-
Manche glauben, daß Palästina außerhalb aller Natur- und Entwicklungsgesetze stehe. Was Millionen Juden in Rußland, Österreich oder Amerika nicht vermochten, könnten Hunderttausende in Palästina sicher zuwege bringen. … Das Chalukah-Jerusalem, Hebron, Tiberias und Safed faulenzen, und Jaffa, Haifa und die Kolonien arbeiten, wie man es in Palästina bisher nicht kannte.
-
168 Jacob Rabinowitsch, Geistige Produktion in Palästina. Die gegenwärtige palästinensische Judenheit ist zu sehr durch materiellen Aufbau und Erziehung in Anspruch genommen.
-
Jacob Rabinowitsch, Geistige Produktion in Palästina. 169 '•^^«•»«•■'•••^•^MH^miin^^^H^tMB^HVVVi^^aaiHa^^VVVMH^B^^^^HIBMBHMaiBMM^^ in denen es keine jüdische Arbeit gibt, in den alten Jischub einmünden. Aber jene Religion der Arbeit, die zwar viele Keime zu einer wahrhaften Renaissance und demgemäß zu geistigem Schaffen in sich birgt, befähigt doch den Jungjuden in Palästina nicht zu geistiger Produktion, da sie ja alle Kräfte, Energie und Seele für Boden und Arbeit in Anspruch nimmt. Andere schaffende Institutionen aber gibt es in der Tat in Palästina nicht Es sind zwar in einigen Branchen viele tüchtige Handwerker vorhanden, aber Schaffende sind sie nicht.
-
170 Jacob Rabinowitsch, Geistige Produktion in Palästina. Aber auch unser Bourgeois ist keiner Produktion fähig. Er ist sattsam zufrieden, und diese seine Zufriedenheit rinnt wie Speichel auf den Lippen und ist zuckersüß. … Produktion ist aber in ihren Anfängen zumeist eine Folge von Erbitterung* Doch wer denkt, daß es jetzt in Palästina Platz für große Erbitterung gibt, befindet sich im Irrtum. Das Gebäude ist noch sehr klein, man kann sagen winzig, und wie der Bau, so auch seine Schäden.
-
-
298 I. Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina. das aber ist nicht dem Wohlstände der Bewohner, sondern der Baron-Hirsch-Verwaltung zu danken, die nach einem bestimmten Schema die Kolonistenhäuser gebaut und eingerichtet hat. … Die Lage ist aber in den meisten Kolonien derart schlimm, daß die Ica den Kolonisten systematisch durch unverzinsbare oder kleinprozentige Darlehen unter die Arme greift und einen großen Teil der Gemeindeausgaben (Wasserleitung, Brunnenbohrung, Schule usw.) trägt Bis heute gibt es in Palästina keine einzige Kolonie, die nicht von außen her durch die verschiedenen
-
L Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina. 299 Organisationen, unterstützt wird. Auch die Chaluko trifft man in sehr vielen Kolonien an. Von allen Siedlungen lassen sich höchstens 5 aufzählen, deren Bestand demoberflächlichen Beobachter ein fester zu sein scheint Das sind: Peßach- Tikwoh, Rischojn, R'chojwojs, Sichrojn und Chedera.
-
300 L Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina* läßt sich nur erwarten von einer progressiven Neubepflanzung der Weingärten. Dazu sind aber die Leute von Rischojn, die sich heute schlecht und recht durchschlagen, nicht imstande.
-
I. Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina. 305 von der Mistfrage das weitere Los der palästinensischen Kolonisation abhängig macht. Diese Frage aber steht, wie wir bereits sahen, in engstem Zusammenhang mit einer anderen: der nach dem Stand der Viehzucht in Palästina. 3. … Pferde und Arbeitsochsen fressen die ganze Streu; oft gibt es auch für die nichts. Von Heu sieht man in ganz Palästina nichts. Nur in Beß-Gan und in Sedschera wuchs einigemal das Gras hoch genug, um davon Heu zu schneiden. Wiesen mit künstlischer Bewässerung, von denen sich das ganze Jahr hindurch Heu schneiden läßt, kann man in Palästina nicht anlegen.
-
306 L Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina. der dortigen Armut nicht wenig bei. In den Kolonien gibt es ein Wort: man dürfe von den Hausvätern für die Familie nichts weiter fordern als das nötige Brot. … Für Milch, Fleisch, Gemüse und Eier muß die Frau in der Hauswirtschaft absparen. In Palästina ist aber die Hauswirtschaft sehr schwach entwickelt Daran sind zu einem gewissen Teile die Kolonisten und ihre Frauen selbst schuldig, zum größten Teil aber die äußeren Verhältnisse.
-
L Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina, 307 (Hier folgt im Original ein größerer Absatz, in dem der Autor das Klima und die für das Land typischen Krankheiten, sowie ihren hemmenden Einfluß auf das Vorwärtskommen der Ansiedler behandelt. … Die Bevölkerung. Es gibt keine genauere Bevölkerungsstatistik über Palästina. Man berechnet die Einwohnerzahl auf 800000 Seelen, die Zahl der Juden auf fast 100000 (12—13 Prozent), und die der Araber (ohne die, welche mit ihren Herden herumziehen) auf 650 000.
