Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 31 (5.8.1937)
- Date
- 1937-08-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 31 S^^^^^^^^^^^^S^S^^R^^^^^^^^^ISR^^^^^HfH Der Israelit 5. August 1937 ■I f M Die KEREN HATÖRAH-Sammeldose 94hörtm jedes jüdische Haus.» Sie gibt jedem die Möglichkeit, durch kleine tägliche Spenden die Arbeit des Keren Hatörah zu fördern. Bitte Dosen anfordern: Keren Hatorah, Hamburg 13, Heinrich Barthstraße 21 IltniHHAJORM ihren eigenen Rabbiner und Schochet ein. Es gelang ihnen, in heftigen Kämpfen beim Freiwerden des ttabbinerpostens in mehreren wichtigen Gemeinden, ihre Kandidaten durchzusetzen. — Dieser erfreuliche Bericht sollte eine Mahnung auch an die Leser des „Dawar" sein, im heiligen Lande der Religionsfreiheit nicht das freiwillig und leichtfertig preiszugeben, wofür unsere Brüder im Lande der Gottlosigkeit so heiß — und mit Erfolg ringen. * * * Es ist in letzterer Zeit sehr still geworden um die jüdischen Siedlungspläne in den französischen Kolonien. Ganz aufgegeben sind sie nicht, wenn auch ihre Bedeutung immer mehr zusammenschrumpft. Kolonienminister Marius M o u t e t äußert sich darüber in der Zeitung „L'Union Marocine", daß es sich bei den Plänen schon deshalb nicht um eine Massenkolonisation handeln kann, weil Weiße sich dem tropischen Klima schwer anpassen. Durch Einwanderung in die zentralafrikanischen Kolonien Frankreichs könne daher keine Lösung für die Weltjudenfrage gefunden werden. Im übrigen seien Verhandlungen über die Mitwirkung jüdischer Organisationen bei einer künftigen Ansiedlung mit der jüdischen Gesellschaft für Auswanderung und Kolonisation, den verschiedenen Hilfskomitees für Auswanderer aus ' Deutschland und ' der Jewish Colonisation Association (ICA) im Gange. Der von dem Kolonienministerium gemachte Vorschlag, daß von diesen Organisationen ein gemeinsames Orgamsationskomitee eingesetzt werde, hat sich als undurchführbar erwiesen. Trotzdem habe das Ministerium in letzter Zeit mit diesen Organisationen Verhandlungen über die Schaffung jüdischer Kolorüsationszentren in Neu-Kaledonien und Madagaskar geführt. Voraussetzung hierfür wäre, daß die großen jüdischen Wohlfahrtsverbände Nordamerikas die Finanzierung des Planes sichern. Die Ansiedlungspläne werden jetzt von dem Kolonienministerium geprüft. * * * Aus Prag wird der ITA. geschrieben: „Am 28. Juli wurde auf der Grünfläche' vor der AJt-Neuschul das erste große Prager jüdische Denkmal ,,M o s e s" von der Gemeinde Prag aufgestellt. Die fast zwei Meter hohe Bronzestatue ist ein Werk des berühmten Bildhauers Frantisek Bilek. Sie wurde am 21. September 1935 vom Schulministeriuni angekauft und am 23. April 1936 der Gemeinde Pra* zum Geschenk gemacht. Seither stand der „Moses' im Mitteltrakt der Halle der Städtischen Bücherei am Marienplatz. Die Jüdische Gemeinde hatte gegen die Aufstellung einer Statue vor der Alt-Neuschul, die eine Andachtsstätte für den streng orthodoxen Teil der Gemeinde ist, Einspruch erhoben." Daß die Jüdische Gemeinde gegen den Versuch, den Lehrer der Lehrer, der uns das g'ttliche Verbot übermittelt hat boo "\b nvvn xb> vor einem altehrwürdigen G'tteshause in Stein und Erz bildlich zu zeigen, protestiert hat, ist so selbstverständlich, daß ob kaum der Registrierung bedarf. Nur wissen wir nicht, ob dieser Protest rechtzeitig und unter Ausnutzung aller Rechtsmittel erfolgt ist. War dies nicht der Fall, so dürfte es auch jetzt noch nicht - unmöglich sein, die tschechischen Behörden, die allezeit großes Verständnis für jüdische Einrichtungen und Gefühlswerts gezeigt haben, davon zu überzeugen, daß das Bild welches der Jude von Mosche unserem Lehrer hri Herzen trägt, ihm durch solche plastische Daistelhing zerstört und geschändet