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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1907-01-01 · 5668 = 1907/08 · p. Seite 39

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5668 = 1907/08
Date
1907-01-01
Page
Seite 39 (sequence 48)
Language
German
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besonderes Lob. Wellhausen hat in der „Kultur der Gegenwart" einen Beitrag über die jüdische Religion geliefert, der mindestens erwähnt werden muß, ohne daß damit die Absurdität vieler Hypothesen des Werkes abgeleugnet werden könnte. Besonders erfreulich scheinen die neuen Arbeiten des rastlosen August Wünsche, der in diesem Jahre zwei größere Werke „lieber die Schönheit der Bibel" und „Die Geschichte des alten Testaments", erscheinen ließ, die sich organisch seinen früheren Leistungen angliedern. Dem oben erwähnten Literaturwerke von Budde, das eigentlich eine Einführungsgeschichte ist, wurde eine Schrift des Baseler Professors Berthold über die Apokryphen und Pseudoapokryphen, beigefügt, die an sich eine vortreffliche Probe der Bibelforschung ist. Als besonderer Lichtpunkt in dem Kampfe zwischen jüdischen und protestantischen Gelehrten muß die Broschüre des Rabbiners Dr. Josef Eschelbacher: „Das Wesen des Judentums im Urteile der protestantischen Theologie" (Verlag Gustav Fock, Leipzig) bezeichnet werden. Der rühmlichst bekannte Verfasser des „Wesen des Judentums" wiederholt hier viele seiner dort geäußerten Anschauungen. Die Streitpunkte der beiden Richtungen werden haarscharf dahin formuliert, daß die Tendenz der protestantischen Theologie stets eine Umdeutung der Bibel zu Gunsten d. h. um der Glorifizierung des Christentums willen gewesen. Diese Erscheinung wird historisch verfolgt und mit vielen Beispielen belegt. So war es besonders bezeichnend, daß bisher stets die Propheten als jenseits ihrer Umgebung stehende Menschen beurteilt wurden im Gegensätze zu jeder genetischen Geschichtsauffassung. Unter solchen Umständen ist die protestantische Theologie zum Gegner, wenn auch nicht zum Feinde der jüdischen Wissenschaft geworden. Noch größeren Gegensätzen als auf dem Gebiete der Bibelkritik begegnet man in der Betrachtung des Talmud. Bislang ist dieser schon aus linguistischen Gründen den Nichtjuden unzugänglich gewesen, wiewohl neuerdings ein Umschwung zum Besseren hier eintrat. Trotz allem glaubt Eschelbacher an eine Versöhnung der Gegensätze, ohne sich über das „wie" näher zu erklären. Die Arbeit verdient weiteste Verbreitung. — Hier muß auf die schier unübersehbare Reihe von Schriften aus dem Gebiete der Orientalistik verwiesen werden, deren Spezialisierung jedoch der Fachkritik überlassen bleiben muß. Einige neue Gesichtspunkte werden sich der Bibelsorschung vermutlich durch die Auffindung einer Anzahl äthiopischer und aramäischer Papyrusrollen eröffnen, worüber jedoch noch nichts Sicheres gesagt werden kann. Ein Pentateuchexemplar, ein altes Manuskript, wurde einer Orientalistenversammlung in London von demSamaritanerpriester Isaak vorgelegt. — Es ist selbstverständlich Methode aller Theologie, die Verherrlichung des eigenen Glaubens auch mit den Mitteln der Wissenschaft betreiben zu wollen, darum hat man ihr so häufig den Charakter der Wissenschaft infolge des Mangels an Objektivität abgesprochen. Die diesbezüglichen Streitschriften können hier umsomehr übergangen werden, als sie bestenfalls ein rein theologisches Interesse zu beanspruchen vermögen. Das beste Mittel in diesem unfruchtbaren Streite, der natürlich besonders die Verkürzung der jüdischen Leistungen sich zur Aufgabe stellte, ist die positive Arbeit der Aufklärung. Von diesem Standpunkte aus muß man die zahlreichen Uebersetzungen einzelner Teile des Talmud mit besonderer Genugtuung begrüßen. Von den vielen, die jetzt hier tätig sind, sei nur Lazarus Goldschmidt erwähnt, von dessen Talmudübersetzungen seit 1897 mehrere Bände vorliegen und zuletzt die Traktate Baba Mezia und Baba Bathra erschienen. — Ein für Halbwissenschaftler bestimmtes Werk ist die Sammlung der Monumenta Judaica, von denen die Targumim zum Pentateuch vorliegen. Die talmudische Wiffenschaft beginnt auch in nicht jüdischen Kreisen viele Anhänger zu werben. Dennoch hat kein 39

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