Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 67 (1926)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1926)
- Date
- 1926-10-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 44 unser Geschlecht der Ewigkeit darbietet, daß sie in ihr ein Gleichnis ihrer selbst schaffe." Sie nur kann zeigen, woher wir kommen und wohin wir gehen, aus der Ewigkeit in die Ewigkeit. So führt die Religion vom Individuellen zum Einswerden mit der Ganzheit alles Lebens in Raum und Zeit. Sie bringt dadurch die Dndividuslrtät erst gur Posten Entfaltung. Was der Baum für die Blüte, das ist die Religion der Individualität. Durch Religion gelangen daher die Menschen zu einer tiefen, schöpferischen Gemeinschaft des Lebens, in der der Sang der Ewigkeit sein tiefhallendes Echo findet. Die zweite Schrift Gogartens ist eine Sammlung von Aufsätzen, das Kulturproblem der Gegenwart betreffend. Einzelne Themen find: Die Krisis der Kultur, Religion und Volkstum, die Mystik und die Kirche. Der Verfasser ringt um die letzte Fragestellung allen geistigen Gebilden gegenüber. Der Kern seiner Darlegung ist der: nicht wie stellen sich uns alle Erscheinungen vom Menschen aus gesehen dar, sondern was sind sie von G o t t a u s gesehen? Er mutet dem religiösen Sucher zu: alle Menschenarbeit in Welt und Geschichte zu verneinen, gewissermaßen den Boden unter den Füßen zu verlieren und den archimedischen Punkt außerhalb des Erdenseins zu ergreifen, von dem aus die Wertung der Dinge zu erfolgen hat: die günze Kultur als Sünde mgativ zu nshmäu und vom JsnftUs, von Gott her über die dem Tode der Schuld verfallene Menschenwelt hinweg ein neues Sein, ein Wiederaufleben als Gnade zu empfangen. Es werden auch hier tiefe Worte gesprochen: De r |>n t 111 „Von allen Anmaßungen des Menschen ist das, was man gemeinhin Religion nennt, die ungeheuerlichste. Denn ^ste ist die Anmaßung, vom Endlichen aus mst den Kräften des Endlichenzum Unendlichen kommen zu können; sie ist die Anmaßung, einen absoluten Gegensatz, den zwischen mi GksHlW Dom MsHlU vor üvörbrüllen zu wollen." „Gott braucht keinerlei Dämmerzustände des Menschen, um hier auf Erdenhandeln und sich offenbaren zu können. Wo er sich offenbart und handelt, da tut er es vor dem hellsten, klarsten, seiner selbst bewußten Bewußtsein der Menschen. Die Flucht in jene Dämmerzustände ist gar nicht die Flucht vor dem Menschen, sondern ist lediglich die Flucht vor Gott. Es ist der letzte Versuch, dem Menschen zu geben, was Gott gehört." „Der Gottesgedanke, sobald man ihn wirklich zu denken versucht, bedeutet die absolute Krisis alles Menschlichen ... Es handelt sich hier um etwas, das nicht ans den Zeitverhältnissen heraus verstanden werden will. Wer Verhältnisse als Mitspieler auftreten oder als erklärende Kulissen aufstellen zu können vermeint, spielt vielleicht ein religiöses Stück auf dem Menschtheater, aber mit Gott hat er nichts zu tun. Auf der Szene, auf der wir mit Gott zu tun haben, gibt es weder Kulissen noch Mitspieler." ütbev bei allen wertvollen Sentenzen jyyi gelnen füllt sz uns Docf) etwas schwer, hier dem Standpunkt Gogartens zu folgen. Es ist eben der christliche, der der absoluten Weltverneinung, der alles Menschliche nur unter dem Gesichtspunkt der Sünde schauen kann, wenn er es sub specie aternitatis sehen will. Nicht relativ unvollkommen _28 -Oktober 1SW' istMe Kultur und ist , bis zu Hrer Vollendung und Vervollkommnung,!ihrer.Mgleichung an die ewigen Forderungen des göttlichen Gesetzes durch dichArbeit des Menschen zu Idealität, zur messianischen Höhe emporzuführen/sondern sie ist das Nichts, das ewig Sündhafte,.das nur ba ist, vllmit sich pjkmf4) huvon abftvtze, um durch ein Gnadenwunder aus ihren Giftblumen Lebenssaft zu trinken. Da klafft die VeHchiedenheit der jüdischen von der christlichen Weltaufsassung abgrundtief. Da stehen wir ratlos. Hnen Satz wie: es gibt nur zweierlei: „entweder §ie ganze Welt ist gut oder die ganze Welt ist-böse", den verstehen und billigen wir G. s. D. nicht. Oder: „in dieser Wertlosigkeit leuchtet der ewige Sinn aller