Mannheim
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  1. 1921-04-01 · 2 (4.1921) · p. Seite 20

    Seine wahre Bedeutung — für unser Volk und für noch weitere Kreise — muß in erster Reihe eine qualitative sein. Unser Maximalprogramm in bezug auf Palästina ist kein quantitatives, sondern ein qualitatives. Wir verlangen für Palästina die Entstehung einer neuen Gesinnung, wir erwarten von Palästina eine neue höhere Stufe des Juden, des Menschen. … Wir können in Palästina nicht nur die gewohnten Wege der anderen gehen, wir können nicht die Besiedlung Palästinas mit Juden als ein letztes Ziel auffassen und zu diesem Zwecke erklären: „Wir müssen Palästina bauen, auch wenn wir uns mit dem Teufel verbünden müßten," denn in diesem Falle werden 20

  2. 1921-01-01 · 1 (1.1921) · p. Seite 42

    Bekämen wir Palästina durch die Mächte des Imperialismus — unser Palästina meine ich, das definitive, endgültige, wahrhaftige Palästina —, dann wäre seine Art schon bestimmt; zumindest für eine lange Weile. … So sehr wir es auch wollten: es ist keine Politik des Tages, die wir führen können, soll es die Politik sein, die uns wirklich Palästina bringt. Auch wenn wir nicht wollen, ist ihre Wirkung dauernder als wir glauben. Wie sie das jüdische Volk in seiner weltgeschichtlichen Haltung festlegt, so fixiert sie schon Art und Bild des künftigen Palästina.

  3. 1921-07-01 · 3 (7.1921) · p. Seite 66

    ::iimmi::nmcMimM gen wie uns; daß wir Friede und Fortschritt wünschen und bereit sind, in ehrlicher Freundschaft mit allen Elementen in Palästina zusammenzuarbeiten, denen dieselben Ziele am Herzen liegen. Inzwischen muß durch unsere Vertreter in Palästina ein ernster Versuch gemacht werden, einen Kontakt mit den gemäßigten Gruppen unter den Arabern herzustellen, und die Organisierung dieser Gruppen zu einer Organisation mit verantwortlichen Wortführern, zu bewirken. … Zu gleicher Zeit müssen wir unsere Position durch Taten verstärken. Je schneller wir Kapital nach Palästina bringen, um so eher können wir die Falschheit der Behauptung nachweisen, wir schickten Einwanderer nach Palästina, für die es keine Arbeit gäbe.

  4. 1921-08-01 · 4 (8.1921) · p. Seite 48

    Es gilt vor allem eine aufklärende Arbeit zu leisten, um die bisherige chauvinistisch-phrasenhafte Einstellung der meisten Zionisten zu Palästina durch eine Vertiefung des Nationalismus zu menschlicherem Empfinden, zu gerechterem und richtigerem Denken, zu klaren Urteilen zu ersetzen. … Denn der Zionist, der nur in pseudoheldischen Phrasen Palästina verlangt, der selbst materielle Beiträge zu dessen Aufbau zu leisten gewillt ist, wird notwendig dazu kommen, aus Unausgefülltheit durch dieses allein und aus Verstrickung in völlig andersartige Sphären während seiner ganzen wirtschaftlichen und geistigen Tätigkeit, die für den weitaus überwiegenden Teil des jüdischen Volkes nicht mit Palästina verknüpft ist, entweder den Zionis- 48

  5. 1921-07-01 · 3 (7.1921) · p. Seite 30

    Wir müssen in Palästina für absehbare Zeit mit zwei Nationalitäten rechnen. Dies wird allgemein vergessen. Man macht aus Palästina „Erez Israel", während es das Land zweier Völker ist. … Hüten wir uns vor nationaler Romantik. Sie hat in Ix>ndon das Schlagwort geboren: Palästina muß so jüdisch werden, wie England englisch: Das ist leider eine Unmöglichkeit. Palästina wird für lange Jahre hinaus ein Nationalitätenstaat, ein binationales Gemeinwesen sein.

