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Ketzerforderungen. 195 Palästina erst der Zionismus beginnt. Denn nicht das ist zionistischwesentlidi, daß man nach Palästina geht, sondern wie man nach Palästina geht, wie man sich in das wachsende, lebende Palästina hineinstellt und welches Ziel man ihm setzt. … Jeder, der die Geschichte des Jischuw gut kennt, kennt neben den Helden auch die Märtyrer dieses Schlages, die in Palästina ihren Idealismus verloren haben. Nein, wir dürfen nicht zum Lande kommen und von ihm fordern, es solle uns stark machen, es solle uns gesund machen, es solle uns ganz machen.
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Audi hser sei die Jugend stark und hart, aber der Verantwop* tung bewußt, die def Kampf mit einem Gegner aufgibt, der sein Leben Palästina gewidmet hat, und den, wie die Jugend ein heiliger Schauder ergreift, wenn er von Zion hört. Er wird der Jugend sagen: »Sie solle warten und sich gedulden, wir sind noch lange nicht so weit, um: den sozialen Zukunftsstaat in Palästina aufzubauen,- vor uns stehen dringen^ dere, wichtigere Aufgaben,- wir müssen nach dem Kriege alle Kräfte auf die »praktische« Arbeit konzentrieren. … Es heißt »Gegenwartsarbeit« zu (eisten,- nur ein Sechstel aller Palästinenser sind Juden, es gilt die Juden in möglichst kurzer Zeit zur Majorität in Palästina zu machen, die die Geschicke des Landes bestimmt. Das Wirtschaftsniveau des Landes ist nicht hoch,- es bedarf langer Arbeit, um die Entwicklungs^ Möglichkeiten zu Realitäten zu machen, daß Palästina überhaupt für einen größeren Einwandererkreis aufnahmefähig werde.
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«in. : * Zionismus heiße ich nicht das Streben nach Palästina, sondern das Streben nach Zion, .Das Streben nach Palästina ist europäisch, das Streben nach Zion ist jüdisch. Palästina aber verhält sich zu Zion, wie Form zu Inhalt, Palästina ist das Land, d. h. ^lie Existenz- und Realisierungsmöglichkeit unseres Seins* Zion atber ist unser Leben an sich. Palästina ist real ungreifbar in unserer Nähe: Man kann hinübergehn,- man kann aucG wieder fortgehen. Es ist ein Ideal. Ein bald erfülltes Ideal, das vielleicht -enttäuschen wird, Zion ist eine Idee. losgelöst von aller Erfüll* barkeit besteht es an sich.
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Das ist meine Übersetzung der Worte Galuth und Zion. Zion? Liegt uns denn Zion in Palästina? Müssen, ja dürfen wir denn nach Palästina gehen? Tief hat mich heut und gestern ergriffen die Notwendigkeit, das Nichts anderskönnen, das vielen Kameraden Palästina bedeutet. … Da war nichts von kühler Erwägung oder sentimentaler Sehnsuchtsphrase. Vergleiche damit unser Ver^ hältnis zu Palästina, wenn Du überhaupt unser bisheriges vages Hin^ blicken als ein Verhältnis schon bezeichnen willst! Was ist uns die Geschichte unseres Volkes?
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Mir scheint das äußerliche Nachmachen unehrlich und auch lächerlich. . .. Übersiedlung nach Palästina. Ich kann nur so viel sagen, daß ich Sehnsucht nach Palästina habe. Meine Fähigkeit dort zu bleiben, wird, abgesehen von der Möglichkeit, die geeignete Arbeit dort zu finden, davon abhängen, ob ich dort einen noch so kleinen Kreis Gleichgesinnter hätte. … Mein höchster Wunsch ist die Arbeit später an einer jüdischen Schulgemeinde. Er steht mir auch über dem Wunsch, nach Palästina zu gehen. Und idi glaube, daß die Schul* gemeinde früher in Deutschland als in Palästina verwirklicht werden wird.
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Es wurde geprägt, als wir den Charterismus bekämpften: die Vorstellung, die Zionisten dürften in Palästina nidits tun, bis sie nicht den Charter, die öffentlich-rechtlichen Sicherheiten, für ihre künftige Siedlung erlangt hätten. … Aber kaum waren durch diese Arbeit der zionistischen Organisation Ansätze zu einem frischen jüdischen Leben in Palästina geschaffen, als das bißchen Erreichte schon zu einer Einschläferung des zionistischen Gewissens führte. Die »Palästinaarbeit« war Sache der Fachleute geworden.
