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DATEN UND MATERIALIEN Palästina-Rundschau i. Kriegsfolgen und Pflanzungskolonien Über die wirtschaftlichen Wirkungen der Kriegslage auf die jüdische Siedlung in Palästina wurde bereits mehrfach berichtet, so daß von einer eingehenden Übersicht abgesehen werden kann. Der Krieg hat vielleicht kein Land so völlig isoliert, von den Quellen seiner Einfuhr und den Märkten seiner Ausfuhr restlos abgeschnitten, wie es Palästina beschieden war. Landwirtschaftliche Betriebe, die wohlhabenden Leuten im Auslande gehören, gerieten in Stockung, weil die Landeigentümer nach dem „feindlichen" Palästina keine Geldbeträge, oder nur sehr unregelmäßig, überweisen konnten.
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Die Zahl der Ausgewanderten betrug etwa 1000, davon die größere Hälfte landwirtschaftliche Arbeiter. Den Abzug dieser empfand man in Palästina am schmerzlichsten; aus der Kolonie Petach-Tikwah allein wanderten ca. 250 Landarbeiter aus. Es ist übrigens typisch, daß die sogenannten privatwirtschaftlichen Kolonien es am wenigsten vermochten, ihren Lohnarbeitern gesicherte Arbeitsgelegenheit zu verschaffen.
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Uber den Umfang dieser Arbeit, für die hauptsächlich das Poale-Zion-Palästina-Komitee in New York die Mittel bereitstellte, geben die uns vorliegenden Bilanz und Rechnungsabschluß für die Zeit vom 1. … Beide Komitees erhielten die erforderlichen Mittel vornehmlich vom amerikanischen Hilfsfonds. In Haifa ermöglichte die Immobiliengesellschaft „Palästina** die Durchführung von größeren Arbeiten. Die Akkordgruppen wurden von dem Beth-Hapoalim bezw. dem Arbeitsbureau organisiert.
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Es besteht leider keine lückenlose Statistik der jüdischen städtischen und ländlichen Siedlungen in Palästina. Bei der Stadtbevölkerung ist man gänzlich auf Schätzungen angewiesen, bei den Kolonien bieten die Berichte der ICA (Jewish Colonisation Association) verläßliche Angaben, sowie gelegentliche Zählungen des Palästinaamtes und der Arbeiterorganisationen.
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Und besonders jetzt, in diesem schweren Augenblick, da bei uns alles zerstört und vernichtet wird, so daß es schwer zu sagen ist, wo die Vernichtung größer ist, in den Golusländern oder in Palästina, unserer letzten Zuflucht, und es keine Hoffnung mehr gibt, außer auf uns selbst — worüber, sollte man rheirien, müßten wir mehr nachdenken, wonach mehr streben, als nach Vereinigung aller unserer Willen zu einem nationalen Wollen, aller unserer Kräfte zu einer nationalen Arbeit? … Bei uns zum Beispiel hat einer Zionist sein und sogar in Palästina arbeiten und zu gleicher Zeit Anti-Nationalist
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Briefe aus Palästina 647 sein können, bis die Zeit kam, da der offizielle Sozialismus offiziell erlaubte, Nationalist zu sein. Überhaupt, für unser Volk arbeiten, wie jeder lebende Mensch für sein Volk arbeitet, oder wie viele von den Unseren für andere Völker gearbeitet haben oder arbeiten, sich vollkommen den Idealen unseres Volkes hingeben _ das heißt noch heute bei uns: zu engherzig.
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648 A. D. Gordon: Briefe aus Palästina vorhanden, da ist Tragik, Herzeleid, wenn ein Herz da ist. Und die Tragik ist noch tiefer, weil kein Schuldiger vorhanden ist, und wir beständig Schuldige in denen sehen und sehen müssen, die nicht denken und fühlen wie wir.
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Aber dieses Thema fordert wieder einen besonderen Brief. Lebt inzwischen, meine Freunde, wohl und glücklich! Palästina A. D. Gordon VOM GEMEINSCHAFTSLEBEN DER CHASSIDIM 3. Die Chassidim führen bis auf den heutigen Tag ein Eigenleben, durch das sie sich von den andern Juden, besonders den „Mithnagdim", abheben, wenn auch nicht mehr so scharf wie einst.
