Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1934)
- Date
- 1934-12-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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i 5 {'. W*\ l- A?\"l < < 4?« - (l: & * M? '3 1 ' Seite 14 Nr. 50 ü e Israelit 13. Dezember 1934 i h\. *' -5'» M?i > *. ffl Ä' t4< IM » i?'it * V; / >if>] Zum 250 jährigen Jubiläum der Altonaer Synagoge, Die jüdische Bevölkerung der Stadt Alton feierte, wie an anderer Stelle berichtet, das 250jäh nge Bestehen ihrer großen Synagoge. Dieses altehr würdige G'tteshaus zählt zu den ältesten Synagogen auf deutschem Boden, die auch heute noch ihrer Be Stimmung dienen. Nach der geschichtlichen Ueber lieferung erhielt die Altonaer Gemeinde im Jahre 1641 vom König von Dänemark das Privileg, sich einen Rabbiner zu wählen und eine Synagoge zu bauen. Darum wurde in der Amtszeit des Oberrab bmers der Dreigemeinden Altona-Hamburg-Wands beck, Rabbi Meschulam Salman Mirels-Neumark wahrscheinlich schon vor dem Jahre 1682 die Synagoge hinter der Häuserfront einer nahe am Hafen hegenden Straße erbaut. Ein großer Teil der Syna goge wurde 1711 durch eine Feuersbrunst zerstört und zwei Jahre später litt sie sehr unter der Be schießung der Schweden, wovon heute noch fünf schwedische Kanonenkugeln in der Wand Zeugnis ablegen. Die Synagoge liegt entsprechend dem Verse „Aus der Tiefe rufe ich zu Dir", ähnlich der Altneuschul zu Prag, tief und viele Stufen führen zum Eingang hinab. Das Hauptschmuckstück der Synagoge bildet ein 1860 gestifteter Chanukahleuchter, der, wie aus der Aufschrift zu schließen ist, wesentlich älter ist als die Synagoge selbst. Hv J*! K<5 L rj n , » », | t? 1' -:i< *;] . * T H jj( | Ueber die älteste-Menorah Altonas be ' ' \ richtet uns Rabbiner Ed. Dukesz, Altona folgenji\ | des: Die große massive Menorah ist im Jahre 1662 * I .-\ angefertigt worden und stellt ein Kunstwerk damalii- ' i ger Metallgießerei dar. Am Sockel befinden sich die 't , j zwölf Namen der Spender in erhabenen Buchstaben, J i wie ich in' meiner Festschrift anläßlich des 250jähri- '>}' "\ £en Stadtjubiläums von Altona (gedr. 1915 bei M * *' "i Leßmann) Seite 18 zitiere. Die Inschrift am Sockel j j ',\ ins Deutsche übertragen lautet: „Zur Ehre des 1 ,<] Schöpfers und zur Ehre seiner heiligen Lehre, die ivjj l". uns eine Leuchte ist, hat folgende Chewravereini- , gung diesen Leuchter gespendet." i ' Von Interesse sind auch manche Namen der Spen- 'r der, von denen noch jetzt Nachkommen in Hamburg- :i" Altona bodenständig sind, wie z. B. Chaim Hameln ' , zu dessen Andenken seine Gattin die G 1 ü c k 1 von - Hameln ihre Denkwürdigkeiten schrieb, die jetzt ."•'it.'. schon die fünfte Auflage erreichte. Ferner Nathan Frankfurter und Seligmann Norden, von denen der berühmte Frankfurter Rabbiner Samson Raphael Hirsch, die Familie des Nestors der Hamburger jüdischen Gelehrten, Herrn Hermann Gompertz sowie auch der Vorsitzende der Hamburger Deutsch-Israelitischen Gemeinde, Herr Rechtsanwalt Bernhard David, abstammten. Von Moses Sohn Nathans stammen die Familien des Graveurs Isaac Nathan, Magnus Warburg, von Israel Fürst die gleichnamigen Familien in Hamburg und einige adelige Familien ab. Auch e i n Flüchtling Wolf aus Wilna ist dort verzeichnet. ..,<:■ Diese Menorah stand zuerst in der seit 1630 bestehenden Synagoge in der Breitenstraße und wurde a\. dann in der neuen Synagoge aufgestellt. Ueber die :■'1:■ Richtung ihrer Stellung von Norden nach Westen l, findet sich in den Responsen des „Keneses Jeches- \> /' kel" eine Angabe. In der neu gebauten Synagoge, die bereits Schudt als die nach der Amsterdamer größte und beste in Deutschland bezeichnete, befindet sich in der Mitte der