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  1. 1868-01-01 · 4 (1868) · p. Seite 299

    Was wir nachher noch von den Be- Ziehungen zu Palästina hören, ist kein Leben mehr, sondern sind nur nervöse Zuckungen. Was gar in der spätern Zeit bis auf unsere Tage Einzelne nach Palästina zieht, ist Pietät gegen das Land und die Geschichte der Väter, oder gar religiöse Schwärmerei dafür. … Seitdem Israel Palästina, Vater- und Mutter-Haus, verlassen, in die Welt getreten und diesem seinem Weibe anhängt, sind die Beziehungen Jsrael's zu Palästina, seinem Elternhause, nicht gelöst, aber doch auf die der Venerabilität beschränkt; im Uebrigen ist die Führung seines selbständigen Lebens, zu welcher es ein Recht und die Pflicht hat, nicht davon abhängig.

  2. 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 147

    Sie beteten für die Fruchtbarkeit ihres Landes, nicht Palästina's, sie beachteten ihre Regenzeit, wann deren Eintritt für ihr Land nothwendig sei, nicht wann für Palästina, und begannen zu dieser Zeit, nicht zu jener, welche für Palästina vorgeschrieben war, die Bitte um Regen (Thaanioth 10a, vergl. … Diese kräftige Selbstständigkeit, welche sich von dem zerrütteten Palästina emancipirte, repräsentirte sich weiter Ln den Exilsürsten und Geonim, und gab für alle Zeit dem babylonischen Thalmud und seinen Lehren das Uebergewicht.

  3. 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 148

    Wie hat sich nun in dem glaubensstarken Israel geschichtlich die Anhänglichkeit an Palästina bewährt? Sie hat seine geistigen Schätze für die Ewigkeit verwendet, sich aber nicht für seine zeitliche Misöre verantwortlich erklärt. … Nachdem Juda Ha-Levi nach Jerusalem gekommen, ist er verschollen, von Nachmanides' Wirken in Palästina, berichtet kein Blatt; aber was sie an geistiger Arbeit früher auf heimischem Boden vollbracht, erfrischt noch heute, und noch mehr was kräftigere Geister für alle Zeiten erbaut.

  4. 1871-01-01 · 2 (1871) · p. Seite 99

    Dort heißt es: beachtet denn Gott andre Länder nicht, heißt es doch, daß er den Regen sende selbst auf unbewohntes Land (Hiob 38, 26)? Doch das will aussagen, als wenn Gott nur auf Palästina Acht habe (כביכול אינו דורטו אלא אותה), und nur vermöge dieser Aufmerksamkeit auf Palästina wird sie nebenbei auch andern Ländern zugewendet. Demnach soll gerade — indem von der verschiedenen Bodenbeschaffenheit Aegyptens und Palästina's abgesehen wird — der etwa möglichen Auffassung vorgebeugt werden, als wenn Gott Palästina zwar allezeit, andere Länder aber doch hier und da beachte, es soll vielmehr betont werden, daß Gott ausschließlich Palästina beachte, andere Länder eigentlich gar nicht und ihnen nur wie zufällig die Beachtung Palästina's auch zu Gute kommt.

  5. 1869-01-01 · 4 (1869) · p. Seite 266

    Nun ist es aber folgerichtig, daß dann überhaupt ein jedes Land nach dem Bedürfnisse seines Klimas und seiner Bodenbeschaffenheit den Termin für diese Bitte selbstständig ansetze, wenn er auch noch so verschieden ausfallen sollte von dem für Palästina oder Babylonien angesetzten. Dies sagt auch Maimonides im Mischnah-Commentar ausdrücklich: ״Die Bestimmung der Mischnah gilt blos für Palästina und die ihm ähnlich beschaffenen Länder, ebenso die im Folgenden angeordneten Fasten mit dem Eintritte des stark fühlbaren Regenmangels. … s könne blos für außerhalb Palästinas (für Babylonien) Geltung beanspruchen, in Palästina

