Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 598 (sequence 736)
- Language
- German, English, Hebrew
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598 2. COUNCIL-SITZUNG: Referate über die Aufgaben der Agency sehen Araber heute grösser ist als der Gesamtzuwachs der Juden, selbst einschliesslich der Einwanderung. Zurzeit sehe ich keine unmittelbare Möglichkeit einer Aenderung im Zahlenverhältnis der Einwohnerschaft. Wenn ich wieder zum Bodenproblem zurückkehre, so haben wir heute in jüdischem Besitz annähernd ein Zehntel des anbaufähigen Bodens in Palästina, während die übiigen neun Zehntel anderen gehören. Die Katastralaufnahme ist noch nicht fertiggestellt, aber wenn das Zahlenverhältnis zwischen Juden und Ar bern geändert, wenn die Beziehung zwischen Volk und Land verschoben werden soll, so kann das nur auf einem Wege geschehen, dass nämlich mehr Boden in Palästina in jüdische Hände kommt. (Lebhafter Beifall.) Boden muss gekauft und muss für Geld gekauft werden. Unser erstes grosses unmittelbar vor uns stehendes Problem ist die Erlangung von mehr Boden. Das ist die Hauptsache. Palästina exportierte im Jahre 1926 Waren im Werte von rund 6 Millionen Dollar und hatte einen Import von mehr als 25 Millionen Dollar. Palästina kann nicht wirtschaftlich unabhängig werden, solange das so bleibt. Die Arbeit in Landwirtschaft und Industrie muss m Palästina wie in anderen Ländern in solchem Umfang und mit solcher Intensität geleistet werden, dass palästinensische Waren erfolgreich mit den Produkten anderer Länder konkurrieren könnten. Die Einfuhr von Textilwaren nach Aegypten, Irak und Syrien aus anderen Ländern beläuft sich auf mehr als 80 Millionen Dollar. Warum sollte Palästina nicht in diesem Geschäft konkurrieren, indem es eine erfolgreiche Textilindustrie entwickelt? Eine weitere grosse Industrie ist der Orangenbau. Bei richtiger Organisation und Leitung könnte sich der Wert der Orangenproduktion nach Ansicht der Fachleute auf fünfzig, ja selbst auf hundert Millionen Dollar jährlich belaufen. Derzeit sind nur neun Prozent der Orangenpflanzungen in jüdischen Händen. Ein Wort über das Tote Meer. Ob die Mineralien des Toten Meeres letzten Endes eine Einnahmequelle für Palästina werden, ist eine Frage technischen Studiums. Das gleiche gilt für Petroleum. Fachleute haben erklärt, dass sie an das Vorkommen von Petroleum glauben, dass aber die Feststellung Kosten von einer Million Dollar erfordern würde. Eine andere grössere entwicklungsfähige Industrie ist der Fremdenverkehr. Dieser erfordert bessere Hotels und eine bessere Reklame. Als ich vor ein paar Tagen von Cherbourg nach Paris fuhr, standen viele Plakate längs der Bahnlinie: „Visitez FEgypte." Eines Tages wird man ähnliche Plakate längs der Bahnlinien in der ganzen Welt finden: „Visitez la Palestine." Meiner Ansicht nach bestand die Hauptschwierigkeit in Palästina darin, dass man ein opportunistisches Programm befolgen musste. Infolge