große 900 Pfund, schwere Kronleuchter in der -J Gestalt eines sich öffnenden Garbenbündels. Ferner l ■, sind zu erwähnen die schönen fünfarmigen silbernen j/f'f Leuchter vor dem Rabbiner- und Vorbeterpult, die zum Andenken an den Gründer des bekannten Bankhauses M. M. Warburg u. Co. von seinen Kindern gestiftet wurden. Die kunstvollen alten Silberkronen und Thoraschmuck sind eine besondere Sehenswürdigkeit und waren schon mehrmals als historische | Kunstwerke im Altonaer Museum ausgestellt und; bewundert worden, 3 Das Bild und die Beschreibung dieser Synagoge i ist in meinem Werke „Iwoh Lemoschaw", Seite 32 und im Jahrbuch für die jüdischen Gemeinden Nr, % ■> Seite 30—36, reproduziert und genau geschldert, wie « auch das Bild der Menorah. i In dieser Altonaer Synagoge wirkten Männer,;> die wie helleuchtende Sterne in der Geschichte un- ■i seres Judentums strahlten, und in deren Werken f noch jetzt in allen jüdischen Lehrhäusern gelernt und? geforscht wird. Es sollen hier nicht ihre berühmten * Werke geschildert werden, sondern nur wie weit sie im Zusammenhang mit der Altonaer Synagoge standen. Der Bau dieser Synagoge wurde, wie aus dem Protokoll I, Seite 62 deutlich ersichtlich, am 18. Tischri 1680 beschlossen und eine Kommission zur. Regelung und Verwaltung des Neubaues, ernannt. Der beim Bau der Synagoge amtierende Rabbiner war Salomon Mirels Neumark, Oberräbbiner der DreirGemeinden A. H. W, und gleichzeitig Vorsitzender des vom Dänischen König Christian IV, staatlich anerkannten jüdischen Bes-Din (Gerichtshofes), Er starb nach 36jähriger Tätigkeit im Jahre 1707,! 4* f H >';j 'u t , *i f '«} f £»\! Seine Nachfolger, die gleichzeitig abwechselnd in Hamburg und Altona fungierten, waren Zebi Aschkenasi, Verfasser der Responsen „Chacham Zebi" und Moses Rotenburg, Verfasser der Responsen „Meham Rotenburg", der 1712 starb. Sein Nachfolger war Jecheskel Katzenellenbogen, Verfasser der Responsen „Keneses Jecheskel". Während dessen Amtszeit wurde die Atonaer Synagoge 1713 von den Schweden beschossen, und sind noch jetzt 6 Kanonenkugeln in der Mauer an der Ostseite zu sehen. Er starb nach 36jähriger Tätigkeit im Jahre 1749. Sein Nachfolger war Jonathan Eybeschütz, dessen Predigten in der Altonaer Synagoge in seinem homiletischen Werke „Jaarot Dewasch" gedruckt sind. Nach seinem Tode 1764 fungierten nur kurze Zeit Isaac Horowitz, gestorben 1707 und David Berlin, gestorben 1768. Nach ihm amtierte Raphael Cohn, dessen Kampf und Pre digten von der Kanzel gegen die damalige Assimilation sein Schwiegervater Lasar Rießer; Vater Gabriel Rießers, in dem Werke „Secher Zadik" zitiert Sein Nachfolger Noa Chaim Berlin starb nach zwei jähriger Tätigkeit im Jahrs 1804, und als letzter Oberrabbiner der Drei- Gemeinden amtierte Zebi Hirsch Samosch bis zu seinem Tode 1807. Im Jahre 1812 mußte auf Befehl Napoleons die fast 200 Jahre bestehende Vereinigung der Drei-Ge meinden getrennt werden, und der erste Altonaer Oberrabbiner Akiba Wertheimer fungierte von 1816 bis 1835. Sein Nachfolger war Jacob Ettlinger, der letzte Vorsitzende des jüdischen Bes-Din (Gerichtshofes), das laut Ministerialerlasses vom 14. Juni 1863 vom König Frederik VII, aufgehoben wurde. Die Predigten Ettlingers, die er von der Altonaar Kanzel herab hielt, sind in seinem Werke „Minchas Oni" inhaltlich hebräisch gedruckt. Nach seinem Tode 1871 amtierte Oberrabbiner Dr. Eleser Löb bis 1892 und sein Nachfolger Oberrabbiner Dr. Maier Lerner bis zum Jahre 1925. Seit 1925 ziert Oberrabbiner Dr. Joseph Carlebach die Altonaer Kanzel. Große festliche Tage sah die Altonaer Synagoge am 3. Juli 1767, wo der dänische König Christian VII mit seinem Gefolge die Synagoge besuchte und dem