  6. 1921-07-01 · 3 (7.1921) · p. Seite 64

    Wenn wir glauben, daß ein normales jüdisches Leben nicht in einem Palästina gedeihen kann, in dem diejenigen, die die gegenwärtige Majorität der Einwohner bilden, als eine niedrige Kaste behandelt, und sich infolgedessen immer in einem Zustand des offenen oder heimlichen Widerstandes gegen die herrschende Minorität befinden werden, dann werden wir es ablehnen müssen, lediglich auf den Beweis der jüngsten Unruhen hin, zuzugeben, daß wir nur die Wahl hätten zwischen einem Palästina dieser Art und einem- Palästina, aus dem Juden vollständig ausgeschlossen sein werden. Wir werden auch weiterhin, solange nicht eine viel stärkere Gewißheit für das Gegenteil vorliegt, den Standpunkt vertreten, daß es gesunde und maßvolle Elemente unter den Arabern Palästinas gibt, die fähig sind, zu verstehen, daß unsere Ansprüche gerecht sind, und daß in ihrer Erfüllung die beste Hoffnung für jeden palästinensischen Bürger liegt, der ehrlich eine gedeihliche Zukunft für Palästina wünscht. Wir werden diesen Standpunkt vielleicht hauptsächlich deswegen vertreten, weil jeder andere unvereinbar wäre mit der Hoffnung, die Grundsteine einer gesunden, jüdischen Entwicklung in Palästina noch in unsere Zeit gelegt zu sehen.

  7. 1921-08-01 · 4 (8.1921) · p. Seite 46

    In diesem Zusammenhange ergeben sich zwei Forderungen: i. Unser zukünftiges Gemeinwesen in Palästina kann nur bestehen, wenn es in friedlichem Einvernehmen mit den Arabern geschaffen wird. Wir müssen, da wir die Araber in Palästina und um Palästina herum nicht ausrotten können und wollen, alles tun, um das künftige gemeinsame Heim in Palästina unter voller Berücksichtigung dieser Elementarwahrheit auf gesunde Grundlagen zu steilen. Zu diesem: Zwecke müssen wir positiv unseren Chauvinisten die Erkenntnis beibringen, daß Palästina leider kein einnationaler Staat, kein Erez Israel sein wird, sondern ein binationaler Staat, in dem jüdische und arabische Eigenart und Sprache überall in Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung gleiche Rechte genießen müssen, kein Volk als Staatsvolk katexochen eine Vorzugsstellung einnehmen darf.

  8. 1921-04-01 · 2 (4.1921) · p. Seite 62

    Palästina wird die gegenwärtigen und alle zukünftigen jüdischen Positionen in der heutigen Diaspora nicht nur nicht schwächen, sondern im Gegenteil im höchsten Maße stärken. Denn der Aufbau Palästinas wird gleichzeitig mit dem Um- und Ausbau dieser Positionen vorgenommen werden. Und alle zentralen, nationalen Institutionen in Palästina werden von vorneherein zu dem Zwecke ge- 62

  9. 1921-07-01 · 3 (7.1921) · p. Seite 29

    R e alpolitik iiiti]iiiiiiutiiiiiiiiiiiiii)iitiiiiiiiniui9UiiJiiuiiHiiiitiiiiiiuiii)iiitiiiiiiiiiai:iiiii(iiiiiiitiii]iiiiiii]9iiiiiiiiiiiitii> wichtiger ist als die der Engländer. Vielleicht sieht man dies von außen besser als von Palästina aus. Aber es ist Zeit, daß alle, die das erkennen, ihre Stimme öffentlich erheben. Ich habe das alles vorausgesehen und seit April 1919 gewarnt. … Palästina ist heute kein leeres, es ist heute ein weitaus vorwiegend von Arabern bewohntes Land. Das ist eine Elementarwahrheit.

