Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5668 = 1907/08
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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des Rabbi Nachmann von Br atz - law" und die Versuche auf dem Gebiete des jüdischen Dramas. Bubers Wiedergabe der Märchen des Rabbi Nachmann von Bratzlaw und die Sammlung einiger chaffidischer Legenden eröffnen ein gänzlich unbekanntes Gebiet der Kenntnisnahme des deutsch-jüdischen Publikums, den Chassidismus. Wiewohl nur in Umrissen gezeichnet, kann dieses Buch sehr viel zum tieferen Verständnis des Judentums beitragen. — Nicht das gleiche kann man behaupten von dem „Schlager" der Saison: S ch a l o m Asch's Drama „D er Gott der Rache". Das Stück hat die Erwartungen, die man an dasselbe stellte, entschieden getäuscht, es ist an sich keine „erste Nummer", am wenigsten ein jüdisches Drama. Die Aufführung eines neuen Dramas: „Auf dem Wege nach Zion" steht bevor. Inzwischen sind bei S. Fischer seine „Bilder aus dem Ghetto" erschienen, die ein weit größeres Zeugnis seiner dichterischen Fähigkeit oblegen.—Viel gelesen und mit Recht viel gelobt wurde Georg Hermanns „Jettchen Gebert", ein feines, sentimentales Buch, das mit zarter Hand die intimen Reize des Lebens einer vormärzlichen Judenfamilie darzustellen versucht. Der Erfolg, den Hermann errang, war durchaus verdient. Jakob Wassermanns „Die Juden von Zirndorf" wurde mit einigen Kürzungen und Verbesserungen neu aufgelegt. Dieser Mystiker des Wundersamen im jüdischen Wesen braucht dem jüdischen Publikum in Deutschland nicht mehr angepriesen zu werden. Komperts Schriften liegen in vier schönen Bänden mit einer Einleitung des Wiener Schriftstellers Dr. Stefan Hock vor. Ein sehr zweifelhafter Versuch ist die Neuausgabe der Ghettodichtungen Eduard Kulkes. Hermann Heijermans Dramen, technische Meisterwerke ersten Ranges, mußten neu erscheinen. Ueber den talentvollen Holländer wurde bereits soviel gesagt, daß man dem nichts hinzufügen braucht. Unter den jungen Talenten scheinen Viktor Klemperer mit seinen orginellen Talmudsprüchen, Jungmann mit seinen prächtigen „Dornen" und teilweise auch Blumenthal mit seinem „Weg der Jugend" der Erwähnung wert. — Eine Episode bildete der von Adolf Bartels inaugurierte Heinestreit; Bartels wahnsinnige Schmähungen des Poeten haben in der Presse bereits Widerlegung gefunden. — Um eine kleine Liste anderer erwähnenswerter Schriften zu geben, nennen wir: Rodenbergs „Aus meiner Kindheit", das uns einen Einblick in das Leben der deutschen Juden in den Jakob Wassermann. 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts gibt, Karl Hauptmanns Drama „Moses", Pordes Milo „Der letzte Messias" eine Tragikomödie, ferner eine sehr interessante Reisebeschreibung der Expedition des Professor Schönfeld nach Sinai. Salters Sammlung von Anekdoten aus dem Leben berühmter Männer, besonders Lasalles und Rotschilds, die sehr kühnen anonymen „Weltlichen Lieder eines Geistlichen", Lothar Brieger-Wasservogels „Rene Richter", ein zionistischer Roman/ Ludwig Hirschfelds „Paukzeit", ferner