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Jüdische Rundschau · 1931-02-10 · Heft 11 (10.2.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 11 (10.2.1931)
Date
1931-02-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Die Einhütererurujs-Debatte im Rcichsrat Einzelnummer 0,2S Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHA Erschein« jeden Dienstag!!.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Ausl*t'dftabonnement* tverden in der Währung dar amaelnaa Lander berechnet, Anzeigenpreis*- 8 gwsp. Nonpareillezefla 0.50 G-*M StaBangasudha 0.25 G.-M, Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m.b.H., Berlin W15, Meinekearr.IO. Telephon: J 1 Bismarck 716570־■ Po*t«ch#ck - K outen : Berlin 17392, Basel V 0355. Belgrad 6803 Brüssel 39433. Budapest 59693. Danzig 1973, Hsa« 140470. Prag 59410 Riga 4155. Scra$».huFg 16430, Warschau 190708, Wien!56 030. Bank ״ Konten : Darmstadter- und Natioaelhank, Depositen - Kasse Berlin, Ktirfünrtendanun 52; Baues de Est. Ceraauti (Rumänien); Angle* Palastine Co. in Haifa. Terussdem, Tel-Aviv. Nummer 11 | Berlin. 10. II. 1931 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. *״^y?1 ™a. Per Zlonlwnu• erstreb! tor da» Jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina. ״Basaler Programm.»« Englands Palästina - Politi Der Kommentar zum Weißbuch vom Kabinett beschlossen Veröffentlichung wahrscheinlich Donnerstag — Konzessionen in den Fragen der Einwanderung und Landansiedlung Wie bereits mehrfach in die Oeffentlichkeit durchgesickert ist, wurde der erste Teil der Verhandlungen zwischen dem vom britischen Kabinett eingesetzten Sub- Komitee und den Vertretern der Jewish Agency vor einer Woche zu einem günstigen Abschluß gebracht. Das Resultat der Verhandlungen wurde vom britischen Gesamtkabinett einstimmig gutgeheißen. Die Verhandlungen waren vertraulich, doch hat jetzt ein Teil der engtischen Presse — offenbar auf Grund von Indiskretionen — Nachrichten darüber verbreitet, die wir nachstehend wiedergeben. ״Daily Telegraph“ veröffentlichte am 7. d. M. eine Mitteilung, daß die Regierung wesentliche Zugeständnisse an die Zionisten gemacht hat, insbesondere auf den Gebieten der Einwanderung und der Landentwicklung■ Die Regierung habe, schreibt das Blatt, jene Bestimmungen des Weißbuches, gegen die seitens der Jewish Agency Widerspruch erhoben worden ist, annulliert. Die Stellungnahme der Regierung wird in einem Brief enthalten sein, der an Dr. Weizmann gerichtet ist und von dem Vorsitzenden des Kabinett-Komitees, Außenminister Henderson. unterschrieben ist Ä«f diese Nachricht des ״Daily Telegraph“ wird in der1 Londoner Presse ein offiziöses Dementi verbreitet, worin gesagt wird, daß die Erklärung der englischen Regierung, die im Verlaufe dieser Woche veröffentlicht werden wird, keine Abkehr von der bisherigen Politik der Regierung bedeute und den Grundcharakter des letzten Weißb u c h e s aufrecht erhalte. Die Erklärung werde nur in einzelnen Punkten Konzessionen an die zionistisehen Forderungen enthalten. Gleichzeitig wird die gleichfalls vom ״Daily Telegraph“ verbreitete Nachricht daß Kolonialminister Lord Passfield zurücktreten und von Lord Noel Buxton ersetzt werden werde, dementiert. Auch die Annähme, daß die Verwaltung Palästinas dem Außenminister unterstellt werden wird, ist unrichtig. Es handelt sich hier offenbar um eine Mißdeutung der Tatsache, daß Henderson den Brief an Weizmann unterschrieben hat Dies erklärt sich jedoch ganz einfach daraus, daß Henderson Vorsitzender des Komitees