Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 78 (1937)
- Issue
- Heft 42 (21.10.1937)
- Date
- 1937-10-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 62 Simon (brummend dazwischen); Auch noch alle auf einmal, das sollte schönes Durcheinander geben. Vater: So, Kind, ist es nicht gemeint. Mirjam: Wie ist es denn gemeint? Vater: Es ist gemeint, daß die Kinder die Eltern und die Eltern die Kinder ganz verstehen werden. Simon: Verstehen wir uns jetzt nicht? Vater: Nicht ganz. Ihr seht ja, Euer Bruder Herbert hat immer nur mit seinen Problemen zu tun und kümmert sich um das, was wir lesen, herzlich wenig. Herbert: Verlangst Du, Vater, daß ich die Kindersachen im „Kleinen Israelit" lese? Vater: Das verlange ich so wenig, wie daß Deine kleinen Geschwister sich über -Deine Probleme den Kopf zerbrechen. Es wird nur, wenn Elijahu kommt, so sein, daß die Einen die Anderen besser verstehen. Simon: Willst Du uns, Vater, nicht das mit dem gegenseitigen Verstehen etwas näher erklären? Väter: Gewiß, das will ich. Ihr Kinder könnt auch recht gut Verständnis haben für das, was uns interessiert. Zum Beispiel: Da lese ich im Leitartikel eine Lebensbeschreibung vom großen Posener Rabbi, der vor hundert Jahren gestorben ist, Rabbi Akiba Eger. Gewiß könnt Ihr nicht verstehen, was hier von seinen großen Werken steht, wie er gelehrt und gelernt hat. Aber da wird auch seine Kindheit, seine Jugend geschildert. Ich werde Euch die Stellen zeigen, die auch Ihr lesen und von denen Ihr sehr viel lernen könnt. Herbert: Und wer wollte mir zumuten, daß ich die~Kindersachen im „Kleinen Israelit" lese? Vater: Auch das will ich Euch erklären: Man kann jede Fabel und jedes Gleichnis so und so verstehen. Man kann sie als Kind als hübsche Geschichte genießen, man kann aber, wenn man älter ist, auch einen tieferen Sinn hineinlegen. Es kommt nur darauf an, daß man das nötige Verständnis und den guten Willen dazu hat. ■' . , , - Herbert:; Zum Beispiel? Vater (nimmt das Kinderblatt zur Hand): Hier habe ich schon das; Beispiel. Da wird so hübsch erzählt von der Sonne, die sich vom Satan, dem Ankläger, ain Rosch Haschana als Zeugen gegen Isräel dingen läßt, während der M o n d>, >, derals!^zweiter Zeuge nötig ist, -sich: verborgen hält,, bis. Israel Buße getan hat.. Hübsch die Geschichte, i*'cht wahr, wenn man bedenkt, daß wir nach Ausgang des Jomkippur uns mit Kiddusch Lewana bei dem Monde bedanken,, daß er durch seine Weigerung, am Rosch Haschana zu erscheinen, das Urteil gegen uns verhindert hat? Herbert: Aber was" soll ich davon haben? Ich kenne doch die Fabel schon seit vielen Jahren. Vater: Du kennst sie, aber nicht den tieferen Sinn der\ Erzählung, die für die Erwachsehen bestimmt ist. Alle (fast im Chore): Kennen wir wirklich nicht.' Vater: Also hört. Die Völker der Welt zählen ihren Jahreskalender nach der Sonne, wir den unsrigen nach dem Monde. Also verstehen wir unter der Sonne die große Welt draußen, unter dem Monde das, innere Leben in der jüdischen Gasse, im jüdischen Hause. Wir jüdischen Menschen begehen, wie alle anderen Menschen, Sünden gegen die Welt, wir haben aber auch noch „jüdische Sünden"; gegen G'tt. Die Welt klagt uns an, verzeiht uns nicht." Das ist der Sinn der Worte: Die Sanne klagt uns an. Für unsere j ü d i s c n e Sünden gegen den lieben G'tt ist leichter Verzeihung zu bekommen, denn Er ist unser Vater und Er verzeiht uns immer wieder, wie der Vater den Kindern verzeiht. Darum heißt es: Der Mond hält sicheverborgen. Er ist bedeckt am Rosch Haschana. Unsere Vergehen gegen G'tt sind zugedeckt, wie der Mond zu Anfang des; Monats. Nach Jomkippur beginnt ein neuer Mond, ein neues jüdisches Leben, und wir wollen uns vornehmen, daß weder Sonne noch Mond, weder die Welt noch der liebe G'tt uns fernerhin was vorzuwerfen haben. Das ist, was wir aus der Fabel und ähnlichen Gleichnissen zu lernen haben. Mirjam (noch vertieft in die Lektüre): Ich habe nicht alles verstanden, Vater, was Du erklärt hast. Aber wenn Elijahu und Moschiach kommen, dann werde ich*an sie herangehen und sägen: „Bitte, bitte, lieber Elijahu, laß'; uns den „Kleinen Israelit!" . .." Meine lieben kleinen Freunde! Recht herzlichen Dank für die vielen Gratulationen zum ersten Geburtstag des „Kleinen Israelit". Wie schön und sauber habt Ihr die Briefe geschrieben, die von netten Zeichnungen begleitet waren. Gerne hätte ich dieselben veröffentlicht, leider steht uns zu wenig Platz zur Verfügung. Wir werden gern versuchen, euern Wünschen bezüglich Ausgestaltung der Kinderzeitung; soweit wie möglich entgegenzukommen. Heute soll schon ein Wunsch in Erfüllung gehen. Ihr wollt auch einmal im »Kleinen Israelit" schreiben. Gut. Die kommende Nummer soll-nur; von Euch geschrieben werden.. Ich; fordere Euch alle zur Mitarbeit auf! Die Parole lautet: „Vom Guten das Beste." Ihr könnt-Gedichte, Abenteuer, Erzählungen? Schilderungen! Schulaufsätze, Rätsel, Zeichnungen usw. bringen Eure Arbeiten müssen bis zum 12. Noyember eingesandt werden. Frisch an die Arbeite Eir gutes Gelingen wünscht Euch Euer DEKA-