Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 259)
- Language
- German, English, Hebrew
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Jabotinsky 12! Und wie dieser „Wahlmodus" heute aussieht, wissen doch die Herren Delegierten selbst. Sie haben schon Gelegenheit gehabt, ihn in ihren Ländern zu bewundern. Schon die Verteilung der Sitze auf die verschiedenen Länder ist bezeichnend für den antidemokratischen Geist der ganzen Konstitution. Ich bin kein polnischer und kein amerikanischer Jude, aber diesen Gegensatz in der Behandlung der beiden Länder würde ich nie dulden. Die Zahl der jüdischen Bevölkerung in beiden Ländern ist ungefähr dieselbe. Aber Amerika bekommt 44 Mitglieder und Polen 13. Warum? Weil jenes ein reiches Land ist und dieses ein armes. Es ist nicht wichtig, dass das polnische Judentum Palästina am meisten braucht, dass es uns die meisten Immigranten gibt; Polen bekommt nur 13 Sitze. So klar, so nackt: Wir wollen nicht mit der Zahl der Bevölkerung zählen. Wir wollen bloss die Gewirim! Sehen Sie, meine Damen und Herren, der Jude von heute ist nicht das, was er vor dreissig Jahren war. Er ist stolz, er hat Bewusstsein, er ist ein Bürger. Und es besteht ein Streit, besonders im Lande, woher ich stamme: wessen Verdienst ist es? Die revolutionären Parteien sagen: W i r haben aus dem Juden einen Bürger, einen Kämpfer gemacht. Es ist aber historisch und psychologisch nicht wahr. Es war etwas anderes, was die jüdische Seele revolutionierte. Es war ein kleiner Zettel Papier, der Schekel. Diejenigen, die in anderen, glücklicheren Ländern aufgewachsen sind, können sich das vielleicht nicht vorstellen. Wenn man vor etwa dreissig Jahren dem armen gebückten Juden vom Kampf ums Recht sprach, sagte er: „Was bin ich und wer bin ich? Ein Kabzan. Ich muss schweigen. Es sind bloss die .Starken', die Reichen, die das Recht haben, in Sachen des Volkes zu entscheiden, ob es sich um eine Deputation an den ,Gubernator handelt oder um Jischuw Erez Israel." Er stellte sich nicht vor, dass auch er eine Meinung haben dürfe. Dann kam Herzl. Viele Verdienste Herzls wird man zu leugnen suchen, eines aber hat er getan: er hat diesem gebückten Manne den Schekel gegeben. Schon nach drei, vier Jahren haben wir gesehen, was aus dem gebückten Manne geworden war. Eine Zionsidee, eine Volkshoffnung, neue Sonne am Himmel, Rettung des Volkes Israel; und er, der gebückte Mann, er entscheidet, er bestimmt. Er sagt zu sich selbst: „Da kommt ein Weltkongress, und wer weiss, vielleicht wird auf dem Kongress eine Frage entstehen, wo gerade eine einzelne Stimme den Ausschlag geben wird. Und vielleicht ist es der Delegierte meiner Stadt. Und vielleicht wurde er gewählt mit einer Mehrheit von wenigen Stimmen. Und vielleicht ist darunter auch meine Stimme. Und die Frage, ob Israel den guten oder den schlechten Weg wählen soll, wird also dadurch bestimmt, dass ich, der kleine Mann von Moldawanka, so und nicht anders abgestimmt habe! Ich bestimme, auf mir ruht die Verantwortung, ich kann es verursachen, dass Israel rechten oder schlechten Wegen folgt! Ich baue, ich mache