  6. 1872-01-01 · 4 (1872) · p. Seite 305

    Aus Briefen. 305 tischen Großmächten, deren Schlachtfelder bald Palästina, bald die Ufer des Euphrats waren. Ich habe unlängst zwei Vorträge über diesen Gegenstand gehalten (den einen in einer Versammlung von Gelehrten und den andern in einem Salon, wobei mehrere Generäle zugegen waren), die mit vielem Beifall ausgenommen wurden, besonders meine Hinweisung auf die strategische Bedeutung Palästinas. … Aegypten mußte zunächst, seiner eigenen Sicherheit wegen, Pelusium befestigen, dann die Schefelah sich sichern, mit den Phöniziern sich Verhalten, ohne deren Flotte eine feindliche Armee in Aegypten schwer verproviantirt werden kann (zwischen Gaza und Palästina eine dreitägige Reise durch eine Wüste) und zuletzt auch mit den kleineren Königen in Palästina und Südsyrien aus gutem Fuße stehen.

  7. 1870-01-01 · 4 (1870) · p. Seite 297

    III. Die jerusalemische Gemara. 297 den Lebens. Man war in Palästina vollkommen damit zufrieden, das reiche Erbe zu bewahren, hatte gar nicht das Verlangen es sonderlich zu vermehren, der Druck der Zeiten ließ ein solches Verlangen gar nicht aufkommen und hätte die Ausführung jedenfalls verhindert. … Dennoch wo es ging, versuchte man das Recht seiner Selbstständigkeit zu erhalten und fortzubilden, und zwar ging Dies vorzugsweise von denjenigen Männern aus, welche die engere Verbindung mit Palästina weniger anstrebten. Dazu eignete sich besonders die Rechtssphäre, d. h. der Complex von Bestimmungen, welche die civilrechtlichen gegenseitigen Verhältnisse zur Entscheidung bringen.

  8. 1870-01-01 · 4 (1870) · p. Seite 289

    Einzelne Jünglinge, von lebendigem Wissensdrange getrieben, ziehen von dort nach Palästina, um aus den dasigen Quellen geistige Nahrung zu schöpfen; sie erlangen da die Krone der Gelehrsamkeit, aber sie hatten sie nicht mit hingebracht. … Nicht blos die bürgerlichen Leiden, welche die Juden nunmehr in Palästina erfuhren, sondern auch die Hindernisse, welche sie in der freien Ausübung der Religionspflichten, welche namentlich die Lehrer in ihrer Lehrthätigkeit, in der Erhaltung der Schulen fanden, veranlaßten Einzelne, wenn auch mit schwerem Herzen, den geheiligten Boden zu verlassen und den Versuch zu machen die Schulen namentlich nach Babylonien zu übertragen und die Leitung der religiösen Angelegenheiten von dort aus zu unternehmen.

  9. 1872-01-01 · 4 (1872) · p. Seite 306

    Die großen ägyptischen Könige der 18. u. 19. Dynastie suchten Niniveh zu erobern. Palästina permanent zu besetzen, war für Aegypten aus verschiedenen Gründen nicht leicht möglich, auch nicht absolut nothwendig, die Schefelah dagegen von großer strategischer Wichtigkeit, zum Theil war dies auch Judäa. … Später intriguirten die ägypt. Könige mit den kleinen Königen in Palästina und Syrien gegen Assyrien. Diese wollten lieber die Freunde Aegyptens, als die Sclaven der Assyrer sein. Die Aegypter fanden daher immer Gehör.

  10. 1862-01-01 · 4 (1862) · p. Seite 289

    Dialekt des Aramaischen sprachen, beweist Nichts dafür, daß auch im Mutterlande, in Palästina, das Hebräische vernachlässigt worden. Der Vers, fügt freilich hinzu, ״schon lange vorher habe man den Gebrauch angenommen, die beim Gottesdienste vorgelesenen Abschnitte des Pentatench in die vulgäre Sprache zu übersetzen". Das sieht ans, als sei dieser Gebrauch in Palästina etwas Anderes als das Thargum, das angeblich für das Bedürfnis der babylonischen Juden angcfertigt worden, und als sei dieser Gebrauch ״schon lange vorher", also wohl noch gar vor der Herstellung des zweiten Tempels, angenommen worden.