Dinge, da in dieser Sünde macht Gott uns fromm", ein solcher Satz ist für uns fast Blasphemie. Auch die Frage vom Verhältnis des Individuellen zur Religion würde vielleicht vom Standpunkt des Judentums eine etwas andere Behandlung erfahren als bei Gogarten. Das Judentum als Volksreligion stellt das jüdische Individuum nie aus seiner Volkszugehörigkeit hinaus, den Weg zu Gott finden wir über unsere Gesamtheit, wie Ruth, die Moabiterin, spricht: Dein Volk sei mein Volk, Dein Gott sei mein Gott. -Aber heutzutage bei der Loslösung vieler jüdischer Individuen vom TrbLNsgrunde ihres relimöson AolkstumsZ ist äuch für sis der seelische Weg ber Rückfinbung zu Gott in Gogarten sein und tief erfaßt und dargestellt. Denn das ist außer Frage: wir stehen vor Gogarten als einer großen religiösen Persönlichkeit, voll Ernst und Kraft, voll Weite und Inbrunst. I. E. ÜÜ01 Korrespondenzen « ßaebriebten. Deutsche» Reich Reichsverband der ..deutschen Inden". Berlin, 26. Okt. Die von der Münchener Tagung der Landesverbände eingesetzte Kommission für einen Reichsverbayd nahm in ihrer gestrigen Sitzung den Münchener Entwurf — entgegen den Einwendungen der zionistischen „Unitarier" _jlt her »orliegertbert Form mii unvo-ejenttidjeg rungert an. Den Unitariern wurde das Zugeständnis gemacht, daß der Verband den objektiv vollkommenen unberechtigten Namen „Reichsverband der deutschen Juden" führen soll. Der Zweckparagraph lautet: „Der Reichsverband vereinigt die deutschen Landesverbände und Gemeinden und erstrebt die Zusammenfassung aller Kräfte zur Pflege des Gesamtbewußtseins der deutschen Juden und ihrer gemeinsamen Interessen." Welcher Art dieses Gesamtbewußtsein ist, ob religiös, stammestümlich oder national, bleibt im Dunkeln. Nunmehr haben die einzelnen Landesverbände ihre Zustimmung noch zu erteilen, vor allem der preußische am 21. November. Dort wird noch ein Versuch zur „Demokratisierung" im Sinne der zionistischen Wünsche unternommen werden. Der Prozentsatz der Inden in der russischen kommunistischen Partei. Berlin, 17. Okt. Den Aufstellungen der ökonomisch-statistischen Sekm ücim 6MWN WisMsHasMM Jttst'tlul ln Berlin ist zu entnehmen, bah sich zwar die Zahl der Juden in der russischen kommunistischen Partei von 19 562 im Jahre 1922 auf 37 000 zu Beginn 1926 erhöht, daß sich aber gleichzeitig ihr Einfluß innerhalb der Partei stark verringert hat, da in der gleichen Periode die Zahl der Nichtjuden in der kommunistischen Partei im Verhältnis noch viel stärker angewachsen ist. 1922 betrug der Prozentsatz der Juden in der Partei 5,2, gegenwärtig ist der Prozentsatz nicht mehr als 3,6. Ungefähr die Hälfte der jüdischen Kommunisten wohnt in den zentralen russischen Gouvernements. Dort beträgt ihr Prozentsatz zur allgemeinen Zahl der Kommunisten noch weniger als 3 Proz., da ja in diesen Gebieten die Industrie mit der Hauptmasse kommunistischer Arbeiter konzentriert ist. In der Ukraine zählt man im ganzen 14 353 jüdische Kommunisten, in Weißrußland 3922. Die Hauptmasse der russischen Kommunisten setzt sich aus städtischen Elementen zusammen. Auf je 1000 der städtischen ni^ijübifc^en Bevölkesggg jg Jfgf UkkllM Ms! den 23 Kommunisten, aus je 1000 der städtischen jüdischen Bevölkerung 9 Kommunisten gezählt. Die große Mehrheit der jüdischen Kommunisten widmet sich der allgemeinen Parteiarbeit und hat keinerlei Beziehung zu jüdischen Angelegenheiten. Die Jewsektia, in deren Hän- Meines Feuilleton. Berichtigung. Von Rabbiner Dr. Saut Kaatz in Kindenöurg o./S. 1. In einer der letzten Nummern des .Israelit" behauptet Herr Raboiner Dr. Mannes in Schwabach, daß die beim Erub Tabschitin-Spruch übliche Zusatzformel jmi tjd v'ii,i to>to einer Gedankenlosigkeit der Herausgeber der Siddurim und Machsorim entstamme. Diese Behauptung mutz entschieden zurückgewiesen werden. Don einer Gedankenlosigkeit kann keine Rede sein. Datz der Zusatz allgemein üblich wurde, hängt vielmehr damit zusammen, datz logl. z. B. Seser Tanja ed. Hurwitz (3. 