird, nicht lediglich ein Luxusartikel reicher Leute ist, sondern eine Kardinalfrage, welche den Hauptnerv des Judentums berührt. Um den Begriff einer neuartigen und würdigen jüdischen Friedhofskunst zu einst die Posaunenstöße des Weltgerichts ausgehen sollen. Ob man nun ein Wort des Propheten Joel richtig oder nicht richtig gedeutet hat, gleichviel, schon vor den Tagen der Makkabäer lebten die Juden des Glaubens, daß das Tal Josaphat der Schauplatz der letzten Dinge dieser Welt sein würde. Dann sollen sich die Berge auftun und Gott werde aus dem Allerheiligsten des Tempels her- Entwurs eines Friedhofsdenkmals von Architekt W. Güth len, Berlin-Wilmersdorf. i* ■ ' ■*TV umschreiben, müssen wir schon den Urtypus der jüdischen Begräbnisstätte aus den Trümmern der vorchristlichen Aera rekonstruieren. Ohne Zweifel ist das Tal Josaphat und der im Angesicht des einstigen Salomonischen Tempels aufsteigende Oelberg — auch Berg des Lichts genannt — die älteste und berühmteste Todesstätte, die heute noch erhalten ist. Die Weihe der Vergänglichkeit und Ewigkeit thront aus dem sonnenglühenden, gleißend Hellen Bergabhang, von welchem vortreten, die Völker zu richten, das auserwählte Volk zum letzten Siege zu führen und nach Zertrümmerung der Welt die Gerechten im himmlischen Jerusalem zu vereinigen. An dieser Stelle gewaltigster Gottesglorie haben die Juden über 2500 Jahre ihre Toten bestattet. Und heute? Der ganze Oelberghang ist im Angesicht des mohamedanischen Felsendoms bedeckt mit grauen, verwitterten Steinstümpfen, Stein bei Stein von merkwürdig ergreifender Schlichtheit. Also wäre 134