Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- Fragment Nr. 2 Einzelnummer = Pariser Ausgabe (17.3.1939)
- Date
- 1939-03-17
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU Nr. 2, 17. III. 1939 T KÜNFTIGEN SCHICKSALS Von unserem holländischen Korrespondenten Antisemitischer Antrag vertagt Von unserem südamerikanischen Korrespondenten Johannesburg, im März Die Gesetzesvorlage des Abgeordneten Eric Louw, die die jüdische Einwanderung in Südafrika völlig .drosseln will, und über deren Bestimmungen bereits berichtet wurde, kam Ende Februar im Südafrikanischen Landtag zur Debatte. Nachdem der Abg. Louw seinen Standpunkt dargelegt hatte, wobei er seltsamerweise betonte, er sei kein Antisemit, sondern bringe das Gesetz auch im Interesse der Juden ein, um durch seine Massnahme eine Wiederholung gewaltsamer Regelungen, wie sie in anderen Ländern zu verzeichnen seien, zu verhindern, sprachen der Innenminister Stuttaford und der Abg. Hofmeyr gegn die Vorlage. Der Minister betonte, dass Südafrika niemals .eine Diskriminierung zwischen Bürgern des Landes zulassen werde, und auch bei der Regelung der Einwanderung einen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden ablehnen müsse. Es ist damit anzunehmen, dass der Ministerialantrag auf Aussetzung des Entwurfs auf sechs Monate, d.h. bis nach Schluss dieser Parlamentssitzung, ohne weiteres angenommen wird. Die Debatte wird Mitte März fortgesetzt. Lord Marley’s Besuch Lord M a r 1 e y sprach am 28. Februar zum ersten Male seit seiner Anwesenheit in der Union vor einer Versammlung deutscher Flüchtlinge in Johannesburg. Ueber 800 Einwanderer aus Deutschland hatten der Einladung des Südafrikanischen Zentralkomitees deutscher Flüchtlinge Folge geleistet. In seiner Ansprache sagte Lord Marley, er habe Mitteilung vom englischen Foreign Office erhalten, dass die Wartezeit von zwei Jahren, die Flüchtlingen in England, welche Einreisegenehmigung nach anderen Ländern erwarteten, zugestanden werde, verlängert werden könne, wenn der Flüchtling nach Ablauf dieser Zeit ein Visum für ein anderes Land noch nicht erhalten habe. Ausserdem seien jetzt auch englische Konsulate in den an Deutschland grenzenden Ländern befugt Anträge auf Einreise nach England von Refugees entgegenzunehmen. Eine Sammlung zugunsten des Hilfswerkes des „Ort“ und der Flüchtlingshilfe ergab über £ 150/-/-. Dr. F. Petz all, der für die Refugees sprach teilte mit, dass nach den dem Zentralkomitee zur Verfügung stehenden Angaben von deutschen Flüchtlingen in Südafrika gegründete Firmen einer erheblichen Anzahl weisser Südafrikaner, sowie Flüchtlingen und Farbigen Arbeit gegeben haben. Es bestehe vollkommene Solidarität zwischen jüdischen und nichtjüdischen Flüchtlingen aus Deutschland. Walter Lenk (Violoncello) und Ilse Kadden (Klavier) spielten das Kol Nidre und eine von Lenk komponierte Elegie. VERMISCHTE NACHRICHTEN Die südafrikanischen jüdischen Prediger, die eine Konferenz in Johannesburg abhielten, nahmen eine Ents-chliessung an, die das Umsichgreifen des Judenhasses in Südafrika beklagt und einen Appell an die Prediger aller Religionen richtet, diesem Uebel zu begegnen. Weitere Entschliessungen sprachen die Trauer der jüdischen Prediger über das Hinscheiden des Papstes und die Bereitwilligkeit aus, an der Lösung des Flüchtlingsproblems mitzuwirken. He di Haas, bekannt durch ihr Auftreten als Sängerin in den jüdischen Kulturbundtheatern, sang Chansons anlässlich ihres ersten Auftretens in Südafrika bei der Unabhängigen Kulturvereinigung, Johannesburg. Sie wurde begleitet