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Der Israelit · 1915-11-11 · Heft 47 (11.11.1915) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 47 (11.11.1915)
Date
1915-11-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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0 ^MW im f r t / * IC<*1 M i> X ”"* -Jä C^WflEUT ^^ctelif <a M 47. Frankstrrt a. M., den 11. November 1916. 4. Kislew 5676. Der „Frankfurter; JSraelit" wird mit dem JSraelit" abonniert; Abonnement für beide Blätter zusammen Mk. 1.50 vierteljährlich <Inland». Inserate im ^Frankfurter JSraelit" kosten 35 Pfg. für die sechsgespaltene Lolonelzetle; Rabatt nach Tarif. KRtzntr. Die Woche. 1. Frau Betty Bauer n''y. 2. Jehuda Jakobsohn bnni. 3. Unsere Kriegsgebete. 4. Krieg und Judentum. 5. Chanukkagaben ins Feld. 6. Feldlektüre. 7. Welche Aufgaben harren unser nach dem Kriege. 8. Schule und Haus. 9. GeschäftSßubiläum. — Bereinskalender. — Jamiliennachrichten. — Gebetzetten. lUie WocSc j m9mmemoaDmemmiömmBOBOBme»eiesmmtmB Frau Aetty Zikauer .Y'j?- Plötzlich und unerwartet mitten.aus ihrer Tätigkeit heraus wurde Frau Bauer im Alter von 60 Jahren abberufen. Es trauert um sie mit den Kindern .und Verwandten ein weiter Kreis von Freunden und Bekannten, die die Verstorbene über ihr Tätigkeitsgebiet hinaus näher gekannt haben und neben der von genialer Geschäftstüchtigkeit ausgezeichneten Frau auch die Jüdin, die liebevolle Freundin, die im Wohltun nimmermüde Helferin gegenüber denen, die einmal ihr Vertrauen besaßen, zu schätzen wußten. Es ist nicht zum geringsten Teil ihr Verdienst, daß das Haus Bauer seinen Weltruf erlangte und auch in religiöser Beziehung sich in mehr denn 40 Jahren das rückhaltlose Vertrauen aller jüdischen Kreise Deutschlands erwarb. Hatte sie es doch in unübertrefflicher Weise verstanden, ihrem vor drei Jahren verstorbenen unvergeßlichen Galten zur Seite zu stehen und fein Werk buchstäblich bis zur letzten Minute ihres Lebens fortzusetzen. Die Beerdigung fand unter überaus starker Beteiligung Freitag nachmittag statt. Man wird ihr wert über den Familienkreis hinaus ein ehrendes Gedenken bewahren. ,Y'33Mn Jetzrrba Jakobsohn b"Xi- Nach langem, schweren Leiden verstarb I. Jakobsohn und wurde Freitag früh unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Mit ihm ging ein ehrbarer, schlichter Mann dahin, der von seiner Hände Mühe sein Leben fristete, dabei aber den Rest des Tages in min verbrachte, wie er, auch sonst von echter nK"V beseelt. war. Am Grabe verlieh. Herr Rabbiner Dr. Jakab Horowitz dem Schmerze der Familie beredten Ausdruck. Im Trauerhause entwarf Herr Maxmilian Michel ein treues Lebensbild des dahingegangenen Freundes, mit dem er über zwer Jahrzehnte in der „Rothschild. Klaus" in der Börnestraße in 'n jVTDl? vereint war. Er war, so führte der Redner in Zitierung eines Ausspruches von Rabbiner S. R. Hirsch aus, bescheiden, nicht trotzdem, sondern weil er JYYin p war. Eine Reihe von Fakten aus früheren Tagen und der letzten Leidenszeit des Verstorbenen führte der Redner an, die von dessen tiefer Frömmigkeit und unerschütterlichem Gottvertrauen zeuge». Jakobsohn stammle aus Jakobftadt ui Kurland, von wo er vor 23 Jahren