wird, und daß daher das Monument hier zumindest fehl am Orte ist. Probleme agudislischer Führung. Von Rabb. Abraham Wolf in Berlin. Herr Dr. Breuer hat in sicherer Aufrichtigkeit in der Broschüre ,,25 Jahre Aguda", die ursprünglich als Artikelserie im „Israelit" erschien, eine Kritik und Vorschläge für die Rekonstruktion der Aguda vorgelegt. Es scheint mir jedoch, daß die Erörterung einer Rekonstruktion bei dem von Dr. Breuer Vorgetragenen nicht stehen bleiben darf. Sondern, um es vorwegzunehmen, der empfindlichste Mangel scheint mir das Fehlen der rabbinischen Führung zu sein. Organisatorisch ausgedrückt: die Inaktivität des rabbinischen Rates, ideologisch ausgedrückt: eine allzu westlich orientierte Ideologie. I- An der Spitze der Organisation muß ihr Führer stehen. Führer der Charedim kann aber nur eine rabbinische Autorität sein. Es muß vielleicht nicht der größte Gaon des Zeitalters sein, auch R. Jochanan ben Sakkai zählte z u den Größten, während Jonathan ben Usiel größer war als er (Sukkah 28a). Aber der Manhig muß Respekt erwecken für das Thorawissen, das er besitzt. Sonst wird ihm die Autorität fehlen. Auch Rabbiner Hirsch s. A. und Rabbi Esriel Hildesheimer s. A. gehörten zu den großen deutschen Rabböriim ihres Zeitalters. Solange dies nicht gegeben ist, wird sicher jeder Rabbiner einer mittleren Gemeinde mehr Autorität genießen als ein Vertreter der Aguda. Es wäre zu diesem Punkte noch mehr zu bemerken; aber um auf den wichtigeren zweiten überzugehen, sei nur noch erwähnt, daß auch die Kritik des Munkaczer Rebbe Vsf an der Aguda diesen organisatorischen Fehler meinte. II. Hierauf beruht auch die ideologische Unentschlossenheit der Aguda. Zwei ideologische Systeme, durch glänzende Schriftsteller dargestellt, sind seit 'dem Weltkrieg der Aguda unterbreitet worden: Die Aulim-Idee von Birnbaum und y'nan^, um an Breuers letzte Formulierung anzuknüpfen, die „nationalgeschichtliche Deutung des Geschehens unserer Tage." (S. 42.) Woran lag es nun, daß man zwar auf beide Konzeptionen stolz war, aber nicht bereit war; sich ihnen anzuschließen? Einmal kam die passive Ablehnung dadurch, daß sie nicht von Rabbinen vertreten wurden, die eine Autorität hätten erzwingen können. Zweitens aber konnte man sich inhaltlich nicht rückhaltlos mit ihnen identifizieren. Jacob Rosenheim hat bereits dargetan, daß bei Birnbaum dem Wert des Lernens rein gefühlsmäßig bei weitem nicht genügend Bedeutung zuerkannt wird. Dies geschieht bei Breuer sehr wohl, gerade in gefühlsmäßigem Sinn. Aber — auch das wurde von Rosenheim schon ausgeführt — die Deutung des Geschehens, so nahe sie liegt, so eindrucksvoll sie auch jetzt wieder dargestellt wird, und so zwingend sie ist, entbehrt der Autorität, die solch kühne Konzeption braucht. Hätte der Chofez Chajim b'"Zl diesen Ruf in dieser Form erklingen lassen, wir waren ihm rückhaltlos gefolgt. Breuer können wir darin nicht folgen. Wenn Rosenheim von ->"z, ~W\$ n spricht» so ergreift einen jeden die Mizwah-Freude, die aus ihm spricht. Niemand aber wird daraufhin den Beruf wechseln. Würde aber R. Chajim Oser -dasselbe proklamieren, so würden wir ihm folgen wie in der Schechitoh-Frage. III. Wir haben der Geschichtsgliederung von Breuer nicht folgen können. Wir sind nicht bereit, in der Summe der neuen Tatsachen den „Beginn der Auseinandersetzung zwischen Meta- £ ^S^^^^i Exegetische Miszellen zu den laufenden Thoraabschnitten, Mitgeteilt von S. Speier. Am Ende der Haftara heißt es oraK Dmas itran Ett^inn mv b&l „Schauet hin auf Awraham, euren Vater, und auf Sara, die euch gebären sollte" fJeschajahu 51, 2). Es heißt nicht oaau mar- „Versetzt euch, wenn ihr verzagen möchtet, im Geiste in den Augenblick, als Sara, die Neunzigjährige, noch nicht eure Mutter