Mannheim
Compact Memory
48 pagesSort: relevance · oldest first · newest first
  1. 1919-01-01 · Heft 8 · page 10

    Man hört von allen Seiten, daß das ägyptische Pfund in Palästina nur 1000 Penny wert ist.« (Jüdische Zeitung vom 5. Dezember 1919.) * Zionistische Führer und jüdische Arbeiter in Palästina, hin Zwiegespräch. >-— Palästina untera I i e n Umständen! … Wie wagt ihr es, mit unserem Gut so großmütig zu sein?« > — Palästina unter allen Umständen! Passen wir uns den Verhältnissen des Landes der besten Valuta an!« »— Gemach ihr Führer! Palästina — aber nicht unter allen Umständen.

  2. 1919-01-01 · Heft 8 · page 20

    Die jüdische Bourgeoisie, die sich das Recht angeeignet hat, im Namen der jüdischen Massen zu sprechen, tritt jetzt in der Rolle imperialistischer Eroberer auf. Die ' jüdischen Legionäre okkupieren Palästina, verdrängen die Araber und Beduinen, um deren Platz einzunehmen. Die jüdischen Soldaten in Palästina tragen englische Uniformen. … Die Zionistenkonferenz in Paris schickte ihnen ' eine herzliche Danksagung für diese tapfere Tat.« - So viel aus dem »unglaublichen und ebenso törichten wie verlogenen Artikel« — Die Wahrheit aber über Palästina xkommt im folgenden Bericht strahlend zum Vorschein : »Die jüdische Legion. Zu den Fragen, die in Palästina an der Tagesordnung sind, gehört das Problem der Jüdischen Legionäre.

  3. 1919-01-01 · Heft 8 · page 12

    Erste Voraussetzung dieses Kontraktes bildet natürlich» solange England die Schutzherrschaft über das Land beibehält, daß seitens der Zionistischen Organisation» beziehungsweise des jüdischen Volkes nichts unternommen wird, was' England in seinen Grundprinzipien zu erschüttern geeignet ist. Zeugt schon die Vorstellung, daß' man Palästina aus den Händen Englands in Empfang nehmen könne, um mit den Arabern gemeinsam gegen die englische Herrschaft anzukämpfen» von politischer Kindhaftigkeit, so muß gegen den Gedanken, Palästina als Plattform für den Kampf des Bolschewismus gegen die britische Weltherrschaft zu benutzen, mit aller Entschiedenheit seitens der Zionistischen Organisation Front gemacht werden. So wie die Dinge heute liegen, kann sich das jüdische Volk Palästina nicht erobern, sondern es kann nur auf dem Wege des Kontraktes das Land erhalten. Solange die Situation nicht von Grund auf eine andere ist, kann und darf Palästina daher nur für diejenigen in Frage kommen, die auf der Grundlage dieses Kontraktes stehen.

  4. 1919-01-01 · Heft 3 · p. 68 · Wichtige Aufgaben

    B. derjenige, der sich mit technischen Problemen beschäftigt, auch die technischen Probleme studieren und sich ihnen zuwenden, die uns für Palästina notwendig sind. Er kann sich für den Ausbau der Wasserkräfte in Palästina interessieren, für die Möglichkeit von Eisenbahnen, für die Möglichkeit der Verwertung der Rohprodukte, die in Palästina gefunden werden und dergleichen mehr. … Wer sich mit Metereologie beschäftigt, wird der Land* Wirtschaft in Palästina nützen, wenn er metereologische Studien über Palästina macht, wie sie schon unternommen worden sind, aber gewiß nicht in genügendem Maße.

  5. 1919-01-01 · Heft 8 · page 11

    zu bringen. Palästina ist kein Ziel — ist bloß ein Mittel. Über das Mittel darf das Ziel nicht preisgegeben werden. Wir wollen nicht Sklaven sein, am allerwenigsten Sklaven unserer »Brüder« — nur als Freie können wir in Palästina unseren letzten Zielen zustreben.« »— Palästina unter allen Umständen! … Außerdem werden gerade diejenigen Elemente, denen an einer möglichsten Beschleunigung der Einwanderung gelegen ist, zu berücksichtigen haben, daß England jedenfalls geneigt sein wird, nur eine solche Kolonisationsmethode zu fördern, welche mit den sonstigen, im englischen Wirtschaft simperium herrschenden Te ndenzen i m Einklang steht.« (Jüdische Zeitung, 5. Dezember 1919.) * Wenn die Juden heute Palästina erhalten, so geschieht dies auf Grund eines Kontraktes zwischen der Zionistischen Organisation und der englischen Regierung als Mandatar des Völkerbundes- 233

  6. 1919-01-01 · Heft 8 · page 23

    Die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina durch dieselbe ignorante Politik, durch die die Menschheit mit Europa unterzugehen droht. Das wollen sie und demgemäß geht ihr Streben nicht dem Judentum zu, sondern von diesem ab. … Du aber sagst mir mißverstehend grinsend, auch ich wolle die Gemeinde in Palästina, auch ich wolle die Arbeit in Palästina, auch ich wolle die volkhafte Heimstätte in Palästina, und so wollen wir dasselbe und tragen somit zu Recht den gleichen Namen.