  11. 1870-01-01 · 4 (1870) · p. Seite 299

    Die Niederschrift der Discussionen, die in Babylonien mächtig anschwoll, blieb in Palästina karg und abrupt. Sie begann, wie allgemein angenommen wird, bereits im ersten Geschlechte nach Rabbi, durch Jochanan, setzte sich einige Geschlechter, etwa zwei Jahrhunderte, fort, um dann plötzlich durch das Hinschwinden der Schulen abzubrechen. … Sie enthält, wie bereits bemerkt, alte Bestandtheile in größerer Treue, ist in ihren Erläuterungen nüchtern 2), aber auch Samuel's acht babylonisches Gepräge bewährt sich wohl auch, gegenüber Nab, im sprachlichen, phonetischen Gebiete. In Palästina schliff man bekanntlich das 'Ain ab und unterschied es kaum von Atef; so ward ans בל^, den Umkreis der Stadt messen, אבל, aus עיל, Fest, איד, und also sprach es auch Nab aus, während Samuel das 'Ain festhielt (Erubin 53 a.

  12. 1866-01-01 · 1 (1866) · p. Seite 72

    Wohl weilten noch viele Genossen des Judenthums in den altpersischen Ländern; aber daß die ״Babylonier" eine selbstständige oder gar maßgebende Richtung eingeschlagen hätten, die von der herrschenden Landesreligion beeinflußt worden, wäre eine durchaus willkürliche Annahme. Es sind einzelne aus ״Babylon" nach Palästina Eingewanderte hier zu großem Einflüsse gelangt; allein sie sind in dem Heimathlande der religiösen Entwickelung, in Palästina, zu großen Gesetzlehrern geworden, sie sind nicht als solche hereingekommen.

  13. 1869-01-01 · 3 (1869) · p. Seite 210

    Freilich geht Dies blos von demjenigen Theile der Juden aus, die entweder wirklich die Rückkehr mit dem Munde erflehen, wenn sie auch selbst im Herzen Nichts dabei empfinden, oder von denen, die zwar nicht mehr glauben und beten, aber an einer romantischen Verehrung für Palästina kranken. Die ersteren erhoffen zwar die Erfüllung ihres Wunsches von wunderbaren, nicht von natürlichen Vorgängen; wenn sie in neuerer Zeit dennoch zu diesen die Hand bieten, so ist Dies ein Zeichen, daß ihr alter Glaube sich abgeschwächt und modernisirt hat. Der gebildete thatkräftige Theil der Judenheit jedoch ist von dem Nationalitätsschwindel frei, er erkennt in Palästina die Geburtsstätte, aber nicht die dauernde ersehnte Heimath, ihn beschleicht kein Heimweh und er fühlt sich, trotz allen unerquicklichen Spöttereien des ״allgemeinen" Berichterstatters nicht dazu berufen, seine Kräfte, die er anderswo nützlich, nicht blos für sich, verwerthet, dort zu vergeuden.

  14. 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 9

    Aber noch in einem andern Lande berührte sich Griechenthum mit Judenthum und zwar in Palästina selbst. War der egyptische Staat doch von wirklicher Bildung erfüllt, so scheint der syrisch-griechische Staat noch auf einer tieferen Stufe sich befunden zu haben. … Wie wir in späterer Zeit diesem Streben in dem Ausdrucke des christlich-germanischen Staates begegnen, so finden wir hier das Bestreben, den Staat als einen heidnisch-hellenischen zu begründen. Palästina stand unter der Oberhoheit der Syrer, es sollte nun ein Glied dieses heidnisch-hellenischen Staates werden. Das Judenthum hatte in seinem zweiten Staatsleben bis dahin schon manche Leiden und Prüfungen zu erdulden, es trug sie still, zuweilen auch mit einem Aufschrei der Klage, doch nie regte sich ein vollkräftiger Wille, den Druck abzuwehren.

