Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 327)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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Weizmann 189 obwohl ich bei weitem nicht mit allem einverstanden bin. Er war es, der die Frage Russlands aufgerollt hat. Aber er widersprach sich oft, als er diese Frage behandelte. Ja, es ist da wenig zu machen. Es ist vielleicht gar nichts zu machen. Wir haben es mit einem Lande zu tun, das auf die öffentliche Meinung der Welt pfeift, das sich abgeschlossen hat von der ganzen zivilisierten Welt, weil s glaubt, viel zivilisierter zu sein, als die ganze zivilisierte Welt. Wir können keinen Druck ausüben. Ja sogar wenn die englische Regierung heute mit der Sowjetregierung Verbindungen anknüpft, sagt Arlosoroff, so wird diese Verbindung auf der Grundlage gemacht werden, dass die Sowjetregierung sich nicht einzumischen hat in die Angelegenheit der englischen Regierung und die englische Regierung nicht in die innern Verhältnisse der Sowjetregierung. Was folgt daraus? Daraus folgt: Man soll eine Aktion machen, der Kongress wird eine Resolution fassen und sie wird per Akklamation angenommen werden, v/ie sie auch schon von einem Kongress per Akklamation angenommen wurde. Wir sind empört und erregt, aber, Freund Arlosoroff, das ist doch keine Aktion. Wir befriedigen für einen Moment unser Gewissen dadurch, dass wir unsere Meinung heraussagen, aber dadurch wird es nicht einem einzigen Zionisten in Russland leichter. Das ist keine Aktion, sondern eine Proklamation, eine Deklamation, alles, was Sie wollen, nur keine Tatsache. Sie tun alle so, als hätten Sie sich vergewissert, dass die Exekutive nichts tat. Die Exekutive ist doch dazu da, nichts zu tun, sich nachschleifen zu lassen, wir tun überhaupt nichts, eine Exekutive besteht aus Dummköpfen wie jede Regierung. Wir haben uns aber mit der Sache beschäftigt und sind zu gewissen Schlüssen gekommen. Wir haben versucht, eine Verbindung zu scharfen, versucht, Brücken zu schlagen, es war alles umsonst. Diese papierenen Resolutionen werden uns nicht weiterhelfen. Vielleicht war das einzige, was man tun konnte, aus dieser Hölle so viel herauszuretten, als möglich war. Wir haben so viel Menschen herübergebracht, als wir nach unseren Kräften konnten. Vielleicht haben wir in dieser Beziehung nicht genug getan. Wir haben nicht auf Wise gewartet, dass er nach Washington fährt, dass ihm irgend jemand etwas sagt und er nachher nach London kommt, mit Staatsmännern spricht und auf allen Volksversammlungen erklärt; Ich habe das und das gesagt. Dadurch wurde kein Mensch mehr aus Russland gerettet. Es ist in dieser Beziehung leider Gottes schlimmer als in der zaristischen Zeit. Die zaristische Regierung brauchte manchmal Anleihen und war empfindlich gegenüber der öffentlichen Meinung. Die Sowjetregierung braucht keine Anleihe und sie pfeift auf die Reputation. Wenn Herr Wise uns erzählt hätte: ich bin zur amerikanischen Regierung gegangen — ich gebe Herrn Arlosoroff recht, dass von Amerika aus irgend ein Einfluss vielleicht möglich wäre — zum Beispiel zu Herrn Borah, dem Präsidenten der Senatskommission für auswärtige Angelegenheiten, und ich habe ihn dazu gebracht, dass Hoover oder Stimson oder irgend ein anderer bedeutender Staatsmann auf Russ-