von Hermann Herz, früher München und Berlin, Claire HilsenrathLevy, vormals Krefeld. Sie gab Charaktertänze eigener Schöpfung zum Besten. Verschiedene Stücke jüdischer Autoren wurden in englischer Uebersetzung in Johannesburg aufgeführt. „Nie wieder Frieden“ von Ernst Toller und „Die 12,000“ von Bruno Frank wurden von Amateurbühnen gespielt, während der südafrikanische Rundfunk Molnars „Schwan“ übertrug. Die Jewish Guild führte Schnitzlers „Abschiedssouper“ auf. Andrang zur Atija in CSR Aus Bratislava (Pressburg), der Hauptstadt der Slovakei, wird uns von Anfang März (also unmittelbar vor dem Ausbruch der Staatskrise) u. a. geschrieben: Das zionistische Leben in der, Tschecho-Slovakei hat seit den kritischen Herbsttagen keinen Augenblick stagniert, trotzdem die Organisation als solche durch den staatlichen Umbruch schwere Einbusse erlitt. Ebenso wie die Prager „Selbstwehr“ erscheint auch die Bratislaväer „Jüdische Allgemeine Zeitung“ seit den Herbstmonaten nicht mehr. In der Karpato- Ukraine (Karpatorussland) sind volksreiche Zentren jüdischen Lebens, die jüdischem Kulturleben und Chaluziuth mächtige Impulse gegeben haben, an Ungarn angeschlossen worden, wie Munkäezewo, Uzhprod mit ihren hebräischen Mittelschulen. Wie verlautet, soll das hebräische Gymnasium in Munkacz mit den durch Staatswechsel bedingten Veränderungen aufrechterhalten bleiben, und zwar unter dem Direktorat des auch bisher als Professor dort tätig gewesenen Misrachisten Ing. Elias Rubin. In Prag und Bratislava hat sich je ein Geschäftsausschuss (G. A.) der Zionistischen Organisation konstituiert, wo sich die Leitung einerseits des böhmisch-mährischen und andererseits des slowakischen Landesverbandes konzentriert. Das Prager Palästina-Amt errichtete in Bratislava eine Expositur für die Slovakei und die Karpato-Ukraine, der eine eigene Palästina-Kommission beigegeben wurde. Der A n d r an g zur Alijah ist gross. Wenn den Anforderungen entsprechend genügend Zertifikate und Transfermöglichkeiten zu Gebote stünden, könnte ein Strom von Kapital, tüchtigen Unternehmern ünd produktiven Menschen, die -bis nun noch unzermürbt und hoffnungsfreudig sind, sich nach Palästina ergiessen und es befruchten. Dieser Strom droht aber zp verebben, falls es nicht gelingen sollte, bald ausgiebige Alijah-Möglichkeiten zu schaffen, denn der Stillstand. des jüdischen Wirtschaftsleben droht den vorhandenen Besitzstand aufzuzehren und mit dem Dahinschwinden der materiellen Mittel schrumpft auch die Unternehmungslust zur Schaffung neuer wirtschaftlicher Positionen in Erez Israel zusammen. Es sollte alles darangesetzt werden, die im tschechoslowakischen Judentum gesammelten grossen geistigen und wirtschaftlichen Kräfte für die Zukunft unseres Volkes und Landes zu retten und nutzbar zu machen, solange dies noch möglich ist. Im Flüchtlingslager Heijplaat JtL. Den Haag, im März. Weit dr aussen im Hafengebiet von Rotterdam, auf einer Landzunge, die auf der einen Seite von der Neuen Maas, auf der anderen vom Waalhaven begrenzt ist, liegt die frühere Quarantänestation Heijplaat, die jetzt als Flüchtlingslager eingerichtet ist. Ein jüdischer Autobusunternehmer im Zentrum von Rotterdam hat an den Besuchstagen — Sonntag und Dienstag — einen Autobusdienst zu dem sonst nur schwer erreichbaren Quarantänelager Heijplaat eingerichtet. Ueber die grosse Willemsbrücke, von der sich ein weiter Blick über die Maas eröffnet, führt der Weg an Lager-: häusern, Getreidesilos, grossen und kleineren Schiffen und am Flughafen Waalhaven vorbei zum Komplex des Lagers, dessen