  7. 1919-01-01 · Heft 8 · page 17

    Wer seinerzeit die völlige und sofortige Sozialisierung des Bodens in Palästina forderte, rechnete mit einer bald eintreffenden Weltrevolution, aus deren Händen wir Palästina bekämen. Wer sich aber mit praktischen Fragen der nächsten Zukunft befaßt, kann mit dieser Weltrevolution für die nächsten Jahre nicht wie mit einem realen Moment rechnen. … Sträflich wäre es, sich von einem falschen Optimismus beschwichtigen zu lassen. Ganz gewiß wird es in Palästina zu den schlimmsten Dingen kommen, wenn nicht dagegen gearbeitet werden wird.* Grauenhaftes ist für Palästina zu befürchten, daß sich dort nämlich die Schieber aller Länder in heiliger Eintracht vereinigen, um sich in all ihrer Erbärmlichkeit, ungestört auswüten zu können, auf Kosten unserer kostbarsten Mannschaft, die Leben und Freude opfernd, den Schiebern bloß zum Spott und zur Belustigung dienen wird.

  8. 1919-01-01 · Heft 8 · page 9

    Realpolitischer Zionismus. Tausende jüdische Arbeiter sind in Palästina arbeitslos. Jemeniten, Kinder und Erwachsene hungern, verhungern und sterben aus. Wörtlich! Jüdische Arbeiter wollen in Massen von Palästina nach Amerika auswandern; Jemeniten wollen in ihre Heimatshölle Jemen zurückwandern: sie ziehen es vor, dort unter Qualen zu leben, als im gelobten Land unter Qualen zu sterben. Aber die Schieber verdienen in Palästina ihre Millionen in Gold. —»Man kann sich eine allgemeine Idee von diesem Zustand der Erwartung machen, in dem das Land sich befindet, wenn man die Tatsache in Betracht zieht, daß die in Palästina deponierten Summen, die auf geeignete Verwendung warten, in ständigem Wachstum begriffen sind.

  9. 1919-01-01 · Heft 3 · p. 95 · Artur Ruppin

    Jenes Kapitel fum Beispiel, das vom sozialen Aufbau spricht, wird wohl nicht widerspruchslos hingenommen werden. Jenem Kapitalismus, dem Palästina Gelegenheit scheint, sich ungefährdet auszuleben, wenden Ruppins Forderungen Enttäuschung sein, Andern, darunter auch meiner Wenigkeit wieder werden sie durchaus zu wenig weitgehend sein. … Hans Fischer hingewiesen, die manches Wichtige in -einer für Laien leicht faßlichen Form aus der vorhandenen Palästina- resp. Syrienliteratur zusammenträgt. 95

  10. 1919-01-01 · Heft 8 · page 31

    Jetzt, wo es kein Verdienst, sondern möglicherweise künftighin ein »Verdienst« gewesen ist, nach Palästina zu gehen, zieht sie das bei weitem der Parteiarbeit und der Politik vor (wenn sie überhaupt etwas vorzieht), wie sie vordem das Hierbleiben der Auswanderung vorgezogen hat. … Da beginnt eine der innerlich korruptesten zionistischen Ausreden in Schwang zu kommen, die mit Palästina. Und der Verdacht erscheint nicht unbegründet, daß aus diesen so höchlich auf ihr Wohl und ihre schläfrige Ruhe bedachten Spießern nicht plötzlich in Palästina die entsagungsvollen Pioniere werden könnnen, die wir dort vorläufig noch brauchen, bevor das Pack der ewig fremde Früchte erntenden Kriegs- und Friedensgewinner, der Hyänen und Nutznießer der revolutionären Idee, anrücken darf.

  11. 1919-01-01 · Heft 8 · page 26

    Zionismus nach "Palästina trieb, der auch Uganda im Namen' eines dividendentüchtigen Pseudojudentums exploitiert hätte. Nicht aber um Klassenkampf handelt es sieb, nicht um europäische Wege zur Erringung der Menschlichkeit, nicht um Haß, sondern um die Unerbittlichkeit, um die Revolutionierung des jüdischen Gerechtigkeitsgefühls in den Massen, in 'denen es noch unverdeckt von Opportunismus schlummeit. … Den Zionsgedanken reinigen von seinem geschäftstüchtigen Aussatz kann keine Partei, keine Dogmatik und auch nicht zehntausend Volksversammlungen; nur ein Bund der Jugend brächte dies zu Wege, — wenn die Jugend heute nicht auch so verdammt geschäftstüchtig wäre. * Palästina als Geschenk der Mächte zu empfangen ist schmählich und unklug, weil Mächte nicht altruistisch sein können. Auf die Weltrevolution hoffen, ist nicht ehrenvoller.

