Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 233)
- Language
- German, English, Hebrew
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Arlosoroff 95 gefragt hat, was er eigentlich bedeute und ob ihn die Mandatarmacht auch auf anderen Gebieten der Palästinaverwaltung seit der Türkenzeit mit derselben Sorgfalt hüte, wie in diesem traurigen Fall gegen uns, so beweist das deutlich, dass noch nicht alles glatt ist. Die Folge, die daraus gezogen werden muss, ist natürlich nur, dass wir uns jetzt zu einer Systematisierung und einer aktiven Entwicklung unserer Tätigkeit auf allen Gebieten, die mit der Palästinaadministration in Verbindung stehen, entschliessen müssen. Ich habe auch schon auf dem vorigen Kongresse betont, wie wichtig es ist, in Jerusalem und London die wirtschaftspolitische Tätigkeit gegenüber der Mandatarmacht auf eine feste und geordnete Basis zu stellen, wirtschaftspolitische Departements an beiden Orten zu scharfen, und ich wiederhole diese Forderung heute. Und noch eines muss zur Palästinapolitik heute offen bemerkt werden: dass nämlich, abgesehen von allen diesen Fragen der administrativen Routine, der tegtäglichen politischen Kleinarbeit im Lande sich grössere politische Probleme an unserem politischen Horizont abzuzeichnen beginnen. Es verlohnt, ihnen unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Eines der grössten und ernstesten dieser Probleme ist die Konstitution des werdenden palästinensischen Gemeinwesens. Ich berühre dies nicht, weil ich glaube, dass unsere Lage in bezug auf diese Frage seit dem vorigen Kongress weniger stabil geworden wäre, als sie es vorher gewesen ist. Im Gegenteil — die Mandatskommission des Völkerbundes hat sich auf eine arabische Petition hin neulich mit dieser Frage beschäftigt und ich glaube, dass sie dabei unsere Stellung eher noch gestärkt hat. Aber ich will sagen, es ist keine Politik von unserer Seite, wenn wir uns hier einfach vom Strom der Zeit treiben lassen. Aus mir sehr verständlichen Gründen hat es bis jetzt die Tendenz gegeben, über diese Dinge zu schweigen. Vielleicht soll man darüber schweigen, aber man soll sich auch vorbereiten. Wir haben hier ein Problem vor uns, das eine unheimliche unterirdische Aktualität besitzt. Um nicht ungewappnet dazustehen, muss ein Instrument geschaffen werden, ich denke z. B. an eine spezielle Kommission, welche unsere Stellung zu diesem Problem ausarbeiten sollte. Wie immer auch die Lösung des Problems versucht wird, es heisst hier wie nirgend anders: Bereitsein ist alles; und für diese Bereitschaft müssen wir im gegenwärtigen Moment kaltblütig und vorausschauend Vorsorge treffen. In seiner Rede hat Präsident Weizmann bereits die Frage der aussenpolitischen Disziplin erörtert, und ich kann mich daher darüber kurz fassen. Es ist merkwürdig, aber charakteristisch, dass gerade aus den Kreisen heraus, die uns den Weg Theodor Herzls lehren wollen, Bestrebungen kommen, auf die man mit der gesetzlichen Verordnung einer straffen aussenpolitischen Disziplin antworten muss. In diesen Kreisen wurden in der letzten Zeit hauptsächlich drei Dinge diskutiert: die Trennung von der Zionistischen Weltorganisation — ein echt Herzischer Gedanke! HerzI hat ja immer gesagt, dass eine Minorität einfach die Weltorganisation