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Der Israelit · 1928-08-23 · Heft 34 (23.8.1928) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 34 (23.8.1928)
Date
1928-08-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Der Israelit Seite 2 Nr.' 34 23. August 1928 deuten» Konkretisierung des reinen Geistes in der Form der vom Gedanken zur Tat herniedersteigenden Sprachschöpfung. Wie die Wett selber trägt auch das schriftliche Got-teswort den Doppelcharakter des Geistes undder Sinnlichkeit^, nur mit dem Unterschied, daß unmittelbarer als die Welt das Wort zum Menschengeiste spricht. Aber wie die Welt-, so muß auch die Wort-Schöpfung, wie sie im Fünfbuch vorliegt, in ihrer unabänderbaren Tatsächlichkeit im Grunde als Wunder hingenommeni oder als Gottesschöpfung gänzlich negiert werden. Sie i st als solche negiert in dem Augenblicke, in dem man die philologisch-kritische Betrachtung aus ihrer sekundären Rolle löst und zur entscheidenden Instanz auch über diese Urkunde des Offenbarungswunders erhebt. Dann liegt das Gotteswort als bloße, kausal bedingte historische Urkunde neben den vielen anderen Leichen vergangener Kulturen entseelt vor uns und keine „Betrachtung vom letzten Redaktor her", die man ebensogut auch der Ilias oder dem Nibelungenlied zuwenden kann, vermag es zu retten,. Der einzige Gott ist damit den vielen Göttern schlechtweg zum Opfer gefallen, denn sein Dasein, seine Wirklichkeit, hängt für Israel an diesen Buchstaben! Diese Haltung der jüdischen Traditionslehre*) *) Wir möchten hier die schlichten Worte hersetzen, die David Hoffmann V-3T in seiner Einleitung zum Leviticus der Frage der Textkritik — allerdings mit Bezug auf die ganze Bibel — widmet. „Der zweite Grundsatz, der jeden jüdischen Ausleger eines biblischen Buches leiten muß, ist die Annahme der Integrität des Massora-Textes oder des überlieferten Textes. Die Massora oder die überlieferte Schreibart der heiligen Schrift, (von der Mitra, der überlieferten Lesart der heiligen Schrift, wollen wir hier noch nicht sprechen) ist nach dem Zeugnisse unserer Weisen ebenso alt wie die heilige Schrift selbst. Jedes kanonische Buch wurde durch besondere Vorsicht vor Fälschung bewahrt. Wenn sich auch in sehr wenigen Stellen die unbedeutenden Varianten vorfanden (vgl. Jerusch. 68 'iai sm 'di •’Vwvt 'di IV» 'd mrya iss» o’-isd 'a so wurde dabei nach der Mehrheit entschieden, welche Lesart beizubehakten sei. Nie aber wagte man, irgendwelche Korrektur nach eigener Konjektur anzubringen. Man ließ die schwierigsten Stellen der Bibel entweder ganz unerklärt, oder begnügte sich mit einer gezwungenen Lösung, nie aber fiel es jemand ein, zu behaupten, der Text sei zu ändern, es sei zu einer Emmdation zu schreiten. Hören wir, was Josephus am oben angeführten Orte berichtet: „Im Verlauf dieser vielen Jahrhunderte hat noch Niemand gewagt, zu jenen Büchern etwas zuzusetzen oder von ihnen etwas auszulassen' oder an ihnen etwas zu ändern." Wenn wir auch zugeben müßten, daß an manchen Stellen der Text nicht unversehrt geblieben, so müssen wir wieder andererseits zugestehen, daß uns alle Mittel fehlen, einen Text, der vtpn nra geschrieben ist, wieder herzustellen und daß jede Konjektur, und mag. sie von noch so vielen exegetischen und historisch-krMschen