Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 294)
- Language
- German, English, Hebrew
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156 6. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte Ich glaube, dass es nicht fair ist, die Reden von Jabotinsky oder Grünbaum, aus denen ein Wehschrei zu hören war, mit einem Witz abzutun, wie es Blumenfeld getan hat. Man kann ihren Standpunkt bekämpfen, aber man muss es mit Respekt und mit Ernst tun. Es mögen manche Behauptungen unrichtig sein, aber man hat nicht das Recht, über solche geradezu historischen Reden Witze zu machen. Ich bin Arlosoroff sehr dankbar, dass er in seiner glänzenden, temperierten, staatsmännischen Rede das Kapitel Russland erwähnt hat. Ich weiss, dass die Exekutive Bedenken hat zu intervenieren, weil es der jüdischen Bevölkerung in Russland bei dem jetzigen Regime schaden könnte. Aber es geht nicht an, dass Vertreter einer Linkspartei sich beklagen, dass die russische Regierung Zionisten nach Sibirien verschickt und dass gleichzeitig eine zionistische linksstehende Jugendzeitschrift einen Artikel schreibt, der den Terror der Sowjetregierung gegen die Zionisten damit entschuldigt, dass sie antirevolutionär seien. Das hat der Haschomer Hazair in Warschau getan, ohne dass eine redaktionelle Anmerkung gefolgt wäre. (Rufe: Das ist nicht richtig! Reden Sie die Wahrheit! Unruhe auf der linken Seite. Pfiffe von der Galerie.) Der Sstam-Zionismus, der heute vielleicht etwas schwächer ist, wird seine grosse Mission noch erfüllen- und einen Beweis seiner Kraft nicht nur durch den Kampf gegen solche destruktiven Erscheinungen erbringen, sondern durch produktive, konstruktive Arbeit für die zionistische Sache. (Beifall und Zischen.) Dr. Leon Reich (A. C. — spricht deutsch): Der Kongress steht unter dem Zeichen von zwei Umständen: der Erinnerung an Theodor HerzI und der Erweiterung der Jewish Agency. Ist diese zweite Tatsache ein Fortschritt auf der Bahn, die Theodor Herzl beschritten, oder ist es ein Rückschritt? Ich glaube, wenn Theodor Herzl geschrieben hat, wir sind ein Volk, so war das nicht nur eine stilistische Phrase, sondern er wollte dadurch andeuten, dass man alle Kreise des jüdischen Volkes als ein Volk behandeln und dem zionistischen Gedanken nahebringen solle. Wenn Herzl seine Unterhandlungen mit Baron Rothschild und Hirsch gepflogen hat, so wollte er nicht nur ihr Geld, sondern auch ihre Seelen für den zionistischen Gedanken gewinnen. Darum glaube ich, dass die Erweiterung der Jewish Agency eine Fortsetzung der Linie ist, die Herzl dem Zionismus gegeben. Es ist dies heute überdies eine materielle und historische Notwendigkeit. Ich weiss nicht und niemand in diesem Saale weiss, wie viel Geld die erweiterte Jewish Agency bringen wird. Aber es ist immerhin eine Chance, und wenn heute von einem Gegner der erweiterten Agency den Arbeiterführern der Vorwurf gemacht wurde, dass sie nicht den Mut hatten, gegen die Agency aufzutreten, so ist das gerade ein Beweis des Gegenteiles von