war. Die Veröffentlichung des ״Daily Telegraph“ hat folgenden Wortlaut: ״Nach einer Reihe von formellen und unformellen Sitzungen sind die Verhandlungen zwischen der Britischen Regierung und der Jewish Agency über die Interpretation des Weißbuches zum Abschluß gelangt. Dr. Weizmann, der Präsident der Jewish Agency, hat jetzt endgültig dem EntwurfeinesBriefes zugestimmt, der die neue Haltung der Regierung zum Weißbuch zum Ausdruck bringt. Letzten Freitag wurde eine Sitzung des Subkomitees abgehalten, bei welcher anwesend waren: Außenminister Henderson, Kolonialminister Lord Passfield, Kriegsminister Shaw und Marineminister Alexander. Die Sitzung genehmigte einstimmig den von dem Lord Advocate Aitchinson verfaßten Brief. Sofort darauf wurde eine gemeinsame Sitzung des Kabinett- Subkomitees mit Dr. Weizmann und seinen Kollegen abgehalten. Als Ergebnis wurde der Entwurf eines Briefes der Regierung unterbreitet und von der Regierung am Mittwoch abend genehmigt. Es heißt, daß eine Anzahl sehr wichtiger Zugeständnisse erzielt worden sind. Der Brief, der vom Außenminister unterzeichnet ist, sucht diejenigen Punkte des Weißbuches, gegen die die Zionisten so schwere Einwände erhoben, zu a n n u 11 i e r e n. Der Brief stellt endgültig den politischen Zustand wieder her, welcher bezüglich Palästinas vor der Veröffentlichung des Weißbuches bestand, nur der Vorschlag des Gesetzgebenden Rates bleibt. EinneuerLandentwicklungs-Plan, welcher als Antwort auf die zionistischen Forderungen ausgearbeitet und von Dr. Weizmann genehmigt wurde, wird gleichfalls in dem Briefe angekündigt. Ferner erfahre ich, daß den zionistischen Vorstellungen Inbezug auf Boden und El n w an derung von der Regierung weitgehend Rechnung getragen Wurde.; Obwohl die Verhandlung zu einem freundlichen Abschluß gebracht wurde, bestand doch, wlf Ich höre, eint Zeitlang die Gefahr eines Zusammenbruches der Konferenz. Von besonderem Interesse ist es, daß der Brief nicht von Passfield gezeichnet Ist. Diese Tatsache scheint das Gerücht zu bekräftigen, daß Palästina dem Foreign Office unterstellt werden soll. In parlamentarischen Kreisen taucht auch das Gerücht wieder auf, daß Lord Passfield demnächst zurücktreten und von Noel Buxton ersetzt werden wird. Der Rücktritt des gegenwärtigen Oberkommissars von Palästina, Sir John Chancellor, während der nächsten Monate wird a 1 s sicher betrachtet.“ * ״Jewish C h r o n i c i e“ berichtet in seiner Ausgabe vom 6. d. M. über den Abschluß der Verhandlungen folgendes: Der Entwurf des Henderson-Briefes wurde diese Woche vom Kabinett genehmigt. Der Inhalt des Briefes wurde bereits nach Amerika gekabelt und fand die Zustimmung der dortigen zionistischen Führer, sowie der führenden Persönlichkeiten der Jewish Agency. Diese prompte BiIligung der neuen Regierungspolitik in Amerika ist — bemerkt ״jewish Chronicle“ — eine Ueberraschung für die Minister ebenso wie für die zionistischen Führer in London gewesen. Der Henderson-Brief, erklärt ״Jewish Chronicle“, sei von depr Lord-Advokat für Schottland, Mr. Aitchinson, entworfen, der auch während der Verhandlungen als Rechtsberater des Kabinett-Komitees fungierte und eine Reihe langer und umfassender Besprechungen mit Dr. Weizmann hatte, bei denen auch Malcolm MacDonald, der Sohn des Primeministers, anwesend war. Was die Frage des Legislative Council betrifft, so ist — nach ״J. Chr.