Steinbaracken mit ihren roten Dächern schon von weitem sichtbar sind. Hinter dem grossen Gittertor warten bereits Kinder und Erwachsene auf die Besucher. Punkt zwei Uhr wird geöffnet. Die Besucher werden einzeln hereingelassen und müssen' sich namentlich in eine Liste eintragen und eine Karte in Empfang nehmen. Viele bringen ihren Angehörigen Esswaren oder ein nützliches Kleidungsstück mit. Rasch prüft die Kontrolle, ob sich nicht unzulässige Gegenstände darunter befinden und dann kann die freudige Begrüssung erfolgen. Das Lager umfasst ein ausgedehntes Terrain, auf dem sich eine Reihe von steinernen Baracken befinden, die die Wehn- und Aufenthaltsräume für die Flüchtlinge enthalten. Es sind Baracken für Mädchen und für Jungens vorhanden, aber auch Männer und Frauen sind dort untergebracht. Für eine Reihe von Ehepaaren gibt es kleine Einzelzimmer. Wandschränke und Nebenräume dienen zur Aufnahme von Kleidung und Gepäck. Ueberall gibt es fliessendes Wasser und Baderäume. Die Barackenbewohner müssen selbst umschichtig für die Reinhaltung der Räume sorgen. Jede Baracke hat einen besonderen Aufenthaltsraum, in dem man lesen, schreiben und spielen kann. Lektüre ist natürlich immer begehrt, vor allem neueste Zeitungen. Die Mahlzeiten, werden als nahrhaft und ausreichend bezeichnet. In einer Kantine, die im früheren Desinfektionshaus eingerichtet ist, kann man zu billigen Preisen - Kaffee bekommen und alle ‘ möglichen nützlichen Dinge und Lebensmittel kaufen. Seit einiger Zeit gibt es auch regelmässigen Unterricht in verschiedenen Sprachen, vor allem Englisch, sowie Handwerksfächern wie Elektrotechnik und Autoschlosserei. Ein Rabbiner, der sich unter den Lagerbewohnern befindet, sorgt für den Gottesdienst. Zu Purim gab es einen richtigen Kabarettabend. Sogar zu einer Lägerzeitung hatman es bereits gebracht, in der zum Ausdruck kommt, was die Lagerbewohner bewegt. Rasenflächen dienen dem Spiel. Das Lager untersteht der Aufsicht des Lagerkommandanten, der für die gute Ordnung sorgt und von Vertrauensleuten in den einzelnen Baracken unterstützt wird. Alle empfinden es als ein Glück, dass sie aus Deutschland, zum Teil aus dem Konzentrationslager, heraus sind. Die Kinder fühlen sich bei dem Lagerleben ganz wohl, wenn es auch für manchen nicht immer ganzeinfach ist, sich einzuordnen. Ein vergnügtes Gesicht macht jener Junge, der, da er keine Verwandten im Auslande hatte, an die holländische Königin schrieb und um Aufnahme in Holland ersuchte, die ihm dann auch durch Vermittlung des Kinderkomitees gewährt wurde. Anders steht es naturgemäss vielfach mit den Erwachsenen. Sie sind alle den Holländern dankbar, dass sie sie hier aufgenommen haben, aber sie leben unter dem ständigen Druck der Ungewissheit ihres künftigen Schicksals. Das Flüchtlingskomitee veranlasst regelmässig einen seiner Mitarbeiter, mit den Flüchtlingen ihre Zukunftspläne für weitere Emigration zu besprechen. Manche, die bereits ein Auswanderungsverfahren eingeleitet haben, bekommen auch wohl Urlaub, um mit dem Konsul des Landes Rücksprache nehmen zu können. Aber die grossen Schwierigkeiten, die sich überall einer Auswanderung in Ueberseeländer oder nach. Palästina entgegenstellen, machen sich naturgemäss hier in besonderem Masse geltend. Und so verlässt der Besucher das Flüchtlingslager mit dem zwiespältigen Gefühl der Genugtuung über das, was hier von holländischer Seite für die jüdischen und nicht-' jüdischen Flüchtlinge .getan wird, und der Unruhe über ihr Schicksal nach der Rückkehr ins freie Leben. PARISER NOTIZEN Von unserem