  12. 1919-01-01 · Heft 7 · p. 218 · Der Bildungsgrad der Juden

    Die Welt, die wir aus dem Schutte der zerstoiten Erde retten werden, wird auf festeren Grundlagen gebaut sein müssen, als auf Hochschulen. Das neue Palästina kann nicht auf den Schultern der Priester und Leviten ruhen. Da müssen ein paar Arbeiter her, den Weinstock, den Ölbaum und das Korn zu bauen und zu ernten, die Schafe und Rinder zu züchten. … Emir Feisul hat erklärt, die Araber wünschen ein geeinigtes Arabien, Syrien und Palästina und würden es gegebenenfalls zu erkämpfen wissen. Palästina soll im Rahmen des arabischen Reiches eine Provinz bilden, deren politische Stellung und Entwicklung von der, wie er meint, nur sehr langsam sich vergrößernden jüdischen Bevölkerungsziffer abhängig sein wird.

  13. 1919-01-01 · Heft 4 · p. 128 · Klatzkins Kritik des Zionismus

    durch die Kraft, das Martyrium, das auf solche Weise jeden Sinnes beraubt werden mußte, weiter auf sich zu nehmen Nicht die Formen, meinte er (so verstehe ich ihn wenigstens), sondern der nationale Wille erhalt das Volk in der Galuth, der Wille zut Nation, der nur solange bestehen kann, solange man weiß, wofür man lebt und wofür man leidet Und hier setzt seine Folgerung so ein da die Religion, der stärkste Antrieb dieses Willens, zu versagen beginnt, muß man den Willen, die nationale Idee auf andeiem Wege neu beleben und zwar glaubte er, in der ausstrahlenden Kraft eines neubelebten Palästinas einen solchen Antrieb zu finden Ihm erschien also Palästina als eine Zentralquelle für den judischen Lebensgeist — nicht wie es Unverstand Jahre hindurch auf Grund eines herausgegriffenen Wortes begriff, als geistiges Zentrum im Sinne einer konzentnenen und ausstrahlendem Geistigkeit* Er war nichts weniger als Spintualist, sah keineswegs das Judentum zunächst als geistiges Etwas, er stand der Säkularisierung des Judentums ungleich naher als jenem geistigen Nationalismus, der ihn fälschlich für sich reklamiert — er woltte nur durch en weltliches, aber sich bescheiden auf einen Bruchteil des Volkes beschranken des Palästina die nationale Idee und dadurch die nationale Widerstandskraft m der Galuth starken (Zum Unterschied von Fichte beispielsweise, der, in ähnlicher Situation nicht die Ruckkehr zur nationalen, sondern zur sittlichen Idee erstrebte) Diesem entscheidenden Punkt des Achad-Haamismus ist Klatzkin nicht gerecht geworden. Daß Palastmas Neubelebung durch Ruckwirkung auf die Psyche des Galuthjunden dessen nationalen Willen entscheidend starken kann und wird, ubergeht er und zieht es vor, zu beweisen, daß die Kluft zwischen einem hebräischen Palästina und einer fremdsprachigen oder allenfalls* judischsprechenden Galuth sich hoffnungslos erweitern müsse, bis nichts Gemeinsames mehr zwischen ihnen bestehe.

  14. 1919-01-01 · Heft 7 · p. 219 · Staat oder Heimstätte?

    Wir sollten uns aber auch vor Augen halten, daß das jüdische Volk keinen jüdischen Staat brauche, sondern eben bloß eine sichere Heimstätte. Unser Zfel ist ein echt jüdisches Palästina, das den dort lebenden Juden alle Bedingungen für ein kulturelles und nationales Ausleben und eine gedeihliche wirtschaftliche Entwicklung bieten soll: eine Oase in der Wüste Diaspora und das Messiashorn, das die Zerstreuten sammelt Dazu brauchen wir Sicherheit, aber keinen Staat, denn einJStaat bedeutet Macht, und Macht ist nur eine Möglichkeit der Sicherung. … Und auch heute können dem jüdischen Volk >das Leben unter Feigenbaum und Weinstock«, die auf der Bodenkultur aufgebaute wirtschaftliche Nutzung^des Landes, und >die heiligen Opfer am Sitze der Bundeslade«, das kulturelle und, geistige Zentrum, genügen. Sogar die arabische Bevölkerung, die in Palästina verbleiben wird, bildet nur eine Art Analogon zu jenen* nichtisraelitischen Stämmen, welche nach der Landnahme durch Josua, ja selbst den Siegen Davids nie Palästina vollkommen 219

