Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 217)
- Language
- German, English, Hebrew
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Brodetsky 79 wir bisher gar nichts geleistet haben. Alle müssen aber gestehen, dass wir auf diesem Gebiete zu wenig getan haben. Ich will besonders erwähnen, was ich meinen englischen Freunden noch lange vor der Gründung der Agency bemerkt habe. Vor sechs Jahren warnte ich meine zionistischen Freunde davor, sich ganz der praktischen Arbeit hinzugeben und zu vergessen, dass die praktische Arbeit, das Erreichen des Geldes, die Tätigkeit für die Fonds, für den Keren Haijessod und Keren Kajemeth, davon abhängen, wie viel zionistisches Wissen und wie viel zionistischen Enthusiasmus es im jüdischen Leben gibt. Man kann auch Nichtzionisten hereinnehmen, und ich hoffe, dass eine Zeit kommen wird, in der der Unterschied zwischen Zionisten und Nichtzionisten verwischt wird, nur müssen wir uns sehr davor hüten, dass nicht der zionistische Teil verwischt wird. Die „Zionisten" sollen bleiben, das „Nicht" soll verwischt werden, und alle Juden sollen zusammen für einen Zweck arbeiten. (Andauernder Beifall). Wir sind daher zu dem Beschluss gelangt, dass man jetzt, ob zwar es spät ist, in London ein Departement für zionistische Propaganda in der ganzen Welt eröffnen soll. Ich werde mich nicht in Einzelheiten der Tätigkeit dieses Departements einlassen. Es ist selbstverständlich verfrüht, über technische Fragen zu reden. Man kann überhaupt in einer grossen Versammlung hierüber nicht sprechen. Ich möchte aber einige Prinzipien berühren. Das erste Prinzip ist das Prinzip unserer Talmudgelehrten, dass man nicht etwas wissen und bedenken kann, wenn man es nicht hundertundeinmal wiederholt hat. Man muss hundertundeinmal den Zionismus wiederholen, bevor der Zionist ihn versteht. Auch das möchte ich als Lehrer betonen. Ich habe mit Studenten zu tun, nicht mit Kindern, und ich muss jede Sache mehreremal wiederholen, bis sie sie begreifen. Und so ist es auch mit dem jüdischen Volke. Das ist ein ganz elementares Prinzip. Warum mache ich diese Bemerkung? Ich hatte einmal die Ehre, einen Vortrag über den Zionismus bei einer Versammlung unter dem Protektorat der linken Parteien zu halten. Es wurde die Frage behandelt, wie ein englischer Bürger für sich das Problem der englischen und jüdischen Nationalität lösen könnte. Da stand ein wichtiges Mitglied der Poale Zion auf und hielt eine warme Rede. Er bemerkte: Wir haben auf diese Frage schon vor mehr als dreissig Jahren geantwortet. Ich bemerkte hierauf, dass die Kinder, die in diesem Zimmer sitzen, vor dreissig Jahren noch nicht auf der Welt waren. Und wenn man vor dreissig Jahren eine Antwort erteilte, bleibt die Frage heute unbeantwortet, nicht nur, weil es neue Menschen sind, die die Antwort nicht gehört haben, sondern weil im Leben neue Bedingungen herrschen. Die Juden leben heute in anderen Ländern, sie leben unter anderen politischen und ökonomischen Bedingungen als vor dem Kriege. Alle Methoden der Arbeit in der Propaganda müssen den Bedingungen der heutigen Zeit angepasst werden. Das Leben ist im Westen anders als im Osten, in dem einen Lande anders als in dem andern Lande. Wir Zionisten haben zwei grosse Fehler begangen. Wir haben uns gegen die sefardischen Juden ver-