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Nicht das Recht des Speeres wird ihm sein Reich und Land wiederschaffen, sondern nur das friedliche, süße und sanfte Redit des Pfluges. Nicht die Herrschaft haben wir in Palästina wieder einzuführen, sondern ihr ewiges weitj! geschichtliches Gegenspiel, die Genossenschaft. In diesem Zeichen werden i wir siegen, in jedem anderen Zeichen werden wir untergehen.« Über Genossenschaft ein ander Mal. Fritz Sternberg. Was uns not tut. Noch in Palästina hatte ich das Bedürfnis einmal zu meinen Gesinnungsgenossinnen in der Diaspora zu sprechen. Denn soweit idi diejenigen, die nach Palästina kommen, kennen lernte, hatte idi immer das Gefühl, daß man in der Diaspora nicht im klaren ist, was uns in Palästina not tut.
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Die Bedeutung der Bodenreform für das neue Palästina. 267 25)/ daß also die Gemeinschaft Eigentümerin des Bodens ist, nicht der Einzelne, wird für das neue Palästina, für das dritte Reidi, wieder erhoben, wenn die »Nationalisierung des Bodens« verlangt wird. … Schon haben sich große zionistische Landsmannschaften wie die russische und amerikanische zu dem Prinzip des Gemeineigentums am Grund und Boden Palästinas bekannt. Und besonders für diejenigen, die in Palästina ein vorbildliches Gemeinwesen aufrichten wollen, ist diese Nationalisierung die Grundlage ihrer Forderung einer »gerechten Gemeinschaft«.
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Der Innen- und Außenaufbau wird für mehrere Jahre unser ganzes Sein verlangen und doch nichts anderes als ein Vorbereiten für Palästina sein, für uns und unsere Kinder. Heute sind wir, trotz aller Gemeinschaftssehnsucht und reicher Erfüllungen doch noch Isolierte auf dem Wege nach Zion. … Ich glaube wirklich nach einigen Jahren engsten, stärksten Gemeinschafts^ lebens hier wird unser Zug nach Palästina wie ein Aufstand sein. Heute sind wir hier gewiß der Steigerung und Weitung aller Kräfte fähig. Gingen wir aber schon jetzt nach Palästina, — einzelne mögen sich stark genug fühlen und die sollen nicht säumen — mir scheint, es würde Raubbau bedeuten und gebrochene Menschen zeitigen.
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Entwicklung unseres Volkes von nun ab organisch vollziehen wird und daß aus der Zahl derer, die aus irgend welchen Gründen in ihrem bisherigen Wohnort bleiben wollen und aus der Zahl derer, die ihn mit Palästina vertauschen wollen, sich gerade das richtige Gleichgewicht ergeben wird, dessen das Volk zu seinem Gedeihen bedarf. … Wir wissen noch nicht, was von uns verlangt werden wird. Und wenn wir heute an Palästina denken und ungeduldig sind, es mit eigenen Augen zu sehen, mit unserer ganzen Kraft in ihm zu arbeiten, so sind das unsere Hoffnungen und unsere Wünsche, bestimmt durch unsere persönlichen Erlebnisse hier, durch unsere persönlichen Absichten dort.