  15. 1919-01-01 · Heft 5 · p. 139 · Das Weitertreiben des Nationalismus

    Beiden gemeinsam aber ist der Wille zum Hebräischen . , . . Die Besten unter ihnen, richten ihr Wollen auf Palästina, ihr bestes Können wollen sie mitbringen, ihre reinste Berufserfahrung, doch es fehlt ihnen an der giltigen legitimen Form des jüdischen Geistes und Lebens, es fehlt ihnen die hebräische Sprache. Viele wollen in Palästina Beamte werden, um werktätig am Bau mitzuarbeiten; auf ihr Organisierenkönnen auf ihre Verwaltungserfahrung und auf ihre Disziplin kann man nicht verzichten.

  16. 1919-01-01 · Heft 8 · page 27

    Es könnte aber dann der Zionist plötzlich erkennen, daß die Freiheit auf andern Wegen liegt, als auf denen das Abendland nach dem Osten schreitet, daß die Bajonette einer europäischen Macht Palästina wohl erobern, das Judentum aber nicht frei machen können. * Die jüdisch-nationale Idee ist erhaben, eine jüdisch-nationalistische aber contradictio in adjecto, denn sie müßte unjüdische Gefühle wie Haß, Imperialismus und Rachsucht beinhalten. * Rabindranath tagore sagt in der oben erwähnten Schrift weiter : »Ist es (Japan) nur eine Nachbildung des Westens, so werden die großen Erwartungen, die es erweckt hat, unerfüllt bleiben. Dieser Satz ist Wort für Wort auf das jüdische Palästina zu übertragen! Es sollte im Wappen der jüdischen Gemeinschaft stehen, denn er sagt alles, was der jüdische Mensch wissen muß.

  17. 1919-01-01 · Heft 1 · p. Seite 30 · Aufruf zum Sozialismus

    Gesunde Volkswirklichkeit sei bestimmend für das Verhältnis zu Palästina, zur jüdischen Sprache, zum ganzen Gorsleben. Auch der Palästinagedanke darf nicht als Abart idealistischer Abstraktion, deren Lebensfremdheit sich an der Überrumpelung durch den Kriegsausbruch in welthistorischen Dimensionen gezeitigt hat, neben dem Leben einhergehen. Sowohl Palästina als auch die jüdischen Lebenserfordernisse von hier und heute müssen — Bubers Forderung der Verwirklichung erscheint hier ins Konkretere übersetzt — in unserem Einzelleben Wirklichkeiten bedeuten, Durchdringung des ganzen Jüdischen mit allem Menschlichen überhaupt und Erneuerung des jüdischen Geistes in national gelebter Wirklichkeit bilde, aber auch die Zentralrichtung des Zionismus und namentlich des Kulturzionismus.

  18. 1919-01-01 · Heft 5 · p. 137 · Das Weitertreiben des Nationalismus

    So sieht die heutige Gesellschaftsordnung aus und kein Denkender kann wünschen, daß auf der Grundlage des Kapitalismus das neue Gemeinwesen in Palästina gebaut werden soll, niemand behaupten, daß aus diesem Ungeiste die neue jüdische Kultur ersprießen kann. Nein, anders, ganz anders soll das aussehen, was wir in Palästina errichten wollen, errichten müssen, errichten werden.

  19. 1919-01-01 · Heft 8 · page 19

    «), von dem wir uns schleunigst befreien müssen, um zu retten was rettbar ist. In Wahrheit macht sich schon 'jetzt in Palästina finsterste Galuth breit (die »Orthodoxie« betet wie überall, so auch dort das goldene Kalb an und stützt es, zum eigenen Verderb, nach Kräften). … Ich schrieb diesen Aufsatz, der die Wege der Verstaatlichung des Exportes und Importes in Palästina skizzieren wollte nicht zu Ende; das Gefühl völliger Erfolglosigkeit solcher Vorschläge bei der gegenwärtigen »Konstellation« hinderte mich daran.

  20. 1919-01-01 · Heft 5 · p. 141 · Die Zionisten und die hebräische Sprache

    Dieselben können den Westjuden nur aus ihrer Mitte erwachsen. Osteuropa und Palästina brauchen jetzt alle vorhandenen Kräfte für den jüdischen Schulaufbau und für den hebräischen Literaturbetrieb und werden keine Kräfte an Deutschland abgeben können. Für diese Führer zum Hebräischen für die, welche nach Palästina als Beamte oder als Lehrer für die allgemeinen Fächer gehen wollen, für die jüdischen Intellektuellen, welche im Judentum nicht hinter ihrer allgemeinen Bildung zurückstehen wollen, für die schaffenden Juden braucht tnan eine höhere Lehranstalt der hebräischen Sprache.