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A. D. Gordon: Briefe aus Palästina 643 BRIEFE AUS PALÄSTINA Der palästinensische Arbeiterführer A. D. Gordon, von dem wir im i. Heft den Aufsatz „Arbeit" brachten, stellt uns das Manuskript von vier „Briefen" zur Verfügung, die, ursprünglich für ein breites ostjüdisches Publikum bestimmt, diesem demnächst im jiddischen Original bekanntgegeben werden sollen, die aber wohl den Westjuden nicht weniger zu sagen haben. … Das reinigt, das befreit, denn das bringt das Leben, wie es ist, und das Leben selbst kann auf der Seele spielen, auf allen Saiten des Gefühls und des Gedankens. Und so einfach ist mein Gruß aus Palästina. Alles ist in Palästina so einfach, werktägig wie überall. Ihr habt hier alle Kleinlichkeiten und, wenn ihr wollt, alle Niedrigkeiten wie überall.
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Das ist der Vorzug von Palästina für uns, daß wir in ihm bei uns sind, bei uns in allem, was wir sind und was wir erleben — ob wir es nun fühlen oder nicht. … Ist einer in Palästina, hat er etwas getan, etwas gelitten für unsere Sache, so mag er später auch, Gott behüte, bankrott machen oder gar außer Landes fahren, mag sein Tun ins Nichts zerfallen, —■ seine Energie, seine Hingabe, sein Leiden bleibt.
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Bei jemand Interesse erwecken heißt nicht, ihn für immer gewinnen, gewinnen mit Leib und Leben, — und Erez Israel fordert von euch Leib und Leben oder es fordert nichts. Ihr seid Juden, solche Juden, wie wir in Palästina. Meine Absicht ist, euch nicht so sehr darauf aufmerksam zu machen, was ihr für Palästina tun müßt und könnt, als vielmehr darauf, daß Palästina für euch mehr tun kann, daß es euch mehr geben kann als ihr ihm. Und nur dann, wenn Erez Israel euch etwas Lebenswichtiges gibt, nur wenn ihr in ihm das sucht, was ein Jude nirgends sonst finden kann, was tief in jeder jüdischen Seele fühlbar ist, ohne daß es einen Ausdruck finden kann, weil es keinen Ausdruck besitzt, weil es nach einem solchen erst in Palästina sucht, — erst dann könnt ihr etwas Wesentliches für Palästina tun. Sehr schlimm, sehr schädlich würde es für euch und für Palästina sein, wenn ihr ihm nur geben und nichts von ihm nehmen würdet.
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728 A. D. Gördon: BRIEFE AUS PALÄSTINA Dritter Brief Meine Freunde! Ich komme jetzt zum schwierigsten Gegenstand unserer Unterhaltung. Wir halten beim Krieg.
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Briefe aus Palästina 729 als die Begierde, über den andern, seine Kraft, seinen Willen, sein Leben zu herrschen, um ein wirtschaftlicher oder ein geistiger Parasit oder beides zu sein.
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Briefe aus Palästina 731 So ist das Leben des Einzelnen und so das des Volks. Eines hängt von dem andern ab. Richtiger: das Volk ist das wichtigste Zwischenglied zwischen dem Leben des Individuums und dem der Natur.
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Briefe aus Palästina 733 Lebens gebe es größere und wirksamere Kräfte. Da arbeiteten einerseits der Lebenswille jedes Einzelnen, sein Kampf ums Dasein, andererseits die sozialen Verhältnisse, der Kampf der verschiedenen Klassen um ihren Anteil an den ökonomischen Gütern.
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Briefe aus Palästina 735 alle Teile des Volkes und damit auch für die ganze Menschheit von größerer Notwendigkeit ist, sondern das am meisten Gangbare, das heißt das, was Reichere brauchen, Parasiten gleich seinem Eigentümer, und Reichere gibt es auf der ganzen Welt natürlich mehr als in einem Volk.
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736 A. D. Gordon:. Briefe aus Palästina machen, daß ein höheres Leben führen als das Leben in Reichtum und Herrschaft — sich vollkommen in das Leben der unendlichen Natur einleben heißt, daß die Arbeit nicht nur technisch das Leben zu verbessern, sondern es auch zu schaffen und zu entdecken hat und zum Erforschen eines neuen Lebensinteresses, eines neuen Lebenszieles führen soll. … Aber darüber in dem folgenden Brief. Einstweilen alles Gute, meine Freunde! Palästina A. D. Gordon