Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1935)
- Date
- 1935-05-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 21 Der Israeli *t 23> Mai 1935 Frühere und spätere Geschichte der früheren und späteren Aussprache. e) Vokalisation, Grund- und abgeleitete Vokale. f) Akzente, Dehnung, Ausbreitung und Kür zung der Vokale usw. 4. Verbesserung der Orthographie der neuen Worte. 5. Schaffung eines gesetzgemäßen Aufbaus für die neuen Worte. 6. Die Massora (Ueberlieferungen betr. Or thographie der Bibel). Hier gibt es mancherlei Probleme, die der Lösung harren und ohne die eine Verkehrssprache nicht auskommen kann. Wir dürfen uns von dieserverantwortungs vollen wissenschaftlichen Arbeit nicht zurückziehen, sondern müssen uns an allen Arbeiten des „Waad Halaschon" in Erez Jisroel beteiligen und insbesondere orthodoxe Zirkel schaffen von Schriftstellern, Forschern und Gelehrten, die sich selber mit der Lösung dieser Fragen befassen und im Geiste der Thora und der Ueberlieferung an sie herangehen. Wenn wir uns an dieser heiligen Arbeit des Aufbaus unserer heiligen Sprache nicht beteiligen, sondern sie den Freien überlassen und nachher das fertige Werk entgegennehmen, uns einer Sprache bedienen, die jene geschaffen haben, dann machen wir uns eines Chillul Haschern schuldig. 2. Religiöser Einfluß auf die Erweiterung der Sprache und ihrer Entwicklung. Diese schwere Frage, wie man die Entwicklung der Sprache so beeinflussen kann, «laß sie im altjüdischen Geiste, im Geiste der Thora und der Ueberlieferung erfolgt, ist die wichtigste und ihre Bedeutung kann nicht genug betont werden. Dieses unser Ziel, die alte Krone zu erneuern, der Sprache ihre Heiligkeit und zugleich ihrer Leere und Armut Inhalt und Reichtum wiederzugeben, können wir durch folgende Mittel erreichen. A. Das Hineinbringen des religiösen Gedankens ' •in die Sprache. 1. Religiöse Werke und .Bücher. Den orthodöxen Führern und Schriftstellern liegt es ob, sich selber in der hebräischen Sprache so zu vervollkommnen, daß -sie alle ihre religiösen Gedanken in Hebräisch zum Ausdruck zu bringen vermögen. Jhre Broschüren, Bücher und Aufsätze muß man in der breiten Masse des Volkes verbreiten, damit man sie liest und in ihnen forscht,' Hierdurch können wir in religiösem Geiste nicht nur auf die Sprache einwirken, sondern auch auf das Volk. Wer reicht heute der Jugend und den Arbeitern geistige Nahrung? Die Freien! Nach ihnen richtet sich das ganze Volk. Sie beeinflussen seine Anschauungen, schaffen an seinem Wesen und formen das kulturelle Leben. Von den Orthodoxen hat noch nicht ein Einziger etwas auf Hebräisch veröffentlicht, was für die Jugend und die Arbeiter in Erez Jisroel bestimmt gewesen wäre. 2. Uebersetzung von religiösen Werken. Um die Sprache mit neuen Worten durch religiöse Gedanken zu bereichern, dürfen wir uns nicht mit neu zu schreibenden Büchern und Artikeln der orthodoxen Kreise in hebräischer Sprache begnügen, denn wer weiß, wie viel Zeit noch vergehen wird, bis wir dieser Schöpfungen teilhaftig werden, sondern man muß heute ins Hebräische übersetzen die Werke der Rabbinen, Schriftsteller, Wissenschaftler und der religiösen Intellektuellen, insbesondere aus Westeuropa in einer leicht verständlichen hebräischen Form. Ein großer Schatz von wertvollen religiösen Gedanken, Erläuterungen und Kommentaren wissenschaftlich - philosophischen Charakters aus der Feder unserer besten rabbinischen Größen, unerer Führer und Schriftsteller im Westen liegt unbeachtet im Winkel und ist noch nicht ins Hebräische übertragen worden. Denken wir an die Werke von S. R. Hirsch, Esriel Hildesheimer, Marcus Lehmann, David Hoffmann V'XT öder " der Werke von" RosenEeim, Breuer*}, Schachnowitz usw. Hie«;ist ein wei tes Feld für literarische Arbeit, deren Wert unermeßlich ist.