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Emile de Laveleye hat in seinem Buch »Das Ur* eigentum«, das Carl Bücher übersetzt und ergänzt hat, nachgewiesen, daß bei allen Völkern, wenn auch nicht gemeinsamer Betrieb, so doch gemein* sames Eigentum an Grund und Boden geherrscht hat, und bei den in Palästina lebenden' Fellachen ist noch heute der Grund tind Boden Besitz des Dorfes, der Gemeinde, nur der Betrieb ein selbständiger; "An diesem Punkte werden wir in Palästina einzusetzeil haben. … % ' — 3.8 8.5 15.3- 483 836 728 15.2% 26'2% 22.9% 1822 5.1% 7095V2 19-8% 11128V* 3*-°% . . 30.0 529 16.6% *5 857 44- *% . . . . 11.5 3l87 100 % 359°3 100 % Ein Sechstel der Kolonisten besaß fast die Hälfte des gesamten Boden* areals,- wir brauchen dem nichts hinzuzufügen. In Palästina selbst kann man. einen großen Teil unserer Kolonien, um ein Wort Oppenheimers zu gebrauchen, auf nationales Verlustkonto buchen, da die jüdischen Pflanzungs* Kolonien zum großen -Teil auf arabischer Arbeit aufgebaut sind. * Die Jugend, die Palästina durch Arbeit jüdisch zu machen gedenkt, muß sich von der^ Vorstellung befreien, als sei das Land eine Ware wie
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Keine Besprechung von Vor* schlagen, Auszug und Aufbau will ich damit einleiten* Ich wende midi an die jüdische Jugend, der folgende drei Bedingungen voranstehen: 1. Die nach Palästina streben, Zijon selbst zu bauen. Die nicht rechnen, wie sie anderen Bereiten und Dienen überlassen. Denen nicht Frage ist: wie bringt man möglichst viele andere nach Palästina? Sondern deren Fragen darnach geht, wie sie möglichst bald selbst hinübergehen können. 2. Die in Palästina nicht irgend eine jüdische Zentralisierung wollen, sondern Zijon als die wahre jüdische Gemeinschaft, auf bedingungsloser Gerechtigkeit aufgebaut.
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140 Fritz Sternberg: Ostjudentums gebraucht worden sind. Ober das Tempo der zionistischen Kolonisation in Palästina wissen wir heute noch nichts Bestimmtes zu sagen, nur dies ist gewiß: niemals war die politische Konstellation, unabhängig davon, wem Palästina im Friedensvertrage »zufallen« wird, für eine jüdische Einwanderung so günstig, niemals war der Nationalgedanke so stark unter den Juden, niemals die Kapitalien, die zur Verfügung standen, größer, da sich ja auch nach dem offiziellen Eintreten der eng** lischen Regierung für den Zionismus zahlreiche Kreise der Hochfinanz in England und Amerika der zionistischen Bewegung angeschlossen haben und bereit sind, sie mit allen Mitteln zu finanzieren. Uber Nacht ist es zur Tatsache geworden, daß der Zionismus auch von »Realpolitikern« gewürdigt wird. Ein Pro*Palästina*Komitee in Deutschland von Westarp bis Scheide* mann! — wann wäre dies vor dem Kriege möglich gewesen!? Der Zionismus steht seiner Verwirklichung näher denn je,- er ist in das Manneszeitalter eingetreten.
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Mit der Steigerung der Einwanderung in den letzten Jahren und mit dem steigenden Geburtenüberschuß begannen sich jedoch bereits vor dem Kriege die Fragen, die das Gemeinschaftsleben dem Ein^ zelnen aufgibt, in Palästina fühlbar zu machen: die Siedelungs^ und Pioniergenossenschaften, die Form, in der man weiterhin Landarbeiter zu Kolonisten machen wollte, seien als Beispiel genannt. … Die Folge war, daß zwar in einige unserer Kolonien, vor allem die jüngsten, der Geist drang, der an der Wiege des ganzen Kolonisationswerkes stand, daß jedoch viele Kolonisten, und vor allem die überwiegende Mehrzahl der städtischen wirt* schaftlich tätigen Bevölkerung ein Leben führten, das kaum von dem ihrer Brüder in Europa und Amerika verschieden war. Palästina war Palästina, nicht Zion! Vor dem Kriege war dies noch möglich. Je größer jedoch die Expansion des Zionismus geworden ist, je berechtigter unsere Hoffnung auf ein außerordentliches Steigen der Einwanderung ist, um so gebieterischer erhebt sich die Forderung, nicht dem blinden Zufall > und der 11
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M a i s e 1 «Scfiodiat: Haushältungsbetrieben viel Erfahrungen gesammelt haben. Denn es muß ja klar sein, daß wir in Palästina vorläufig weder Haushaltungsschulen noch musterhafte Haushaltungzn haben, in denen man das nötige Rissen erwerben konnte, daß die Mehrzahl der nadi Palästina Einwandernden aus Osteuropa stammt, wo der Haushalt unter dem Mittelstande nicht auf der Höhe steht -und nodi vieler kultureller Einrichtungen entbehrt, und daß wir uns in Palästina mitten in einer kulturell sehr niedrig stehenden jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung befinden, deren Einflüsse wir unbewußt unterliegen. … Es ist meiner Meinung nach die direkte Aufgabe, der deutsdi^jüdischen Frau, die durch jahrelange Erfahrung und Studium auf diesem Gebiete in Deutschland angesammelte Kultur und Wissen sich anzueignen um so viel es den palästinensischen Ver* hältnissen nach möglich ist, in Palästina zu verwerten, umzugestalten und weiter zu entwickeln. Könnte die deutsch^jüdische Frau zu solchem Wissen und Können die Aufopferungsfähigkeit und den moralischen Mut der russisch-jüdischen Pionierin gesellen, dann würde ihre Arbeit von großem Segen für unsere Kolonisation sein.
