Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5668 = 1907/08
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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Nichtjude bis jetzt nennenswerte Leistungen hier zu verzeichnen. Vor allem müssen die zahlreichen lexikographischen Arbeiten erwähnt werden. Neben der Fachphilologie haben die letzten Jahre eine Reihe von Wörterbüchern mit größerem oder geringerem Umfange, mit mehr oder weniger Anspruch auf Zuverlässigkeit hervorgebracht. Margels Wörterbuch liegt nun vor. Keineswegs eine durchaus befriedigende Tat, denn viele Fehler stören den an sich verdienstvollen Versuch. DieJewish Encyklopaedia ist vollendet, trotz mancherJrrtümer eine ungeheuere Leistung. EingleichesUnternehmen inrussischer Sprache ist bereits finanziellgesichert, während die Idee einer hebräischen Enzyklopädie bisher dreimal infolge von Geldkalamitäten der Unternehmer scheiterte. — Raschi hat viele neue Erklärerund Superkommentatoren gefunden, unter diesen zwei Arbeiten von Dr. Beermann und Dr. Doctor, die endlich ein halbwegs klares Bild dieses wunderlichen Geistesriesen geben. Legion ist die Zahl der fortdauernd in Arbeit oder Verbesserung begriffenen mittelalterlichen Kommentatoren des Talmud. Auf diesem Gebiete hat die hebräische Bibliographie den unersetzlichen Verlust zweier ihrer größten Kenner zu beklagen, Moritz Steinschneiders und Salomon Bub er s. Was diese beiden geleistet, das zu schildern ist Aufgabe ihrer speziellen Biographen. Die Religionsliteratur im engeren Sinne umfaßt die zahlreichen Schriften mehr oder minder bedeutender Rabbiner,derenWürdigung ebenfalls engerer Fachkritik überlassen bleiben muß. Hier seien nur Güdemanns Apologetik, die Predigten der Rabbiner Blumenthal, Gronemann, Goldschmidts religionswissenschaftliche Bibliothek, Sepps Handbuch der biblischen Geschichte und des Lizentiaten Küchler Schrift über die Stellung des Propheten Jesaia zur Politik seiner Zeit als allgemein verftändlicheWerke genannt. Auch die Arbeiten auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Biographie schreiten rüstig vorwärts. Seit Grätz gibt es in der deutschen Sprache kein gleich umfassendes Werk von annähernd ähnlicher Bedeutung. Hier klafft eine entsetzliche Lücke. Denn Grätz hat viele Materien wie z. B. die Geschichte der Juden in Polen und Rußland überhaupt nicht gekannt oder aus einigen Gebieten durch falsche Darstellung den späteren Historikern noch manche lohnende Arbeit überlassen. Je weniger die Absichten unserer Geschichtsschreiber aus Zusammenfassung des ganzen gerichtet sind, desto eifriger ist man in der Sammlung, Sichtung und Verarbeitung von Spezialthemen. „Zur Geschichte der Juden in Böhmen, Mahren und Schlesien von 906—1620", sind eine Anzahl von Materialien von Gottlieb Bondy in 2 Bänden gesammelt worden, eine außerordentliche erfreuliche Tat. Acker- Rabü. Dr. Josef Eschelbacher. ‘ 40