-
296 h Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina, /endlich auseinandergerissen werden. Der Wahnsinn aber, auf die großen jüdischen Fragen der Emigration, der Kolonisation, der Kultur und der Politik immer wieder mit derselben impotenten Formel „Palästina" zu antworten, kann nur dadurch geheilt werden, daß man das ruhige, untrügerische Tageslicht endlich auch über Palästina scheinen läßt, und damit die Palästinahvsterie un- * «<■ schädlich macht. … JVL K. * A. Der Stand der Kolonisation Die jüdischen Kolonien in Palästina bestehen in ihrer großen Mehrzahl länger als zwei und drei Jahrzehnte. Noch immer aber haben sie ihre Grundlage nicht festigen können; viele sind da, die wie verkrüppelte Treibhauspflanzen anmuten und nur durch beständige Unterstützungen sich halten können.
-
L Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina, 297 gehen. Dabei war das Jahr 1911 gar kein schlechtes und ergab eine gute Ernte. Die reichte aber kaum dazu aus, die fälligen Zinsen an die Ica-Verwaltung zu bezahlen. … Diese aber, die in den Zeitungen nur glänzende Berichte lesen, glauben, ihre Freunde vergönnten ihnen nicht dieses Glück, in Palästina Bauer zu werden, und zürnen ihnen für ihren „Egoismus." In Wahrheit aber führen die Kolonisten ein sehr beklagenswertes Leben.
-
I. Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina. 295 Die jüdische Kolonisation in Palästina. Von I. Lewin* Man kann der zionistischen Presse sehr schlimme Dinge vorwerfen, nur das eine nicht: daß sie ungeschickt arbeite. … Sie hat für Palästina eine ganz besondere Technik der Lichtbildnerei ersonnen, deren sich der selige Herr Potemkin nicht zu schämen brauchte.
-
I. Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina. 301 Welt da draußen von dem glänzenden Stand der palästinensischen Kolonisation. Eine andere Tatsache zeigt es noch deutlicher, wie unsicher und erfolglos die bisherige Kolonisation gewesen ist Die verschiedenen Kolonisationsgesellschaften, die im Lande tätig sind (Jca, Chowewe-Zion, P. … Ob diese vielen Versuche dazu führen, daß eine entwicklungsfähige Siedlung in Palästina sich aufbauen kann, das wird die Zukunft lehren. Die heutige Siedlung jedenfalls vermag es nicht, ungeachtet der zehnfachen Millionen, die in sie hineingesteckt wurden, auf eigenen Füßen zu stehen, noch hat sie die Kraft, sich weiter auszubreiten.
-
302 I. Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina. So ist denn schon jetzt die gesamte Fläche, die in den Tälern und der Hochebene für Feldarbeit oder Baumpflanzung geeignet ist, in Bearbeitung genommen. … Beim Verwenden gemieteter Arbeitskräfte — das sehen wir am Beispiel der meisten jüdischen Feldarbeiter in Palästina — ernährt aber eine solche Feldwirtschaft kaum ihren Eigentümer. Deshalb gibt es dort nur wenige Kolonisten, die sich selbständig angesiedelt haben.
-
I. Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina. 303 dabei wurden sie von ihren Helfern abhängig. Zu welchen Resultaten dieses Verhältnis fährt, das werden wir im folgenden sehen. 2. Fruchtbarkeit des Bodens. Die Bodenart wechselt in Palästina sehr. Die wenigen Analysen, die der Ingenieur; Winik in Rischojn L'ziojn bisher vornahm, ergaben einen starken Gehalt an Kalkstoffen und das Fehlen von Kali und Phosphor.
-
304 I. Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina. Wir sehen, nach dem Weizenertrag läßt sich die jüdische Kolonisation nur mit Rußland vergleichen — nach dem Gersteertrag nur mit Rußland und Argentinien, Länder höchst extensiver Wirtschaftsweise. … Denn die Bedingungen für Viehzucht sind, wie wir sehen werden, in Palästina die denkbar schlechtesten. Außerdem ist der Kolonist gezwungen, sein bißchen Vieh die meiste Zeit aus dem Stall zu treiben, auf die Berge und, wie das in Palästina erlaubt ist, auf fremdes Land.
-
808 L Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina. und Gewalttaten kommen aber selbst dort, wo die gegenseitigen Beziehungen nicht schlecht sind, tagtäglich vor. Sehr schlimm sind die vielen Flurschäden und Ernteplünderungen, wogegen sich die Kolonien nur durch beständigen Wachtdienst schützen können.
-
I. Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina. 309 dessen Bedürfnisse und Ansprüche unverhältnismäßig höhere sind. So stellt denn der jüdische Pflanzer genau so wie der jüdische Kolonist, mehr und mehr ausschließlich arabische Arbeitskräfte ein. … So hat jeder Kolonist, der in Palästina angesiedelt wird, nur als Einzelperson zu gelten, nicht