Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5668 = 1907/08
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. I. Löwenbergs „Stille Helden", eine psychologische Kraftleistung, des Nichtjuden Henrik Pontoppidan „Hans im Glück", ein sehr interessanter Roman, der einen Einblick in das Leben der skandi- Dcr Jargonschriftsteller Perez. m -SU navischen Juden gewährt, Börries Freiherr von Münchhausen „Balladen", Wilhelm Hegelers romantischer Roman „Pietro der Korsar und die Jüdin Cheirinca", etc. etc. Die „Hebräischen Melodien", (Verlag Curt Wigand, s. Inserat) von Dr. Julius Moses gesammelt, sind ein Familienbuch, eine Anthologie aller Gesänge, die zum Preise des Judentums von Juden und Nichtjuden verfaßt wurden. Die lyrischen Schöpfungender klassischen Periode, der Emanzipationszeit, der Periode nach 1848 und endlich der Jungjüdischen Dichtung orientieren uns über die jeweilige Stellung der Epochen zum Judenproblem. Von dem Mitleiden angefangen bis zum Begreifen der Judentragödie als Selbsterlebnis klingen alle Nuancen der Gefühle durch. Jede Periode hat ihre jüdische Dichtung, ihre besondere Note, und innerhalb derselben stimmen Juden wie Nichtjuden verschiedenartige, mehr oder minder auseinandergehende Töne an. Es ist ein außerordentlich verdienstvolles Unternehmen des Herausgebers, diese bisher zerstreut und unbeachtet gebliebenen Einzelleistungen zusammengestellt zu haben. Hier ist die Poesie zu einer kleinen Geschichte des Seelenlebens der Juden geworden. Auch Nichtjuden werden Interesse an diesem Buche finden, dessen sorgfältige Ausstattung den Genuß erhöht. Auch hier gilt das von der Enquete gesagte: Es ist für uns sehr wichtig, die Beleuchtung des Judenproblems auch von Nichtjuden zu vernehmen. So ist das Buch nicht nur ästhetisch, sondern auch psychologisch von Interesse. Ein voller Erfolg ist ihm zu gönnen, umsomehr, als dieses Werk geeignet ist, dem fühlbaren Mangel einer Geschenkliteratur bei bes. jüdischen Festlichkeiten — (namentlich zur Barwizwah- Feier etc.) abzuhelfen. Auch als Prämie für die Schule erscheint dieses Buch ganz besonders wertvoll. Als erfreuliches Symptom mag zum Schluß das Interesse für Jugendlektüre bezeichnet werden, deren Förderung die Großloge der Bnei Briss für Deutschland beabsichtigt. Wohl sind die bisherigen Erfolge zweifelhafter Natur, aber der Wille ist zu loben. Im Kreise kulturell aufstrebender, noch unentwickelter Völker, bilden die Juden ein wirtschaftlich belebendes Element, welches nicht nur Duldung, sondern auch kluge, maßvolle Förderung verdient. Man müßte diesfalls Juden schaffen, — wenn sie nicht vorhanden wären-. Raoul Ritter von Dombrowski. Ich habe manchen Juden gekannt, Den ich voll christlichen Sinnes fand, Und ich bin mit manchem .Christen gewandelt, Der jüdisch hat an mir gehandelt. Gott, denk ich, sicht bei einem Mann, Das Herz mehr als die Nase an. Johannes Trojan. 44