Gründen unterstützt sein-, uns noch bedeutet gewiß eine starke Bindung, aber grade aus dieser formalen Bindung wächst inhaltliche Freiheit empor. Aus den Wortfvrmen und syntaktischen Zusammenhängen, aus Vokalen und Tonzeichen entfaltet sich die immer gegenwärtige Zwiesprache zwischen dem Schöpfer des Thorawortes und dem jüngsten forschenden Jünger seiner Lehre und wie „dex Hammer, den> ein Fels zum Funkenstieben bringt" (siehe Tofaphot, Sabbat 88b) so erzeugt im Wandel der Generationen jeder Buchstabe und jedes Häkchen, von der Massora treu gehegt, in Herz und Hirn 5es p>ni T,aI?n neue Weisheit, neue Erkenntnis und — Hand in Hand mit dem Schatze der im Textwort geborgenen mündlichen Tradition — neue Wegern e i s u n g für. den weltgeschichtlichen Gang des jüdischen Volkes und seiner Söhne durchs die Zeiten. Darf vorwitzige menschliche Kritik durch „Korrekturen" Wahrheitsquellen verschütten? Und diese bescheidene Treue des jüdischen Volkes und seiner großen Lehrer zum göttlichen Worte sollte die „Orthodoxie jedes geistigen Einflusses außerhalb des Judentums und jeder werbenden Kraft innerhalb des Judentums berauben?" Auch wenn die Beobachtung richtig wäre, müßten wir die Konsequenzen tragen undmit unsren Ahnen sagen: nicht einmal Ne Wahrscheinlichkeit bietet, daß der Prophet, resp. der Verfasser der heiligen Schrift in dieser Form und nicht wie der uns vorliegende Text geschrieben habe. Wird uns aber jemand einwenden. man dürfe doch immerhin feine Konjektur Vorbringen, und wer sie nicht richtig findet, mag sie verwerfen; so entgegnen wir ihm Folgendes: Schon Ne 2-022 '272s ermahnten, 2m wj? n-nnV einen schützenden Zaun um die mm zu machen, und Rabbi Akiba lehrt: (Abot III, 17) minV am mio» das treue Aufbewahren und Feschalten, der überlieferten Schreibart der mm ist das beste Schutzmittel, um sie vor Fälschung zu sichern. Geben wir nur einmal eine andere Lesart zu, so geht es stufenweise immer weiter bis zur Fälschung der heiligen Schrift .Zuerst äußert man seine Konjektur, schreibt sie auch, wohl an den Rand seines Vibelexemplars. Findet sie allgemeine Zustimmung, so läßt man Ne vermeintlich verbesserte Lesart in den Text aufnehmen, während die massörettsche Lesart an den Rand verwiesen wird. Hat sich diese Korrektur eingebürgert, wozu dann noch der verderbten Leseart Erwähnung tun? Man läßt sie lieber ganz weg, und so bekommen wir im Laufe der Zeiten eine ganz neue Bibel; eine verbesserte, wie wir meinen.; doch „nicht eure Gedanken sind meine Gedanken und nicht eure Wege sind meine Wege" spricht Gott. Statt der göttlichen Bibel lesen wir dann ein menschliches Buch! Wir nun als Juden, und vor allem diejenigen, die noch dem wahren überlieferten Judentum anhangen, wir müssen Ne Hüter des Gottesbuches sein. Uns ist es gegeben und unserer Obhut a n v e r t r a u t worden. Wir haben es bisher treu verwahrt, und wir wollen ferner dessen treue Wächter sein." ras ’isVyttn ,Tn» 8^>1 ^2 NV1V rrnxv noia 'Dm* nsw *fr»sK Dwa» „Besser ein Narr heißen sein Lebenslange als ein Pflichtvergessener fein vor seinem Baker im Himmel auch nur für Augenblickes Dauer." Allein die ganze „Feststellung" Rofenzweigs hat ja nur einen höchst ephemeren Wert. Was will die Einstellung einer vorüberrauschenden Generation sub specie aeternitatis