  10. 1921-01-01 · 1 (1.1921) · p. Seite 40

    Für nicht minder folgenschwer erachte ich auch die andere Rückwirkung unserer Politik, diejenige, die das zweite Grundelement des Zionismus betrifft: Palästina. Palästina ist das Ziel aller zionistischen Politik, aus dem sie ihre Kraft und Legitimität nimmt. Palästina bildet so das vornehmste Kritorium für die Beurteilung und Bewertung unserer Politik, in ihrer Gesamtheit wie in jedem ihrer einzelnen Akte. Nur muß man sich darüber klar sein, was uns Palästina bedeutet. Vor allem und in erster Reihe natürlich das Territorium, das Land, das Vaterland. Aber ist sich nicht der gesamte Zionismus 40

  11. 1921-04-01 · 2 (4.1921) · p. Seite 15

    Nichts weniger. Die Schaffung eines jüdischen Zentrums in Palästina ist hierzu nur ein Mittel. Nichts mehr. Ob es das einzige Mittel ist, ist diskutabel. Wir glauben es nicht. Wir haben ein zu tiefes Vertrauen in die Elementarkräfte unseres viertausendjährigen Kultur- und Blutorganismus. Auch ohne Palästina wird er dauern. Aber Palästina erscheint uns als das wichtigste Glied in dem Regenerierungsprozesse. Aber immer nur Glied, Mittel.

  12. 1921-04-01 · 2 (4.1921) · p. Seite 54

    Normal würde folgender Zustand sein: ein ökonomisches und kulturelles Hauptzentrum, ein nationaler Konzentrationspunkt in seiner historischen Heimat, in Palästina, und ein Verbleiben großer Massen in ihren gegenwärtigen Wohnländern. Palästina als Ausstrahlungspunkt nationaler Kraft für alle Teile des politisch geschlossenen jüdischen Volkes in a 11 e n Ländern. Palästina als Sitz der Souveränität und der Regierungsgewalt der jüdischen Nation über alle jüdischen Individuen auf dem ganzen Erdenrund.

  13. 1921-07-01 · 3 (7.1921) · p. Seite 59

    Nicht Politik — Kolonisation jmiiiiiitiiiiniiiiiiiiiitiiiiiiiiiuiiiiiiimuiiiHiiiitim gwill), daß Palästina so hebräisch sein müsse wie England englisch (Weizmann vor der Friedenskonferenz), wir schrien (während wir tatsächlich keine tausend Araber beschäftigen konnten!) … Nationaler Egoismus war höchster Wertmesser. „Wir müssen nach Palästina, wir haben keine Wahl, wir müssen die Araber verdrängen, weil wir ohne Heimat sind. Sie haben Mesopotamien und Arabien" — so sprechen die besten unter uns in Palästina, die wenigstens die Tragik sehen.

  14. 1921-07-01 · 3 (7.1921) · p. Seite 18

    Hans Koh n iiiiuiiiiiimmiHiHiiHBiiiirntvsmiiHaiinimtiiwiiuiimm^^ die wohlwollende Unterstützung neutraler Gruppen suchte, den Juden zugesagt, in Palästina eine nationale Heimstätte für sie zu schaffen; gleichzeitig mochte wohl England wünschen, durch jüdisches Kapital und jüdische Arbeit Palästina zu einem blühenden und gesicherten Gebiete zu gestalten, Es ging dabei von der Voraussetzung aus, daß die überwiegende Mehrheit des jüdischen Volkes, vor allem auch seine den Finanzmarkt beherrschenden und einflußreichen Kreise mit aller ihrer Sehnsucht an der Verwirklichung des alten Zionsideals hängen. … Dabei mußte^sie aber von der Realität ausgehen, daß zurzeit dieser Landstrich, Palästina, ein arabisches Land ist. Sie konnte also nur dann ihre Deklaration verwirklichen, wenn das jüdische Volk alle seine Kräfte aufwandte, um in Palästina eine hohe jüdische Zivilisation zu schaffen und wenn es dem jüdischen Volke gelang, zu irgendeinem Einverständnis mit den Arabern zu kommen.

  15. 1921-07-01 · 3 (7.1921) · p. Seite 31

    Die erste Voraussetzung einer Verständigung mit den Arabern ist unsere Erkenntnis, die in uns Wurzel fassen muß, daß Palästina ein vorwiegend arabisches Land ist und daß es für alle absehbare Zeit eine starke arabische Bevölkerung aufweisen wird. … Dann, aber nur dann, wird es möglich sein, Wege der Verständigung zu gehen. Ich will aus einem Briefe eines Freundes in Palästina vom 15. Mai d. J. einige Zeilen zitieren: „Und noch eins! Allgemein sieht man im Lande ein, daß es den Arabern gegenüber nicht mehr so weiter geht wie bisher.

