Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 285)
- Language
- German, English, Hebrew
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Bernhardt 147 zum Palästina-Aufbau bis nun apathisch, ja manchmal sogar antipathisch verhielten, aufgerüttelt wurden und aus neuerwachtem Interesse sich nach palästinensischem Informationsmaterial umsahen, von industriellen Beteiligungen in Palästina zu sprechen begannen und einen schwer verhüllten Drang, in die Jewish Agency zu kommen, verrieten. Wenn diese Erscheinungen auch in anderen Ländern hervorgetreten sind, so versprechen wir uns eine wertvolle menschliche und materielle Bereicherung der palästinozentrischen Bestrebungen. Es wird jedoch eines besonderen Taktes unsererseits bedürfen, diese Kreise auf die Dauer an unsere Arbeit zu fesseln, und deshalb warnen wir vor einem geschlossenen, starren Zusammengehen des zionistischen Teiles der erweiterten Agency jederzeit und in allen Fragen. Es muss diesem Teile eine gewisse Elastizität in den meisten Fragen, welche die Jewish Agency beschäftigen, gelassen werden, es muss aber auch mit aller Entschiedenheit verlangt werden, dass die nichtzionistischen Mitglieder zur wirklichen tatkräftigen Arbeit herangezogen werden, denn nur so kann ihr Interesse auf die Dauer wacherhalten und vertieft werden. Wir befürchten innerhalb der Jewish Agency keine Ueberrumpelungen seitens unserer neuen Mitarbeiter, wie auch die schriftlichen Abmachungen lauten mögen. Ob der Kongress es für notwendig erachten wird, entgegen unserer Meinung dem zionistischen Teile ein Zwangszusammenhalten aufzuerlegen oder nicht, unsere intimere Kenntnis der Probleme, der natürliche Zusammenhang und die gleich tiefe ideelle Einstellung zum Aufbau geben uns innerhalb der Jewish Agency ein Uebergewicht, das jede von der Opposition geäusserte Befürchtung als unstichhhaltig erscheinen lässt. Unbefriedigt lässt uns die von der Exekutive vorgelegte sogenannte Verfassung der Jewish Agency schon deshalb, weil dieselbe ungenügend ausgearbeitet ist. Sache der speziellen Kommission für die Jewish Agency wird es sein, die nötigen Ergänzungen und Korrekturen vorzunehmen. Bei aller Achtung vor der durch Dr. Weizmann auch politisch geleisteten grossen Arbeit und obwohl unverkennbare Fortschritte auch auf diesem Gebiete zu verzeichnen sind, müssen wir erklären, dass dieselben uns ungenügend erscheinen. Seit Jahren hören wir, dass das Verhältnis zur Mandatarmacht sich bessert, aber wir erachten die Beweise hierfür für so spärlich, dass wir mit immer wachsender Ungeduld auf gewichtigere und vollwertigere Bezeugungen des wachsenden Verständnisses für ihre Pflichten als Helfer zum Aufbau des Nationalheimes warten. Wir fordern unsere Exekutive deshalb auf, bei der Mandatarmacht auf diese Stimmung in unserem Volke hinzuweisen und allen direkten und indirekten Einfluss dahin auszuüben, dass einige der Hauptpostulate bis zum nächsten Kongress eine befriedigende Lösung finden. Ich will nur stichwortartig nennen: Die Staatsbodenfrage, Einwanderungsfrage, Arbeiterfrage, Schulbudget, Schulautonomie, Kotel Maarawi.