Berichterstatter K. Paris, Anfang März. Das erste französische Sammellager. In Mittelfrankreich ((in der Nähe von Mende Dept. Doziere) ist vor einigen Tagen das erste französische Sammellager (Centre Special de Rassemblement) eröffnet worden. Dieses Lager ist für Ausländer bestimmt, die aus irgendwelchen Gründen, sei es infolge von Delikten, sei es infolge von Illegalität des Aufenthaltes unter besonderer Bewachung stehen. Zur Zeit befinden sich etwa 40-50 Personen in diesem Lager, darunter auch einige Flüchtlinge aus Deutschland und Oesterreich. Die Bewohner des Lagers sind unter strenger polizeilicher Bewachung in einem früheren Seminar untergebracht. Die landwirtschaftliche Schulung der jüdischen Jugend. In Paris ist eine neue Organisation zur landwirtschaftlichen Ausbildung der jüdischen Jugend . in Frankreich gebildet worden, die den Namen “Association pour le Developpement de l’Agriculture parmi la Jeunesse Israelite en France” trägt. Präsident der neuen Vereinigung ist Elie Sofer. Die Association wird in Zusammenarbeit mit den jüdischen Scout-Vereinigungen in Frankreich eine Lehrfarm für die jüdische Jugend organisieren. Verschiedene jüdische Gemeinden in Frankreich haben der neuen Vereinigung' ihre Unterstützung zugesagt. Diese hat vor allem auch die Installation jüdischer Landwirte in Frankreich zum Ziel. Ein neuer französischer Grossrabbiner? Wie verlautet, wird der Grand-Räbbin de France, Israel Levi, infolge seines hohen Alters von seinem Amte zurück-, treten. Als Kandidat kommt neben dem Pariser Grossrabbiner Weil und dem Leiter der Rabbinatsschule Liber auch der Strassburger Grossrabbiner Schwarz in Frage. Die Entscheidung über die Besetzung des Postens wird in Kürze .gefällt werden. Diskussion der Jwdenfrage. Im Rahmen der freien Sprechtribüne des Pariser “Club du Faubourg“ -wurde erneut das jüdische Problem besprochen. Der bekannte Bürgermeister von Oran Abbe Lambert, der früher der „Ligue contre TAntisemitisme“ - angehörte, jetzt aber unter die antisemitischen Agitatoren gegangen ist, berichtete von seiner Deutschland-Reisp, deren Ergebnisse er in seinem Buch “Allemagne 1938” niedergelegt hat. Lambert wandte sich zwar gegen den „Rassismus”, griff aber die Juden scharf an. In der Diskussion kamen Judengegner und -Freunde zu Wort. Einige Wochen später hat Robert de Beauplan im gleichen Kreise seine von der grossen Zeitschrift “L’Hlustration” veröffentlichte Broschüre “Le Drame Juif” verteidigt. Diese Broschüre stellt eine bemerkenswert objektive Schilderung des Judenproblems und der antisemitischen Bewegung dar. ERLEBNISBERICHTE AUS DEUTSCHLAND Bin amerikanisches Archiv sammelt, wie wir erfahren, dokumentarisches Material über die Ereignisse in Deutschland seit 1933, das für eine spätere Geschichtsschreibung massgebend sein soll. Das Material wird mindestens 20 Jahre versiegelt gehalten, damit es dem aktuellen Tageskampf entrückt wird und nur einer späteren Generation die Würdigung der gegenwärtigen Vorgänge erleichtert. Dokumente dieser Art (Erinnerungen, Tatsachenberichte, Briefe, Photographien usw.) können zu dem erwähnten Zweck an die „Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland“, 113 West 57th Street, New York City, gesandt Werden. Eine Reihe von amerikanischen Colleges haben in der letzten Zeit unter Schülern und Lehrern Gelder gesammelt, um jüdische Flüchtlinge aus Deutschland und Oesterreich als Studenten aufnehmen zu können. Die amerikanische Presse berichtet ständig über die Ergebnisse dieser Sammlungen und erwähnt auch die Namen der aus Deutschland