-Welche Bereicherung -würde es für die hebräische Sprache bedeuten, für ihre Entwicklung im Geiste der Thora und' dire lieber lieferung, wenn ■ man die Werke üöserer Rabbinen und Schriftsteller, die wir erwähnen, in unsere Sprache übertrüge. Wie sehr könnten'wir dadurch zu einer religiösen Entwicklung der Volksseele, insbesondere der Jugend und der Arbeiter in Erez Jisroel beitragen, wenn wir diese' Uebersetzungen in einem leichten, dem Volke verständlichen Hebräisch verbreiteten. Heute ist ein großer Mangel an guter hebräischer Literatur religiösen Inhalts vorhanden und niemand befriedigt dieses Bedürfnis. Dabei ist in der „intellektuellen" Jugend schon-eine gewisse Uebermüdung zu beobachten. Man ist der Oberflächlichkeit und der leeren Phrasen überdrüssig, mit denen man bis jetzt ernährt worden ist und sehnt sich nach etwas inhaltsvollerer geistiger Kost. E^s ist ein gewisses seelisches Ringen und ein Stre ben nach ewigen Werten erkennbar. Die Reaktion, die von vornherein zu erwarten war, zeigt sich bereits und uns liegt die heilige Pflicht ob, diesen geistigen Hunger zu befriedigen, ihm die religiös-geistige Nahrung entgegen zu1 tragen. Ganz besonders die Schriften von, Räbbiner Hirsch aus der Periode des Kampfes' mit der deutschen Assimilation, die auch heute in Erez Jiroel aktuell sind und andere religiös-philosophischen Werke werden der Jugend die Losung der philosophischen Fragen erleichtern, mit denen sie heute ringt. j> Durch die Lektüre solcher Literatur wird sicfi das Volk daran gewöhnen, allmählich^ die Wertformen zu benutzen, die darin enthalten sind und so werden religiöse Gedanken und Begriffe zum allgemeinen Besitz werden. Dadurch bringen wir einen gewissen Geist der Heiligkeit nicht nur in unsere Sprache hinein, sondern auch in unser Volk und auf dem Wege der Bereicherung und Erweiterung des Sprachschatzes mit religiösen :Gedanken tragen wir dazu bei, die Thora in ihren alt en.' .Rang' einzus etzen. 3,' Das hebräische W o r t. Das Ziel ist nicht zu erreichen, ohne daß man sich praktisch der hebräischen Sprache bedient, d. h. sie; spricht* Wir müssen mit der Tatsache rechnen, daß diejunge Generation Hebräisch spricht nicht hur in Erez Jisroel, sondern auch fast in der ganzen Gola. In jeder Stadt und jedem Städtchen gibt es zur Zeit hebräische Zirkel, Schulen, Kurse und die hebräische Bewegung dehnt sich immer mehr aus; In Polen befinden sich zur Zeit 315 hebräische Institute mit 37 465 Schülern. In Deutschland lernt man überall, selbst in den kleinen Dörfern, Hebräisch und in einigen Jaihren wird diese Bewegung sich mit Hilfe der Propaganda und infolge der Bedürfnisse der Alrjah soweit ausdehnen, daß die ganze Jugend auch in der Gola Hebräisch sprechen wird. Dürfen wir gegenüber dieser Bewegung abseits stehen, ohne uns auch praktisch daran zujj beteiligen? Wollen wir die fremden Sprächen'! der Gola auch in unser heiliges1 Land bineiribrin-, gen? Nimmermehr! Wir müssen zugestehen, daß:; wir uns _geirrt haben und es liegt uns ob, anzufangen, unter uns Hebräisch zu sprechen, wenn" es auch im Anfang etwas schwer hält. Vergessen wir nicht, daß in jeder Sprache die Menge sich nur einiger hundert Wörter bedient, um alle ihre Gedanken auszudrücken und den Bedürfnissen des Lebens gerecht zu werden.; Noch ein paar hundert Wörter mehr und man kann schon Zeitungen, Artikel über die gewöhnlichen Lebensfragen lesen, die auf der Tagesordnung stehen, sowie auch leichte Erzählungen. Mit tausend *)' In seiner Besprechung des' neuen