Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 312 (sequence 450)
- Language
- German, English, Hebrew
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312 II. KONGRESS-SITZUNG: Debatte über die Palästina-Referate Chaluziuth rein erhalten bleibe und eine gemeinsame Sache aller Zionisten sei. (Beifall.) Dr. B. Mossinson (A. C. — spricht hebräisch): Ich möchte nicht über die Frage der Exekutive sprechen, und ich halte es nicht für richtig, dass man jetzt diese Frage wieder hineinbringt, nachdem wir schon in der Generaldebatte gesprochen haben. Ich möchte über die Frage der Erziehung sprechen. Es freut mich sehr, dass der Bericht über die Erziehungsarbeit im Lande auf die Tagesordnung des Kongresses gesetzt wurde. Ich bedaure aber sehr, dass Miss Szold es für nötig gefunden hat, so viel auf administrative und organisatorische Fragen einzugehen, und sich nicht in ihrer Rede mit den eigentlichen Problemen der Erziehung befasst hat. Ich möchte auf einige Spezialf ragen eingehen und dann zur Hauptfrage kommen. Man hat hier über die Stellung der Regierung gesprochen. Leider kann ich der Ansicht von Miss Szold nicht beistimmen, dass in bezug auf die Regierung alles in Ordnung ist. Mir scheint es, dass wir in bezug auf das Erziehungswesen bei der Regierung viele Positionen verloren haben. Vor Jahren hat die Regierung den Wert unserer Mittelschulen anerkannt, hat deren Zeugnisse berücksichtigt. Jetzt ist sie davon abgegangen, weil sie inoffiziell eine Institution geschaffen hat, die mit unseren Mittelschulen konkurriert. Sie will auch mit der hebräischen Universität konkurrieren. Und aus dieser Konkurrenz heraus wird die Stellung unserer Mittelschulen immer mehr verschlechtert. Ein konkretes Beispiel: Es existieren bei der Regierung Kurse für Advokaten. In diese Kurse werden Schüler mit Matrikulationszeugnissen der Regierung aufgenommen, nicht aber mit den Zeugnissen unserer Mittelschulen, trotzdem die Regierung immer wieder betont, dass unsere Mittelschulen auf einem hohen Niveau stehen. Ueberhaupt beginnt die Regierung, sich mehr in unsere inneren Erziehungsangelegenheiten einzumischen. Miss Szold bemerkte, dass wir nicht immer den Vorschlägen der Regierung widersprechen müssen, weil sie eben von der Regierung stammen. Aber wenn Meinungsverschiedenheiten zwischen der Exekutive und dem Waad Hachinuch bestehen, so ist es von der Exekutive falsch, wenn sie ihre Meinungen durchsetzen will, indem sie sich auf die Regierung stützt. Wir sollten in unserem Lager die Fragen weiter studieren, bis jemand seine Meinungen durchsetzt. Vor der Regierung sollen wir aber als Einheit erscheinen, sonst schwächen wir unsere Stellung. (Beifall.) Auch ich bedaure sehr die Streitigkeiten in der Erziehung. Ich bedaure sehr die Kampfesmethoden, die angewandt werden, wie man sich Positionen zu verschaffen versucht dadurch, dass jemand mehr Geld hat als der andere usw. All dies schädigt alle Parteien. Ich habe mich eingehend mit der religiösen Erziehung und auch der Erziehung der Arbeiterschaft befasst. Und ich muss sagen, dass die Religion nicht Monopol des Misrachi ist, wie die Arbeit nicht Monopol der Linken.