Festg'ttesdienste beiwohnte, wobei der berühmte Bayreuther Oberkantor Hendel Bachrach eine Hymne komponierte und mit Musik und Chorbegleitung vor trug. Auch später besuchten viele Fürstlichkeiten die festlich illuminierte Synagoge. Aber auch ernste Tage erlebte die Altonaer Synagoge, z. B. als während des Weltkrieges 1914—18 Soldaten der Garnisonen Hamburg-Altonas zur Belehrungüber den Fahneneid hineingeführt wurden. Viele Frontkämpfer Hamburg-Altonas werden sich noch der ergreifenden G'ttesdienste erinnern, an denen Oberkantor N. Nathansohn fungierte und Oberrabbiner Dr. M. Lerner und nach seiner Erkrankung Schreiber dieser Zeilen die Landsturmleute über die hohe Bedeutung des Fahneneides belehrte und sie zur Treue zu G'tt und zur Pflichterfüllung für das deutsche Vaterland bis zum letzten Atemzuge ermahnte. 40 jüdische Altonaer Heldensöhne haben auch ihre Vaterlandsliebe mit ihrem Blute besiegelt, und in der Vorhalle der Synagoge sind auf einer künstlich gearbeiteten Holztafel ihre Namen zum ewigen Gedenken verzeichnet. Eine Mutter erzählt die Bibel. Wir hatten jüngsthin Gelegenheit, vor gewissen Kinderbibeln zu warnen und freuen uns um so mehr, jetzt ein Büchlein empfehlen zu können, das jeder Mutter, die mit der unverfälschten jüdischen Bibel in der Hand an der Charakterbildung ihres Kindes zu arbeiten gesinnt ist, ein willkommener Wegweiser sein wird.*) Ein hübsches, längliches, in Hellgelb gehaltenes Heft, fast im Taschenformat ist es, in dem Alice Oppenheimer all das, was sie aus dem Buche der Bücher -geschöpft hat, unseren Kindern in so lieblicher, zu Herzen gehender Weise darreicht. Die von Igna Beth dazu gelieferten Zeichnungen sind keine Illustrationen, die vom Texte ablenkten, sondern Radierungen und Federstriche, die, wie die Buchstaben selbst, sich ins Gesamtbild hineinfügen. Agadische Blumen sind in den Text eingestreut, nicht zu viel und nicht zu aufdringlich. Einen etwas dickeren Grenzstrich zwischen biblischer Wahrheit und agadischer Ueberlieferung hätten wir auch hier gewünscht. Doch ist eine Verwischung um so weniger zu befürchten, als das Buch mehr für die Mutter bestimmt ist, die es immer in der Hand hat, dem Kinde die Grenzlinien zu zeigen. Der Verlag hat sich der Sache mit großer Liebe angenommen und das Heft so ausgestattet, daß es schon rein äußerlich Mutter und Kind anlacht. Hebräisch mit Tradition- In einer Zeit, da die Lehrbücher für Neuhebräisch wie die Pilze nach dem Regen aus der Erde schießen, und» mit! wenigen Ausnahmen, entweder mit ihrer unzulänglichen Methode enttäuschen öder, was, *) Eine Mutter erzählt" die Bibel, Von Alice Opperiheimer, Zeichnungen von Igna Beth, Philo-Verlag und Buchhandlung GmbH., Berlin W. 15. noch schlimmer ist, mit ihren Lesestücken neben der Kenntnis der hebräischen Sprache unjüdische oder sogar antireligiöse Inhalte vermitteln, ist es erfreulich zu berichten, daß von dem L. L, Gerszt'sehen Lehrbuch -äff ]wb (Verlag Massorah, Lodz) nunmehr der dritte Teil erschienen ist, der sich sehr würdig den beiden ersten anreiht. Die glückliche Auswahl der Lese- und Uebungsstücke in Poesie und Prosa muß gelobt werden. Schon das Gedicht an der Spitze n'J»' i-iiv ist so schön in der Form, wie es seinem Inhalte nach einen Weckruf zur jüdischen Pflicht darstellt. Hören wir den letzten Dreizeiler: sratf nKnj# tt*nrn nna ntn ntf-inaa mfrn tu "T T : v t — T : . jmrn nspan ■ns# vinb Midraschstücke, Schilderungen aus der Chederstube, aus dem Leben des jüdischen Kindes folgen aufeinander. Das Ereignis der Bar Mizwoh-Feier wird festgehalten. Und wieder hübsche Erzählungen und Gedichte, Gleichnisse des Dubner Maggid, Festidylle und Schilderungen aus dem Leben im heiligen