Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5668 = 1907/08
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 39)
- Language
- German
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wollen, und die jüdischen Untertanen dürfen auf den allerhöchsten Schutz um so sicherer vertrauen, je mehr dieselben nach Ihrer Versicherung bestrebt sein werden, keiner anderen Klasse der Bevölkerung in Betätigung wahren Patriotismus und echter Bürgertugend nachzustehen." Schwaigen Wir flehten von Freundschaft und Treue bewegt: O, reicht uns die Hände zum Bunde! Es blutet noch immer von Schmerzen erregt Die alte, uralte Wunde. "Wir baten Euch bloss um ein brüderlich Wort, Vertrauen nur sollt Ihr uns zeigen, Ihr aber, Ihr wandtet Euch hohnlachend fort — — Wir müssen uns ducken — und schweigen. Wir haben geworben um Wissen und Kunst ln rastlosem, heissem Bemühen. Wir eiferten nicht um vergängliche Gunst, Wir wollten des Vaterlands Blühen. Wir wollten es sehen im strahlenden Licht, Auf dass sich die Grössten ihm neigen, Da hiess es verächtlich: Wir wollen Euch nicht!- Wir müssen uns ducken — und schweigen. Wir haben gestritten in grimmiger Schlacht Als Russen, Franzosen, als Deutsche. Wir sahen verbleichen die grausige Nacht Und ruhen die blutige Peitsche. Wir haben erobert das Vaterland Am Blachfeld, im tötlichen Reigen, Und doch stiess zurück uns die grausame Hand — — Wir müssen uns ducken — und schweigen. Es ging einst ein Frühling im Sturm durch die Welt Und stürzte das Ghetto in Trümmer. Von freudiger Hoffnung die Herzen geschwellt Verstummte das Schmerzensgewimmer. Der Sturm ist gebrochen, der Frühling verblüht, Es wallen die Nebel und steigen, Und finstere Schatten verhüll’n das Gemüt — — Wir müssen uns ducken — und schweigen. Budapest. Max Viola.