geworden, sondern erst die Bestimmung empfangen hatte, eure Mutter zu werden" (M. Hirsch). Diese Bestimmung wird Awraham mitgeteilt mit den Worten; ■jnw« r\ivb p .um ">n nsa T>bnt ai»K aiw "ias»i (Bereschit Kap. 18. V. 10.) "n flW bedeutet nach der üblichen Auffassung „um die lebendige Zeit", um die Zeit, da ihr alle am Lehen sein werdet. Einige Kommentatoren erklären diesen Ausdruck auf folgende Weise: In der Sprache der Mischna wird die Wöchnerin mit ' ">n bezeichnet (Joma Perek 8, Mischna 1. Vgl. Onkelos und Jonatan zu 35, 17; 3. auch Raschi zu Schemot 1, 19). Die Uebersetzung des Verses wäre somit: „Er sprach: Wiederkehren werde ich zu dir um diese Zeit, da sie gebärt, und siehe, deine Frau Sara hat einen Sohn." Reihenfolge der Berichte im Tenach.' Im Talmud wird der Satz erwähnt: ">3a p^on sinn swna cnsa „Die Mischna erläutert an erster Stelle das in dem vorhergehenden Abschnitt an letzter Stelle Erwähnte (Nedarim 2 b). Diese Regel finden wir auch im Tenach. Als Belegstellen für diese -Reihenfolge mögen dienen: Schemot 17, 7; 'n nm onoa br\ b&-w> 'ja an bv nanai noa aipan qv jnp»i Schemuel I 1, 2: D'iV> ]•>& nanVi wib-» nntb »m na« jvapn dvi nan rms qv S, ferner Bereschit 10, 1—2; 4, 2—4; Schemot 22, 22; ms? nasn na» okms bezieht sich auf das in V. 21 an •zweiter Stelle erwähnte Wort oih*. Ewen Esra zu Schemot 25, 22 führt als Belegstelle Jehoschua 24, 4 an: wvb \mi iw flKi apy m prwb jak* Meines Erachtens dürfte dort für die Wahl der Reihenfolge ein anderer Grund^ ausschlaggebend sein. Die Schrift stellt den sich auf wenige Worte beschränkenden Bericht über Esaw der ausführliehen Schilderung der Geschichte Jaakows und dessen Nachkommen voran. Vgl. den talmudischen Grundsatz: wV'a -ff'Ba-r niyiap -nm inb p^os w^a p-ioin n«K „Weil die Bestimmungen (über (nKaian nwr>) wenig sind, entledigt er sich ihrer (indem er diese an erster Stelle erklärj); hierauf erläutert er das Gesetz von den Eiden, deren Bestimmungen zahlreich sind." (Schewuot 3a; s. auch Bechorot 13a.) * * Dewarim 16, 16. 'fi '3B JiR "piat bo nm» naipa d»b»b vrbv Tf^8- „Dreimal im Jahr sollen alle deine Männlichen vor dem Angesicht G'ttes, deines G'ttes, erscheinen." In Schemot Kap. - 34, V. 23 heißt es: bmyr> 'p^K 'n ptw »aa m yvat bz ns-p nara ama vbv „Dreimal im Jahr sollen alle deine Männlichen vor dem Angesicht des Herrn, G'ttes, des G'ttes Jisraels erscheinen." Die korrespondierende Stelle in 23, 17 lautet: 'n *ib hü IVibr bis iHKV- Im Hinblick auf das von Jisrael angebetete Kalb fügt die Schrift in 34, 23 hinzu: b&~tw> ipbx- 'n ist der G'tt Jisraels! Du aber riefst: bw> T>pbs nVs „Dies ist dein G'tt, Jisrael (32, 4). In diesem Sinne heißt es auch das. V. 27: fcsw> ^pb» 'n in« ra. Gerisim und Ewal. Ein Jerusalemer Feuilleton. Von Saly Geis« Des Gerisim herrliches Pflanzenkleid und des Ewal trostlos nackte Gestalt erheben sich nachbarlich bei Schechem i'm Gebirge Efrajim. Es ist weitab von Jeruscholajim, das auf den Bergzügen Judäas thront. Gerisim und Ewal in ihrer Gegensätzlichkeit ver* sinnbildlichen durch G'ttes Wort dem judischen Voll Segen und Fluch, Leben und Tod. Nur zwei We£,e gibt es je nach dem, ob — wie die Lose aüf die beiden Ziegenböcke in den Jomkippur-Handlungen des Kauhen-Hagadol — für G'tt oder für die Wüste, ein Leben über den Tod in der Ewigkeit oder m» der Vergänglichkeit beim Tode die Entscheidung fällt. Solange in den Jahrhunderten des, Galuth nur Juden nach Jeruscholajim kamen, die dem G'tt inff Väter in der Stadt Seines Heiligtums näher' seiß wollten, brauchte des Warnungszeichens von CjßrI sim und Ewal nur als Erinnerung gedacht z,u werden- Seit zwei Jahrzehnten strömt aber nach JejJJ" scholajim auch eine ganz andere Art Juden, y suchen sie nicht. Sie wollen gleich; den anderen Vo *