118) jeder, der aiyss ist, non »ame^eretn bte Abncöt DflDßn füll, fü? sich ütid andere wniff HVnh- TUftfi dsv üürgeschrrcyenen Form das Gebot auszuüben. Daher hat sich der Zusatz, der allerdings in dieser allgemeinen Art sich bei Rambam noch nicht findet, in allen Gebetbüchern eingebürgert. Diesen Jahrhunderte alten Brauch als angebliche Gedankenlosigkeit schnell fertig abzutun. liegt kein Grund vor. Herr Dr. Mannes hat vergessen, datz zu. den Herausgebern von Gebetbüchern, in denen dieser Zusatz steht, auch Männer wie Heidenheim, Bär, S. R. Hirsch und M Sachs gehören, denen Gedankenlosigkeit vorzuwersen, ein starkes Stück wäre. Es ist ihm ferner offenbar entgangen, datz Autoritäten wie Dach in Tur Orach Ehajim Kap. 627 und Mögen Awrohom, Kap. 527, Note 23, sowie andere Poskim diesen Zusatz ausdrücklich sanktionieren, und datz die absprechende Kritik sich unbeabsichtigt gegen diese Autoritäten richten würde. 2. In einer vorangehenden Nummer behauptet Herr Rabbiner Dr. Mannes, datz es sinnlos sei, in der Schmone Esre nrrvn '3 lyaK nbo zu übersetzen .denn wir haben gesündigt,,. Auch hier liegt ein Irrtum des Herrn Dr. Mannes vor, und es hätte ihn zu grötzerer Vorsicht in seinem Urteil mahnen müssen, datz hervorragende Stilisten übersetzen: „denn wir haben gesündigt". Beide Uebersetzungen ..denn' und „datz' sind gleichberechtigt, und es ist Sache des Gefühls, für welche man sich entscheidet. Herr Dr. Mannes hat bedauerlicherweise übersehen, datz seine Polemik sich ungewollt gegen die heilige Schrift selbst richtet. Heißt es doch z. B. 4. B. M. 14. 41 „denn wir haben gesündigt", Psalm 25. 11 „Verzeihe meine Sünde, denn sie ist grotz', Ps. 41. 5 „Heile meine Seele, denn ich habe gesündigt" usw.?, M Tfl um acTtattet. ein feineias DsrsMtt richtig zu stellen. Der Deraussebek bit Rssponfen nn»S? 12)' Herr Rabbiner Dr. S. Bamberg er in Kissingen führt in einer nmtPfl' welche das Kaddifchfagen betrifft, S. C folgendes an: „Mein Freund, Rabbiner Dr. S. Mannes in Schwabach schrieb mir: Zur Zeit einer Cholera, als es eine so große Anzahl von Waisen gab. daß auf jeden einzelnen nicht einmal ein einziger Kaddisch monatlich entfallen wäre, ordnete der Gaon R. Akiba Eger an, daß während jenes Jahres (aber nicht länger) alle gemeinsam Kaddisch nach Olenu sagen sollten. Und in der Tat bildete es sich seitdem allmählich aus, datz man den Kaddisch nach Olenu gemeinsam sagte, und datz die andereren Kaddisch den Iahrzeitern Vorbehalten blieben. Aber die Anordnung des Gaon bezog sich ausdrücklich nur auf dieses eine Jahr". So weit Herr Dr. Mannes. Seine Mitteilung beruht auf einem Irrtum. Die Entscheidung R. Akiba Egers, auf die er hinzielt, befindet sich im Protokollbuch der „alten Betschule" in Posen und'wurde von Rabbiner Dr. Wreschner-Homburg v. d. H. im Jahrbuch der Iüd. Lit. Gesellschaft II S. 81 veröffentlicht. Sie lautet in wörtlicher Uebersetzung: „Im Monat Ab des Jahres 5591 (1831), als um unserer großen Sünden willen hier die Cholera aüsbrach und viele Trauernde Kaddisch sagen mußten, ordnete ich an, datz die Trauernden gemeinsam Kaddisch sagen sollten. Und so geschah es während des ganzen Jahres. Als aber das Jahr mit dem ersten Ab 6592 beendet war und die Cholera durch göttliche Hilfe erlosch, ordnete ich an, daß sie nicht mehr gemeinsam Kaddisch sagen sollten, ausgenommen einmal am Tage, d. h. datz die Trauernden Kaddisch nach Beendigung des Schacharis gemeinsam sagen übftsen Kaddisch, fy Vflß MW TlMSkstZS lüästitzpetts «m Tage KadvIM sagen kann. So soll cs für alle Zeilen bleiben. Akiba Eger." Nach diesem authentischen Wort» laut ist also die Angabe des Herrn Dr. Mannes^ zu berichtigen. Die Tekana R, Akibas bezog sich in jenem Jahr auf alle Kaddisch, für die späteren Jahre auf einen Kaddisch. Es trifft auch nicht zu. daß letzteres in Posen Minhag wurde. Vielmehrist dort das gemeinsame Kaddischsagen üblich. * * * Herr Rabbiner Dr. Mannes schreibt uns: 'an bv j?os '2V3 o m nnaw ist jrwa ’fmi 'Sv '»niraßw ’ss tp’ij? niiaK pyn arpsn a’DflTin xp'jnan ’poan kxöi *»3 ’inn mmn 3*mo ntoiav '1313 sbw 1904 anss 'm wb aimra min jpnto Kiipn ton ’a »ainm .wa ,tki •o»MKa ro nax.i a"r