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Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine · 1931-01-01 · 1931-1932 · p. Seite 36

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für Sachsen und Adressbuch der Gemeindebehörden, Organisationen und Vereine
Volume
1931-1932
Date
1931-01-01
Page
Seite 36 (sequence 36)
Language
German
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Jadassohn rächte sich, indem er dem von ihm außerordentlich geschätzten Virtuosen im nächsten Jahr sein opus 97 sandte (ich glaube, auch widmete): ein Konzert für Flöte und Orchester, worin die Flöte mit intimster Kenntnis ihrer Eigenart und ihrer Möglichkeiten behandelt ist. Jadassohn war begeisterter Zionist; wohl als der erste deutsche Jude in Leipzig. Das erfuhr ich aber erst gelegentlich einer zionistischen Werbe Versammlung im Winter 1898/99. Damals sprach als Hauptredner der einstige Rabbiner von Memei Isaak Rülf, lange Zeit besonders merkwürdig als der einzige deutsche Rabbiner, der eine große politische Tageszeitung (das „Memeler Dampfboot") redigierte. Er hatte im übrigen die Fürsorge für die verfolgten russischen Juden zu seiner Lebensaufgabe gemacht und im Laufe dieser Arbeit war er Zionist geworden. Nun wohnte er im Ruhestand in Bonn, von wo er seine zionistischen Propagandareisen machte. Dem bewundernswert jugendlichen Qreis assistierten zwei junge Männer, die seither in den Vordergrund der zionistischen Bewegung getreten sind, Dr. Alfred Klee und Dr. Heinrich Loewe, mit unglaublicher Beredsamkeit, und der einzige, der ihnen entgegen trat, war ich. Als tags darauf die Leipziger N. N. kurz darüber berichteten, bekam ich von Jadassohn einen heftigen Tadel und vom Vorsteher der Gemeinde ein ebenso heftiges Lob. Eins war mir mindestens so unangenehm wie das andere. Denn der Vorsteher, der Nachfolger Werthauers, „Fabrikbesitzer David Salomon Magnus" in Leipzig-Eutritzsch, war zwar ein prachtvoller ostpreußisch-kerniger Königsberger; er war mir so gewogen, als ob er von unserer entfernten Verwandtschaft etwas gewußt hätte, die ich ihm absichtlich verschwieg; er hat mich sogar 1902, als ich schon in Düsseldorf war, dort besucht, mich zur Rückkehr nach Leipzig bewogen und mein* Wiederengagement in Leipzig ohne Probevortrag mit allen gegen eine Stimme durchgesetzt! Aber — er war Vorsitzender der freikonservativen Partei! Ich bezweifle, daß es das unter den Vorstehern der jüdischen Gemeinden in Deutschland ein zweites Mal gegeben hat. Mich hat dieser Umstand mißtrauisch gegen ihn gemacht, sobald Politik, auch innerjüdische, in Frage kam. In Gemeindedingen ließ sich glänzend mit ihm arbeiten, sofern man nur für „preußische" Ordnung sorgte, und er freute 36

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