Buches von- Dr. Isaak Breuer „Der neue Kusari" schreibt der Redakteur Mosche Kleirimann im Haolam, dem Organ der zionistischen Exekutive in London; „Das Buch" von Dr. Breuer sollte ins Hebräische übersetzt werf den als ein Buch von ewigem; Wert in der religiösen Literatur des j'üdischehJ'Volkesi" " " Wörtern 'kann man :schon ein populär-wissenschaftliches Werk lesen und jede öffentliche Rede und Ansprache verstehen. Es ist zweifelhaft, ob die meisten Schriftsteller und Redner mehr als 2000 verschiedene Wörterbenutzen, die nicht untereinander. verwandt sind. Daher ist der Er-; werb der hebräischen Sprachkenntnis auch selbst für ältere Leute nicht so.; furchtbarschwer, geschweige denn für Jugenldiche-und Kinder... Außerdem dürfen wir nicht vergessen, daß ein Jude, der Gemara gelernt hat? die hebräische Sprache leicht erlernt, denn er hatvon Jugend an aus dem Talmudlernen des Cheders, der Jeschiwah:. und des Beshamidrasch gute Grundlagen. . Was aber die s f r.a d i sehe A u s - spräche betrifft, so lernt man sie in einigen Stunden. Dann bedarf es nur noch einer Vervollkommnung und des-Erlernens der Wörter, die neu aufgekommen sind, sowie der grammatisch richtigen Verwendung der Worte. Das lernt man leicht. c- Wenn wir Orthodoxe» ,die >wir die Thora lernen, anfangen, Hebräisch zu sprechen;und die Sprache lebendig, machen, . sowie sie es in der Vorzeit war, wenn wir uns des ganzen Sprachschatzes bedienen, den wir uns ^on Jugend an angeeignet haben,. dann werden wir nicht oberflächlich schwätzen, dann wird die Spräche nicht ein bloßes Gerede sein, wie bei den Freien, die keine sprachlichen Fundamente besitzen, sondern es wird ein .urwüchsiges inhaltvolles Hebräisch herauskommen, Wenn wir die Zügel der Entwicklung unserer Sprache in unsere Hände nehmen, dann werden wir auch den Gang des, Denkens, -— das die Spräche bildet — dadurch beeinflussen, , daß wir unsere?heilige. Sprache.sprechen^ unsere -Gedanken darin, zum Ausdruck-bringen, die Heiligkeit und Reinheit der Sprache ,wahren und aus dem Iwrith ein Lascjion Hakodesch machen. Das ganze Volk wird sich uns als den Wegweisern zuwenden und nur. dadurch,; durch Tat e"n ,: können wir. den Geist der Profanisierung vertreiben, nicht durch Beschwerden gegen die Freien und durch untätiges Dasitzen. > (Fortsetzung folgt) Korrespondenzen. Deutsches Reich. „Für Juden ist kein Platz im Heer!" Berlin, 15» Mai. Unter der Ueberschrift „Für Juden ist kein Platz im Heer!" nimmt „Das Schwarze Korps", die Zeitung der Schutzstaffeln der NSDAP, und das Organ - der Reichsführung der SS zur Judenfrage in einem Aufsatz, Stellung, in dem es in Bezug auf das kommende Staatsbürgerrecht u. a. heißt: „Man hat bei den Juden, .sofort erkannt, daß in diesem Gesetz eine Formulierung gewählt worden; ist, die in ihrem entscheidenden Teil eine Regleung der Judenfrage in staatsrechtlicher Hinsicht darstellt. Eine Klarstellung des Judenproblems im Staate hat man in den diesbezüglich interessierten Kreisen seit längerer Zeit gewünscht; nun ist sie Tatsaehe geworden und ist eine klare, unmißverständliche Folgerung aus der nationalsozialistischen Weltanschauung:: Deutscher Staatsbürger kann nur ein arischer Volksgenosse werden. Es ist nicht anzunehmen, daß. man bei den Juden eine andere. Lösung erwartet hajben! könnte; sicherlich nicht bei den Zionisten,,;die aus; ihrem fremden Volkstum die anerkennenswerte Erkenntnis gezogen haben, daß sie hier in .Deutschland ein jederzeit kündbares Gastrecht genießen, und die deshalb das Land Palästina immer eifriger mit der Seele zu suchen beginnen. Damit dieser Vorgang nicht auf die Seele beschränkt bleibt,, ist die berufliche Um-