  15. 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 44

    Aber gerade solche Begebenheiten nehmen einen gar großen Theil ein von den Berichten aus der Zeit des entstehenden Christenthums; die Erzählungen von dem Werk des Teufels, wie er die Menschheit besitze, seine Schaaren als Dämonen einfahren und die Besessenen wieder geheilt werden, überfluthen fast den ganzen übrigen Inhalt. So in Palästina. In anderer Weise gestaltete es sich allerdings unter den außerhalb Palästinas wohnenden Juden. Die Juden lebten nämlich nicht blos in Palästina, sie bildeten schon seit alter Zeit zahlreiche Gemeinden unter den Griechen und breiteten sich immer mehr dort aus, je trüberdie Verhältnisse im eigenen Lande wurden.

  16. 1868-01-01 · 4 (1868) · p. Seite 262

    Die fremde griechische Sprache, die eigenthümliche Bildung und Richtung, die als alexandrinische eine für die Zukunft einflußreiche Geltung erlangte, verhinderte, trotz der reichen literarischen Thätigkeit, die sie entfalteten, und trotz dem warmen Eifer für Judenthum, den sie bewahrten, ihre Einwirkung auf Palästina; sie empfingen von dort, wenn auch abgeschwächt, und vermochten nicht zu spenden, selbst zur Zeit da die Ptolemäer das Seepter führten über Palästina.

  17. 1870-01-01 · 2-3 (1870) · p. Seite 232

    232 Umschau. dem Zusammenhänge nach: euer Messias ist euer, d. h. er erscheint in Palästina und so wird mir die Auferstehung außerhalb desselben erschwert. *) — Die karäische Literatur bietet aber durchaus keine Handhabe dafür, gerade Me'ir mit besonderem Hohne zu verfolgen. … Der Ausdruck עגבלותי scheint ursprünglich wirklich nichts Anderes bedeutet zu haben, als Anhänger des Schammaithums zusammengezogen aus עובלאות, abgeleitet von עופלי), und das Verbum עוכלת mit seinen Derivaten mag zunächst den Sinn gehabt haben: als einen Anhänger des Schammai erklären, und damit war in Palästina, wo das Hillel'sche Patriarchat herrschte, die Ausschließung schon ausgesprochen; in Babylonien behielt das Wort die Bedeutung des Ausschließens, in den Bann Legens bei, verlor aber seine ursprüngliche Beziehung auf Schammai, gegen den die Erbitterung in den Hintergrund trat.

  18. 1870-01-01 · 4 (1870) · p. Seite 288

    Ja, die Schulen waren zahlreicher, der Raum, über den sie sich ausdehnten, ein weiterer geworden. Früher war Palästina das einzige Land, welches die Stätten des halachischen Gesetzesstudiums in sich schloß. So weit hin die Juden auch selbst während des zweiten Tempels außerhalb des heiligen Landes in Colonien lebten, so erkannten sie 'sich doch in allen religiös-gesetzlichen Vorschriften vollständig von den Entscheidungen in Palästina abhängig.

  19. 1872-01-01 · 4 (1872) · p. Seite 307

    Sanherib verfolgte die alte affyrische Politik und (wie immer, früher und auch später), sobald Affyrer oder Chaldäer in Palästina erschienen, rückten ägyptische Truppen nach Palästina vor. Jetzt Sanherib u. Thirhakah; in Judäa die Hofpartei für Aegypten, die nationalen Idealisten für Selbsthilfe, d. h.

  20. 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 69

    In der Zerstreuung. 69 rend, es ist erhebend, wenn wir erblicken, wie die Juden überall, wo sie eine längere Zeit sich anzusiedeln vermochten, auch vollkommen in dem Geiste und dem Charakter dieses Landes wurzelten, trotz aller Liebe zu Palästina, trotz aller Innigkeit für die ererbten Sitten, trotzdem, daß sie erfüllt waren von dem Geiste, der von Jerusalem ausging, von der Lehre, die von Zion ihren Zug genommen. … Es ist ein bedeutsamer Ausspruch, der von einem Lehrer aus jener Zeit, aus dem dritten Jahrhundert überliefert wird, ein Ausspruch, der so recht die Gesinnung der damaligen dortigen Bevölkerung ausdrückt, wenn er sagt: Wer aus Babylon nach Palästina zieht, der Übertritt ein Gebot, begeht eine Sünde. So fühlten sie sich mit Babylon, mit Neupersien enge verknüpft.