“ — der Plan nicht fallen gelassen worden, doch ist man in Regierungskreisen der Ansicht, daß infolge der von den Arabern erhobenen Einwendungen der Gesetzgebende Rat gar nicht zustande kommen wird. Dr. Weizmann habe anfänglich starke Bedenken gegen die geplante Regierungs-Anleihe zur Finanzierung des Lamlcrsclilie ßungsplanes gehabt, hahe aber auf Grund der Darlegungen der Regierung seinen Widerstand fallen gclassen. Von einem ,,sehr bedeutenden Parlamentarier“, der eng mit den Verhandlungen verbunden gewesen sein soll, will der Mitarbeiter des ״J. (ähr.“ folgende Charakterisierung des Erfolges erhalten haben: ״Nicht nur ist das Weißbuch beseitigt worden, sondern es wurden neue Pläne von der Regierung aufgestellt, welche den Juden sogewaltigeVorteile bezüglic 11 Bodenerwerb und Immigration bieten, wie sie sie noch niemals bisher besessen haben. Die Regierung machte einen schrecklichen Fehler durch die Veröffentlichung des Weißbuches, aber wenn die neuen Projekte veröffentlicht sind, wird man sehen, daß große Verbesserungen zugunsten der Juden vorgenommen wurden. Der Zionismus könnte jetzt viel schnellere Fortschritte machen, aber ich muß aufrichtig sagen, daß neue Komplikationen entstehen können, wenn nicht Sir John Chancellor und Lord Passfield auf andere Posten versetzt werden. Die Juden haben sehr wenige Freunde im Kolonialamt und in der Palästina-Administration, vielleicht gar keinen.“ יי Wir begnügen uns heute mit der Wiedergabe dieser Nachrichten, da anzunehmen Ist, daß bereits bei. Erscheinen der nächsten Nummer der ,Jüdischen Rundschau“ die neue Erklärung der Regierung Im Wortlaute vorliftgen Wifi, so daß es möglich sein wird, zu dem sachlichen Inhalte Stillung zu nehmen, ohne sich auf Gerüchte zu stützen, die notwendigerweise unvollständigen Charakter haben. Der zweite Teil der Verhandlungen Konkrete Kolonisafiomfragen Der zweite Teil der Verhandlungen zwischen Jewish Agency und englischer Regierung wird in der zweiten Hälfte des Monats Februar eröffnet werden. Weizmann wird an der Eröffnungssitzung des zweiten Teiles der Verständigungskonferenz teilnehmen und sich alsdann nach Palästina begeben. Die Führung der zionistischen Verhandlungskommission übernimmt Dr. Arthur Ruppin, der bereits nach London berufen wurde, und auf dessen Eintreffen man mit dem Beginn der Beratungen wartet, da die Kolonisationsfragen Im Mittelpunkt des zweiten Teiles der Konferenz stehen. Weizmann fährt nach Palästina Eine Jüdisch - arabische Konferenz? Weizmann hat der JTA mitgeteilt, daß er Ende dieses Monats nach Palästina reisen wird. Gleichzeitig tritt Weizmann mit Nachdruck den Gerüchten entgegen, daß seine Palästina-Reise im Zusammenhang mit Bemühungen zwecks Zustandebringen einer jüdisch-arabischen Round Table-Kon ferenz stehe. Weizmann reist nach Palästina, um, wie alljährlich, seine 81jährige Mutter zu besuchen. Er will sich bei dieser Gelegenheit ein Bild über die gegenwärtige Lage in Palästina machen, um bei seiner bevorstehenden Am«- rika-Tourncc die jüdische Oeffentlichkeit Amerikas zuverlässig über die tatsächliche Situation in Palästina informieren zu können. IMIIIIlllinillllllllllllllllllllllllMIIIIIIIIIIUIIilHIIIHIIHIIIIIIIIIIHIIIIItlllllllllllllHIHIinlltlllllllllllllllllHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIinillllllllllllllHHIlHin^ Zwei Hundertjährige Zugleich ein Stück Geschichte der Jüdischen Renaissance-Bewegung Von Leon Scheinhaus, Memel. (Jehuda Leib Gordon, gestorben in Petersburg, 16 September 1892. — Dr. Isaak Rülf, gestorben in Bonn, 18. September 1902.) Ein ganz kleines kurhessisches Dorf, unweit der Universitätsstadt Marburg, Holzhausen, auch Rauisch-Holzhausen