bedeuten? Drei, vier Generationen haben schon vielerlei Dinge als erledigte Narretei verlacht, die die fünfte plötzlich in neuem Lichte erblickte und die sechste zur Grundlage ihres Weltbildes machte. Rosenzweig selber ist dessen Zeuge. Sein Denken über Judentum und Mische Gotteswahrheit würde David Friedländer, Samuel Holdheim und Abraham Geiger nicht um ein Quentchen weniger „närrisch" erschienen sein als ihm heute die Treue zum masioretischen Bibeltext erscheinen mag. Und doch haben hundert Jahre genügt, um den Ratio- 'walismus und die Skepsis jener Männer von zweifellos hoher Denkkraft als überholt und unwahr, das ihnen Selbstverständliche als flachen, einseitigen Irrtum erscheinen zu lassen. Wir sind so kühn zu glauben, daß die volle, unverkürzte Wahrheit der Tradition, die Anerkennung der Verbalinspiration, keine geringere Aussicht auf endlichen Sieg in den Köpfen der denkenden Menschheit besitzt als die philosophischen Inhalte der Offenbarungslehre. Wir können warten —«w *6 parwnlVochenrundschau. Rabbi Jakob Meir und das Gemeindegefetz. Das Auftreten des fefardischen Oberrabbiners von Palästina, Rabbi Jakob Meir gegen den Waad Leumi, sein offenes Bekenntnis zur Bundesgenossenschaft mit der „ A g ud a s Irs - r 0 e l" und zur Notwendigkeit des Austritts aus der „Kenefes Israel" haben in der palästinensischen Oeffentlichkeit und darüber hinaus in der ganzen jüdischen Welt, kein geringes Aufsehen erregt. Man ist gewohnt, die sefardischeni Juden, die im Laufe der jüdischen Kulturgeschichte einigermaßen in den Winkel gedrängt worden sind, als eine mehr oder minder passive Masse zu betrachten, die von dem Wellenschlag des geistigen Zur Lehr und Wehr. Bon Jacob Teßler in Nürnberg. Ein So har wo ri lautet: Der Heilige, gelobt sei, Er, die Gotteslehre und Israel sind eins smiis ,sin -ma rwii?) sin in ^snv'i). Diesem Dreibund, bestehend aus Gott, Gotteslehre und Israel wurde ein fast gleiches Schicksal zuteil. Feindliche Mächte befinden sich seit uralter Zeit im Kriegszustände mit diesem Dreibund, doch stürmen sie ihn ohne. Erfolg an. „Wer ist Gott, daß ich gehorchen sollte seiner Stimme?" (2. B. M. 5, B. 2)? i^ipn nws m •>» „Mein ist der Strom und ich habe ihn gemacht" (Ezechiel 29, 9.) So sprach einst Aegyptens Herrscher. Der unersättliche 1 babylonische König, Nebukadnezar, wollte sein Szepter , auch über himmlische Wesen erheben und gab seinem inneren Drange wie folgt Ausdruck: n»is 3s m»3 pv nVys „Die Höhen der Wolken erklimme ich, stelle gleich mich dem Höchsten!" (Jesaja 14, 13—14.) Er lehnte nun, wie Pharao in Aegypten, eine höhere Macht als die seine ab, zerstörte den heiligen Tempel und führte Israel in die Gefangenschaft. Titus hielt, nach begangener Ruchlosig-! keit am Allerheikigsten, den „Gott der Hebräer" für „er-1 ledigt" und glaubte, wenn nicht zu Wasser, so doch zu Land mit ihm den Kampf aufnehmen zu können (siehe Traktat GÄtin 66). Führte also ebenfalls Krieg gegen! Gott, Gotteslehre und Israel. — In deren Fußtapfen wandelten auch in späteren Jahrhunderten Ne Feinde, kämpften gegen den „Judengott" — und da der Kamps vergebens schien, zog man gegen seine zwei Bundesgenossen, die Gotteslehre und Israel, mit unerbitterlicher Strenge zu Felde. Man zündete Autodafes, für Israel und seine Thora