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Dem Leben und zunächst dem Kampf, und zu diesem Kampfe rufen wir die Jugend auf, auf daß sie uns folge, zum Kampf gegen die Händler, die Palästina als ein »Betätigungsfeld« betrachten, zum Kampf aber vor allem gegen die Halben, die Vorsichtigen, die Prak* tiker, die Realpolitiker. … Die Jugend wird den Kampf gegen das Handlertum aufnehmen, gegen das Händlertum, das leider auch in Palästina nicht mehr unbekannt ist, wie die Vorgänge in Tel*Aviv gezeigt haben. Scharf und
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Was werden uns unsere Gesandten | in allen Staaten der Welt nützen, wenn wir selber in unserem Lande j sein werden, was wir hier auch geblieben wären: Kümmerlinge, hoffend | auf Rettung von außen, weil in uns selber keine Kraft und kein Ziel ist, '; die alles bangende Hoffen verwandeln würden in selbstsichere Zukunftsmöglichkeit? 2. Palästina. Palästina erscheint der Jugend heute so nahe gerückt wie noch nie. Sie rüstet sich mit Ungeduld und Leidenschaft zur wichtigsten Reise ihres Lebens. Mehr Menschen sind heute bereit, ihr hiesiges Leben abzubrechen und in Palästina neu zu beginnen, als jemals vor dem Kriege erwartet oder gehofft werden konnte. Und ein großer Teil der Jugend ist es vor allem, dem, so z^igt sich jetzt, die Forderung nach Palästina zu über*
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eines jeden, der herüberzugehen gedenkt, seinen jeweiligen Aufenthai in Europa dazu zu' »benutzen, um sich womöglich sehr gut auf dem Gebiete -auszubilden, auf dem er in 'Palästina tätig zu sein beabsichtigt. Diese Notwendigkeit, sich in Eurqpa *gut auszubilden, bevor man nach Palästina igeht, trifft für alle Tätigkeitsgebiete gleich zu, denn nur unter dieser Bedingung können wir auf 'einen wirtschaftlichen Erfolg trotz der abertaüsenden Schwierigketten, denen wir auf jedem Gebiete in diesem noch unentwickelten Lande begegnen werden, hoffen. … Es läßt sidi aber kaum mit Genauheit heute etwas darüber sagen. Wer weiß, wie das Leben sich in Palästina nach dem Kriege gestalten wird? Wer weiß, welche Gebiete
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Bin ich jedoch losgelöst, auf mich allein gestellt, dann beherrschen midi größtenteils Gedanken über Palästina, jüdische Zukunft und Alles, was damit zusammenhängt. * « m. Ich glaube, du sollst nicht fragen: wie verbinde ich in meinem Leben die beiden Ideale?! … Soll ich Künstler werden <implicite: in Europa bleiben), oder als Bauer nach Palästina gehen? Ich will später antworten. So gut ich kann. Zunächst ist es nötig, daß wir das Verhältnis des Künstlers zum Volk, im allgemeinen, wie es aus dem Wesen der Kunst hervorgeht, untersuchen.
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Die Bedeutung der Bodenreform für das neue Palästina. 273 mehr eine Gemeinschaft errichten, wie die Propheten sie erschaut, in der keine Ausbeutung des Menschen durch den Menschen stattfindet. … Wenn es dem Nationalfonds gelingt, Land in Palästina im weitesten Umfang zu erwerben, so wird, demgegenüber der in jüdischen Händen befindliche Privatbesitz <im ganzen sind heute auch einschließlich der Nationalfondsländereien zwei Perzent des Landes in jüdischem Besitz) kaum in Betracht kommen.