geheißen, ist die Stelle, wo Rabbiner Dr. Isaak Rülf am 10. Februar 1831 (27. Schwat 5591) das Licht der Welt erblickt hat. Dieser so kleine Ort von 500 Seelen mit kaum acht jüdischen Familien, die Viehhandel und Landwirtschaft trieben, hat eine ganze Anzahl Rabbiner und Lehrer hervorgebracht: die Rülfs, Bachenheimer, Büdinger, Stein und Stern; bis 1897 waren es gewiß schon ein Dutzend. Isaak Rülf war der älteste und bedeutendste der Knaben. November 1865, im 34. Lebensjahre, trat Isaak Rülf seine Rabbinerstelle in Memel an, wo er 33 Jahre eine reiche und bemerkenswerte Tätigkeit entfaltete. Dr. Rülf gehörte zu jenen bevorzugten Naturen, die auf verschiedenartigsten Gebieten Bedeutendes zu leisten vermögen. Neben seiner Wirksamkeit als Rabbiner und Prediger, neben seinem Schaffen als philosophischer Schriftsteller, neben seiner einzig dastehenden, umfassenden philantropischen Tätigkeit (״Dr. Hülf“), hat Dr. Rülf noch die Muße gefunden — ein Unikum wohl in der ganzen deutschen Journalistik — 26 Jahre lang eine politische Tageszeitung, ״Memeler Dampfboot“, zu redigieren. Bemerkenswert ist, daß Rülfs Bahn vom Westen gen Osten hin führte. Selbst Westeuropäer, dessen fünfbändiges ״System einer neuen Metaphysik“ sein Lebenswerk wurde, hat er seinen Blick nach den Ostjuden gerichtet und wurde ein Anwalt der russischen Juden vor der ganzen zivilisierten Welt. Er war einer der ersten und vornehmsten Pioniere des jüdischnationalen Geistes und des jüdischen Selbstbewußtseins. Als in Westrußland (1868/69) eine Hungersnot ausbrach und der junge Meipeler Rabbiner aus nächster Nähe den unermeßlichen Jammer seiner Brüder sah, veranstaltete er umfangreiche Hilfsaktionen und gab ein Organ ״Aufrufe und Rechenschaftsberichte“ heraus. Es waren die ersten in ihrer Art, vor Dr. Salvendi. undvor den von den späteren großen Hilfsorganisationen in jeder Not erlassenen Aufrufen. Am Schlüsse seines ersten bedeutsamen Rechenschafts• berichts vom 28. April 1868 heißt es: ״Ihr wollt doch wissen, wem Ihr Eure Gaben spendet, und daß Ihr sie an keine Unwürdige wegwerfet. Es handelt sich nicht allein darum, in Hunger und Elend verkommeno Glaubensgenossen, sondern die Brüder zu unterst ätzen, welchen eine große Zukunft bevorsteh!. Jetzt ist es noch das W e 1 t g he 11 o , einstens werdet Ihr aber daselbst des Glaubens und der Genossenschaft Stammhalter suchen und finden.“ Dr. Rülf erkannte also die national-kulturelle Bedeutung des russischen Judentums. Einer der bedeutendsten Meister der hebräischen Sprache war damals J. L. Gordon. Er war Lehrer in Telschi und stand da an der Spitze eines Subkomitees von Dr. Rülfs Hilfsaktion. Dadurch haben sich die beiden gleichaltrigen Männer kennengelemt. Aus dieser Bekanntschaft her stammt wohl die Aeußerung Dr. Rülfs unter dem 25. Mai 1868 in der ״Allgemeinen Zeitung des Judentums“: ״Ich kenne Männer unter denselben (den Ostjuden) von 80 hochpoetischem Gemüts, und wieder andere von so hochphilosophischem Geiste, welche von solch unbegrenztem Wissenstrieb» beseelt sind and dabei die hebräische Sprache in Prosa und Versen so geschickt zu handhaben verstehen, daß so mancher deutscher Soldschreiber und Lohndiener der Wissenschaft wie Phvemäon zu ihnen auf schauen sollten.“ Viel später im Namen des ״Ständigen Hilfskomitees für die Notstände russischer Israeliten“ besuchte Dr. Rülf im Sommer 1881 die beiden großen jüdischen Gemeinden Wilna und Minsk und entwarf darauf eia anschauliches Kultur* und Sittenbild

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