an. Also litt Ne Gotteslehre für ihren Herrn und Gesetzgeber und Israel, als Träger und Derbreiiter dieser Lehre, mußte für beide leiden. — Wenn auch die Zeiten der Inquisition, der Autodafes und der Talmudverbrennungen, Gott fei dank, längst außer Kurs gekommen sind, so glimmt das Feuer des Hasses noch immer; tobt der Kampf gegen uns in gewissen Kreisen in feiner, verschleierter Form unaufhörlich weiter. Man. versucht mit „geistigen Waffen" durch Wort und Schrift, uns wirtschaftlich und geistig zu boykottieren und zu ruinieren. Die „geistigen Argu-! mente" und Angrifssmittel holen sich unsere Gegner aus Eisenmengers „Entdecktes Judentum" und ähnlichen Giftwerken. Wie verwegen und bodenlos die gegen uns und unser Schrifttum erhobenen Anwürfe sind und wie das Judentum sich zu Andersgläubigen' tatsächlich stellt, dafür lassen wir Beispiele aus' dem Schatze unserer Literatur selbst sprechen: jon o!nj?!> pbn 2" D^iyn jtiöis 'Ton Auch die Frommen der Nationen der Welt haben Anteil an der zukünftigen Welt." Bip!" E7-n» 2"'d ymmoi snsom 'i ri3!>n '2 pns 71312m rns^n o"am;645 i?ix 1273!" 1-27,3 „Deine Priester kleiden sich in Gerechtigkeit" — das sind die Frommen der Völker der Welt, Ne beim Allmächtigen in dieser Welt als Priester gelten" ('2 p-is scnr itpVk '31 sm) „Auch ein Nichtjude kann ein Gerechter sein" (Midrasch T'hilim, 146) „Der Nichtjude, der sich mit der Gotteslehre befaßt, ist dem Hohepriester gleich" (Baba Kama, 38; Sanhedrin 69) „Beim Anblick nichtjüdischer, Weltweisen spreche man den. üblichen Segensspruch" (Traktat Berachut 58a)' „Jede Gedankentäuschung, auch die eines Nichtjuden, ist verboten" (Traktat: Chulin 94a; Maimonides Hilch Deot., Abschn. 2, 6); „Es ist verboten, jemanden zu betrügen, ihn durch Worte zu hintergehen, gleichviel, ob Jude, oder Nichtjude" (Maimonides Hilchot M'chira, 1—3; Tur Chofchen Mischpat 8 228, 6) „Es ist nicht gestattet, einen Nichtjuden beim Abrechnen zu hmtergehen; denn sin Greuel des Ewigen deines Gottes ist jeglicher, der solches tut, jeglicher der Unrecht tut" (Maimonides Hilchot Genewa, 7, 8; Tur Chofchen Mischpat 238, 6) „Es ist verboten, auch, einem Nichtjuden was vorzuenthalten, oder ihn zu berauben; hat man es dennoch getan, so muß man es zurück erstatten" (Maimonides Hilch. Gefela 1, 2; Tur Chofchen Mischpat § 369, 1). Siehe auch Maimonides, Kommentar zu K'elim, Abschn. 12, Mischna 7, wonach aus Bibel und Talmud erwiesen wird, daß jede List und Hinterhältigkeit, durch Wort und Tat, auch Nichtjuden gegenüber, streng verboten ist. yam ,!>sw» 3212 rpo!> ’ian 1» 321*!>S127'!- 27713» tpöV 'ia!> L77I3« ,!>S127'» J73»2 tjio!> ’ia!» „Wie die Opfer die Sünden Israels, so versöhnen Liebesrverke die Sünden' der Nichtjuden" (Baba-Vatra 10, b) „Hüte dich, einen Nichtjuden, der die sieben Gebote, — 1. Befolgung der Rechtslehren, 2. Verbot der Gotteslästerunig, 3. Verbot des Götzendienstes, 4. Verbot der Blutschande, 5. Verbot des Mordes, 6. Verbot des Raubes, 7. Verbot des Fleischgenusses eines noch lebenden Tieres — beobachtet, zu übervorteilen, weil dies streng verboten ist; erstatte ihm Gefundenes zurück, mißachte ihn nicht, sondern bezeuge ihm mehr Ehre als einem Juden, der die Gotteslehre mißachtet!" (Schluß folgt.)

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