Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 234)
- Language
- German, English, Hebrew
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96 3. KONGRESS-SITZUNG: Generaldebatte verlassen solle. Der zweite war, ob es nicht wünschenswert wäre, den Waad Leumi, die Vertretung der 170 000 Juden Palästinas, als politisches Instrument gegen die Zionistische Weltorganisation auszuspielen — wieder ein echt Herzischer Gedanke! Als drittes endlich wurde die Schaffung von politischen Agenturen in London, Genf und Jerusalem in Betracht gezogen. Der Kampf gegen solche separatistischen Tendenzen in der Aussenpolitik muss mit aller Gewalt geführt werden. (Beifall.) Es war in der Zeit, als ich mit der Waad Leumi-Delegation in Genf war und wir einmal Mme. Bugge-Wickseil, die inzwischen verstorbene Dame, die Schweden in der Mandatkommission vertrat, zu besuchen hatten. Der Treppenwitz der Weltgeschichte wollte es, dass gerade diese Frau eine Petition der Agudah zu bearbeiten hatte, die sich auf Meinungsverschiedenheiten zwischen Rabbi Sonnenfeld und Rabbi Kuk in der Schächtfrage bezog. Nachdem wir unsere Meinung vorgetragen hatten, erzählte uns Mme. Brügge-Wicksell, erst vor einer halben Stunde sei eine Agudah - Delegation bei ihr gewesen, die ihren Standpunkt vertreten und sie vor den bösen Zionisten gewarnt habe, die nicht mehr als eine bedeutungslose Intelligenzlergruppe repräsentierten, während die Millionenmassen des jüdischen Volkes geschlossen hinter der gesetzestreuen Agudah ständen. Und wirklich, fügte sie hinzu, für mich ist Dr. Benesch die Tschechoslowakei, Mr. MacDonald England, aber bei Ihnen kann man es ja wirklich nicht wissen, wo Wahrheit und wo Unwahrheit ist. Sie können sich, meine Damen und Herren, sehr leicht vorstellen, welche „Stärkung" unsere aussenpolitische Aktion dadurch erfährt, dass ausser einer zionistischen und einer agudistischen auch noch eine revisionistische Delegation auf der Bildfläche auftaucht. Es gibt vielleicht Leute, die sagen, am Ende gäbe es auch von links solche Gefahren. Ich kenne auch da keine Moral mit doppeltem Boden. Soweit es sich um die wichtige Arbeit handelt, die z. B. von den Poale Zion innerhalb der gesamtsozialistischen Bewegung oder in Verbindung mit der Labour Party getan worden ist, so glaube ich, dass diese Arbeit dem Zionismus den grössten Dienst erwiesen hat. Soweit es sich aber darum handelt, als Vertreterin des gesamten Zionismus mit den Regierungen oder dem Völkerbund zu verhandeln, haben wir uns immer auf den Standpunkt gestellt, dass es kein eigenmächtiges Handeln geben kann, solange es eben die Zionistische Organisation nicht für richtig befunden hat, uns die Führung ihrer aussenpolitischen Geschäfte zu übertragen. (Beifall.) Und jetzt komme ich zum zentralen Punkt dieses Kongresses, der Jewish Agency, und ich will Ihnen da zunächst einmal sagen, dass wir es für verfehlt halten, wenn man die Agency wie ein einfaches organisatorisches Schema, wie ein konstitutionelles Skelett betrachtet. Man muss es betrachten nicht als eine Zahl Paragraphen, sondern als einen sozialen Prozess im Judentum des heutigen Tages, in dem fortlaufend ganz neue