  16. 1921-07-01 · 3 (7.1921) · p. Seite 47

    Verhehlen wir uns nicht die Tatsache, daß dies die zweite große Ursache der Vorfälle in Jaffa ist: der Mangel jeglicher bedeutsamen positiven Leistung unsererseits in Palästina in den letzten Jahren. Auch daran trägt — neben vielem anderen Objektiven, in der Weltsituation Begründeten — unsere reservelose politische Einstellung die Schuld. … Und schon erfährt man, daß manche jüdischen Kapitalisten in Palästina auf Grund der letzten Ereignisse und der Erklärung Samuels ihre Projekte beiseitestellen und 47

  17. 1921-07-01 · 3 (7.1921) · p. Seite 52

    Wir glauben nicht an ein Zion jüdischer Spekulanten, und wir können — aus unserem jüdischen Gerechtigkeitsgefühl und aus klarer Ueberlegung heraus — nicht an die allzu einfache Formel „ein jüdisches Palästina" glauben, so ketzerisch dies auch klingt. Wir sind der Ansicht, daß es nur darum gehen kann, ein jüdisch-arabisches Palästina zu schaffen, ein Palästina, das eine gefestigte, sittlich und kulturell hochstehende jüdische wie auch arabische Gemeinschaft ernährt, die in einem Freundschaftsbunde eng aneinandergeschlossen sind. … Sie sahen in diesem Akte nicht die Agenten Frankreichs, die, lange vorher gesäten Samen zu ernten, bereits nach Palästina gingen, um auf jüdischem Rücken mit arabischer Hilfe das Petroleum zu erringen, um das dieser Orientkrieg ja 52

  18. 1921-08-01 · 4 (8.1921) · p. Seite 26

    Soll die zionistische Tätigkeit und Politik eine neue Einstellung erhalten, muß auch der Sitz der Leitung ein anderer werden. Unsere Arbeit hat zwei Schwerpunkte: Palästina und die jüdischen Volksmassen. Also verlege man einen Teil der Leitung nach Palästina, den anderen in eine Stadt in der Nähe des jüdischen Ostens. … Also muß der Schwerpunkt unserer außenpolitischen Wirksamkeit Palästina und Vorderasien sein. England ist ein Faktor sekundären Ranges für uns, wichtig für den Moment, nicht entscheidend für eine weite Zukunft.

  19. 1921-04-01 · 2 (4.1921) · p. Seite 22

    Ist nicht die Besiedlung Palästinas allein das Entscheidende, sondern ist es uns wesentlich, was in Palästina gebaut wird und wie, dann müssen wir erklären, daß, wenn Palästina nur dann unser sein kann, wenn wir mit dem Teufel zusammengehen müßten, Palästina nicht unser sein wir d. Aber wir glauben fest, daß Palästina auch ohne ein Bündnis mit dem Teufel unser werden kann, ja es nur dann werden kann. Wer aber weiß, wie groß menschliche Herdendummheit sein kann, wer die Macht der öffentlichen Meinung über die Gemüter kennt, wer weiß, wie die öffentliche Meinung gemacht wird, und wie sie, einmal geworden, ein 22

  20. 1921-07-01 · 3 (7.1921) · p. Seite 1

    ■llllllllllIlllllUIIIIIIIIIUlllllllUIIIIIIIIHIUIIIIIIIIIIIIIilllllllilUlllllllllllllUllllllllllllllllll/IH ARABER- ODER JUDENFRAGE IN PALÄSTINA? I. Araberfrage — ist dieser Name nicht irreführend? Bedeutet nicht schon diese Formulierung eine Verkennung des Problems, eine Verschiebung der Problemstellung? … Sollte man nicht ehrlicherweise von einer Judenfrage in Palästina sprechen? Indes ist diese Formulierung weder gewollte Irreführung noch sinnlose Selbsttäuschung. Vielmehr verrät sich in ihr ein Grundzug unseres nationalen Ethos.