auf genommenen Studenten. AUS WANDERER-ABGABE IN DEUTSCHLAND für die „ReichsVereinigung der Juden“ . Die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland teilt mit: „Nach Genehmigung durch die zuständigen Behörden wird mit sofortiger Wirkung von allen in Deutschland (Altreich) wohnhaften Juden (§ 5 der 1. Verordnung zum Reichsbürgergesetz), sofern ihr Vermögen den Betrag von 1000 RM. übersteigt, im Falle der Auswanderung einheitlich ein Beitrag als Auswandererabgabe erhoben. Diese Auswandererabgabe soll dazu beitragen, die Mittel für die Erfüllung der Aufgaben der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland aufzubringen. Die Erhebung dieser Abgabe erfolgt einheitlich nach Richtlinien, die den Jüdischen Gemeinden (Kultusvereinigungen) bereits zugegangen sind. Danach ist künftig vor der Auswanderung eine Bescheinigung darüber beizubringen, dass der Auswanderer seinen ordentlichen Beitragsverpflichtungen gegegenüber der Kultusvereinigung, in der er seinen Wohnsitz hat, nachgekommen ist und die Auswanderungsabgabe errichtet hat. Dasselbe gilt für Informationsreisen“. Die Auswandererabgabe, von der hier die Rede ist, ist sonach” eine Abgabe, die an die Stelle der früheren Gemeindesteuern tritt. Jeder Jude ist heute ein potentieller Auswanderer und wird beim Verlassen Deutschlands auf diese Weise zugunsten der Gemeinschaft besteuert. KLEINE NACHRICHTEN Nach einer Berliner Pälcor-Meldung wurde Juden die Benutzung von Sc h 1 a f w a ge n und Speisewagen auf den deutschen Reichsbahnen verboten. Wie Palcor aus Berlin meldet, ist bei der zweiten Rate der Juden-Vermögensabgabe, die am 15. Februar fällig war und ein Viertel der den Juden auferlegten Summe von einer Milliarde Mark erbringen sollte, nur etwa der dritte Teil aufgebracht worden. Trotz der Heranziehung aller noch im j" lischen Besitz befindlichen Vermögenswerte konnte aus der völlig verarmten Judenheit Deutschlands nicht mehr als etwa 75 Millionen Mark als zweite Rate herausgepresst werden. Auch dies ist, objektiv gesehen, eine gewaltige Leistung. Ueber die Bedeutung der Wanderung für die Wirtschaftsgeschichte sprach, wie wir einem Londoner Bericht entnehmen, kürzlich in London Professor Moritz Bonn, ehemals Professor an der Handelshochschule Berlin. Professor Bonn wies darauf hin, dass. die europäische Geschichte von der Entdeckung Amerikas 1492 bis zum Weltkrieg das Zeitalter der modernen Wanderung genannt werden kann. Die meisten Wanderungen hatten ihre Ursache in politischen und religiösen Unterdrückungen. Nun ist in der Nachkriegszeit die Einwanderung in die meisten Länder beschränkt worden. Heute aber zeigt sich ein neues Problem, da nämlich in vielen alten Ländern die natürliche Vermehrung abnimmt, sodass bald ein Zustand der Unterbevölkerung erreicht sein wird, der die betr. Länder zum Angriffsobjekt der übervölkerten Länder machen wird, falls nicht dafür gesorgt wird, dass die Lücken in der Bevölkerung systematisch aufgefüllt werden durch ein Bevölkerungselement, das aufbaufähig und zugleich im politischen und militärischen Sinne verlässlich ist. In diesem Sinne zeigen sich die Umrisse einer möglichen Lösung der heutigen Wandernot. Das antisemitische Hetzblatt „Balkan“ in Beograd wurde von den jugoslavischen Behörden verboten. Vor einigen Tagen gab die Redaktion dieser Zeitung, eine serbische Uebersetzung der „Protokolle der Weisen von Zion“ heraus. Die transjordanische Regierung erliess eine Bekanntmachung, wonach sie alie Versuche einer Störung der öffentlichen Ordnung mit starker Hand unterdrücken werde.