Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 458 (sequence 596)
- Language
- German, English, Hebrew
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458 1?. KONGRESS-SITZUNG: Bericht der Agency-Kommission wir eine Reihe von feierlichen Erklärungen gehört, die mit dem Amendement Soloweitschik nichts zu tun haben. Der Antrag Dr. Soloweitschiks, mit dessen Inhalt wir alle einverstanden sind, ist bedeutsam genug, dass sich der Kongress darüber, nicht unterbrochen von andern Gedankengängen, hätte aussprechen müssen. Erlauben Sie mir, Ihnen hier ein letztes Wort zu sagen: Ich bin loyal genug, davon überzeugt zu sein, dass die Exekutive und die Majorität des Kongresses sich in dem Willen einig sind, unsere Wahl der Exekutive auch in Zukunft zu sichern, aber wenn Sie sich die Frage stellen, warum die Exekutive gegen diesen Antrag ist und warum Dr. Halpern den Uebergang zur Tagesordnung vorschlägt, so gibt es dafür nur eine Erklärung: dass die Durchsetzung dieses Rechtes nicht absolut gesichert ist — sonst könnte die Exekutive zustimmen. Wenn es den Schatten des Schattens einer Gefahr gibt, dass das Recht zur Wahl der Exekutive kommenden Kongressen genommen werden könnte, dann müsste ein ernster Kongress sagen, dass dies ein Punkt sei, in dem wir nicht einen halben Schritt zurückgehen können. Dieser ganze Kongress und alle Kongresse der Vergangenheit drehen sich bei aller Ideologie letzten Endes um die Wahl der Exekutive. Der Kongress hat dem zionistischen Judentum zu seiner Ideologie ein Stück Machtbewusstsein gegeben. Und wenn wir hier um Namen und Personen kämpfen, so liegt darin etwas Grossartiges: es ist der einzige Platz im Judentum, wo Gruppen um Macht im politischen Sinn kämpfen. Wenn der Kongress das verliert, wird er zu einer Rednertribüne, aber er hört auf, eine politische Tribüne zu sein. Rabbi Silver hat hier, vielleicht in guten Worten und in schönen Worten, davon gesprochen, dass wir zu den andern mit Vertrauen und mit Respekt kommen sollen. Ich bin ein Gegner der Agency, aber ich gehöre nicht zu den Intransigenten, ein gewisses Gefühl von Vertrauen muss uns einigen, aber es ist kein Beweis des Respekts vor uns, wenn die andern uns auch nur die Zumutung machen können, dass wir auf die Wahl der Exekutive verzichten. Die Ablehnung des Antrages durch die Exekutive beweist, dass die Möglichkeit besteht, dass die andern uns dieses Recht nehmen werden. Das muss Ihnen Grund genug sein, der Exekutive zu sagen: über alle Punkte verhandle, aber das ist ein Punkt, der eine conditio sine qua non darstellt; denn wenn dieses Recht uns genommen wird, bedeutet es die Abdikation des Kongresses. (Beifall.) Der Antrag Dr. Halpern auf Uebergang zur Tagesordnung über den Antrag Dr. Soloweitschik wird mit 126 zu 92 Stimmen angenommen. I. Grünbaum (A. C, Radikal): Ich habe eine Anfrage an die Exekutive und Präsident Weizmann. Wie versteht er diese Abstimmung? Bedeutet sie, dass der Kongress die Exekutive nicht mehr selbständig wird wählen können?