Lande. Zwischendurch die Uebungen, Lehrsätze und Regeln, leicht und natürlich aus der Materie herausgewachsen. Wir dürfen das Buch allen Hebräisten, den Lehrenden und den Lernenden, bestens empfehlen. Personalien, Berlin, 5. Dez. Vor einiger Zeit starb im 57. Jahre seines arbeitsreichen Lebens Bernhardt Kugel m a n n. Eine kurze, schwere Krankheit machte seinem Leben ein schnelles Ende und entriß ihn seiner tiefgebeugten Gattin, seinen trauernden Kindern und einer großen Schar treuer Freunde. Bei der Bestattung vermochte die Halle des Friedhofes der Adaß Jisroel-Gsmeinde die Zahl der Trauergäste nicht zu fassen, und ließen es sich auch die Angestellten seines Unternehmens wie auch führende Persönlichkeiten der mit ihm arbeitenden Firmen nicht nehmen, am Geleite teilzunehmen. Da am Grabe keine Reden gehalten werden durften, sprachen während der Trauerwoche im Hause u. a. die Herren Rabbiner Dr Münk, Rabb. Dr. Klein, Rabb. Dr. H. Cohn und der Rabbiner der Synagoge Passauerstraße, Herr Dr. A 11 m a n n. Alle schilderten in beredten Worten die wahrhaft aufrichtige Frömmigkeit des Verstorbenen, die Geradheit und Schlichtheit seines Wesens und die bei aller Lebensgewandtheit und von Erfolg gekrönter Tüchtigkeit wirkliche Bescheidenheit des Entschlafenen. Auch im Namen des Vorstandes der Synagoge Passauerstraße, dem der Verstorbene lange Jahre angehört hatte, wie in dem verschiedener Freunde wurden die Dankgefühle für den Verstorbenen in bewegten Worten zum Ausdruck gebracht. iraxan Berlin, 10. Dez. Herr Rabbiner Dr, L e w y verabschiedete sich in seiner jüngsten Freitagabend- Predigt in der Synagoge, Kaiserstraße von seiner Gemeinde, da er bekanntlich einem Rufe als Rabbiner nach Palästina folgte. Herr Dr. Lewy ist aus dem Berliner Rabbinerseminar hervorgegangen und wirkte mehrere Jahre in Berlin in konservativem Sinne. In seiner Abschiedsrede gedachte er insbesondere seiner Lehrer Esriel Hildesheimer und Professor Hoffmann V"XT. Namens des Gemeindevorstandes sprach dann Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee dan Dank der Gemeinde aus, insbesondere seine Verdienste als Direktor der Talmud Thora-Schule hervorhebend. Auch der Vorsitzende des Synagogenvorstandes Kaiserstraße, Herr Friedländer, sprach den Dank der Synagogenbesucher in herzlichen Worten aus. Darmstadt, 12. Dez. Viele Trauernde hatten sich am murr ry auf dem Friedhofe zu Alsbach a. d. Beingefunden. Galt es doch, dem in Zürich im 78. Lebensjahre heimgegangenen Adolf B e n d h e i m aus Bensheim die letzte Ehre zu erweisen. Er weilte seit Jahresfrist bei seiner in Zürich verheirateten Tochter und seinem Wunsche, bei den Vätern zu ruhen, wurde entsprochen. Am Grabe mußte wegen mnwm und naun jede Klage unterbleiben, weshalb während der Trauerwoche die Herren Rabbiner Dr. Merzbach und Lehrer Müller aus Bensheim im Trauerhause zu Darmstadt, wo eine Tochter des Entschlafenen verheiratet ist, D^HDon hielten. Herr Rabbiner Dr. Merzbach rühmte die vielen guten Eigenschaften des Heimgegangenen, die voll und ganz die Kinder übernommen haben. Insbesondree pries er das Verhältnis des Vaters zu seinem Sohn in Newyork, der, verständigt von des Vaters Erkrankung, nach Deutschland eilte, aber nur noch rechtzeitig zur n-rup kam. Herr Lehrer Müller sprach über das 30jährige gewissenhafte und erfolgreiche Wirken des Entschlafenen als Vorstand der Bensheimer Gemeinde. Möge '"Bffi den Kindern seinen Trost senden; - .: ' .. n"as3n.. Kassel, iÖ. Dez. Am roü m wurde hier unter' großer Beteiligung Frau H. Voremberg im Hohen Alter'von 84^ Jahren zu Grabe getragen. Mit-ihr ' ist eine gute jüdische Frau dahingegangen, Ihr inniges G'ttvertrauen hielt sie in allen Lagen des Le-