hierher überstedelte. Er ernährte seine Familie vom Buchbinderhandwerk, das ihm eine EHpn war und erwarb sich bald allgemeine Achtung, die dem thoratreuen und thorakundiqen Handwerker galt. Möge '"VN die Seinen trösten. N"22ttN. Unsere Kriegsgebete. In den Räumen des Me kor Chajim, Lcmgestraße 18, spricht Sonntag abend 6 Uhr Herr Redakteur S chachnowitz über „Unsere Krregsgedere". Krieg und Judentum. Kommenden Dienstag, den 15. d. Mts., findet 8'/« Uhr abends, in der Suppen-Anstalt Theobaldstraße 5, ein Vortragsabend der „Bereinigung Nachlas Zwi" unter Beteiligung der A. I. Jugendgruppe statt. Das Thema lautet: „Krieg und Judentum". Referent Herr Distriktsrabbiner Dr. I. Wohlgemuth, Kitzingen. Gäste, Damen und Herren, willkommen. K-auukkagabe» ins Jetd. Die Jüdische Frauenveretnigung beabfiäittgt, zu Chanukka selbst angefertigte Wäsche für Soldaten ins Feld zu verschicken. Die Ausstellung dieser Gegenstände findet statt Montag, den 15. November, vormittags 10—12 Uhr und nachmittags 3—7 Uhr im Hause Hanauerlandstraße 1. IletdteKlüre. Vom Bureau der Agudas Jisroel Jugendorganisation (Bund gesetzestreuer jüdischer Jugendvereine) wird uns geschrieben: Um dem Lesebedürfnis der jüdischen Soldaten im Felde und in den Lazaretten zu genügen, hat die Agudas JtSroel Jugendorganisation (Sitz Frankfurt a. M., Am Tiergarten 8), in Form einer Feldleihbücheret eine neuartige Einrichtung geschaffen. Jeder jüdische Soldat kann aus dieser Bücherei Bücher entleihen, mit der Verpflichtung, innerhalb 3 Wochen das Buch zurückzusenden. - Die erste Serie dieser Feldbücherei enthält sehr lehrreiche und unterhaltende Bücher namhafter Autoren. Welche Aufgabe« Harre« «ufer «ach dem Kriege. Zum zweitenmal in diesem Winter trafen sich letzten Sonntag, den 7. November A. I. I n - gendgruppe und Vereinigung Nachlas Zwi zur gemeinsamen geistigen Arbeit. Tie weiten Räume der Suppenanstalt waren gedrängt voll. Dem Vortrage voraus ging ein warmer Nachruf des' Herrn Direktor vr. Lange aus die Mitglieder der Jugendgruppe und treuen Mitarbeiter der orthodoxen Jugendbewegung Leo Kahn und Josef Mbl er, deren Andenken die Versammlung durch Aufftehen von den Plätzen ehrt:. Zum Thema des Abends sprach Zerr vr. I Arthur Kahn-Charlottenburg in seiner bekannt ten behaglichen, von frischem Humor durchtränkten Art. Es sprach in der Einleitung die schmerzliche Enttäuschung des vielersahreneu und iyt Glauben an Kultur und Zivilisation graugewordenLn Mannes über die Entsetzen unserer Tage, deren tieferen Gründen er nachspüreu möchte Der Krieg in dieser grausamen Form könne nur aus dem Materialismus der Zeit heraus erklärt werden, der den .Höhepunkt in Erwerb, Besitz und Genuß erreicht hatte. Gewisse jüdische Kreise machten oie Verirrung der Feil tapfer mit. Tres^ send und mit beißendem Witz, der wiederholt Heiterkeit und lachende Zustimmung erregt, geißelt der Redner die Cafehausliteratur und oen ' Bildungsschwindel, von dem die Jugend eine Zeitlang besessen war, und der das Alter, sowie alle Herzensbildung in den Hintergrund schob. Die traurigste Erscheinung war aber das Schwinden des Gewissens, das sich in einer bestimmten wirtschaftlichen Lebensanschauung frmbtat. Juden drängten fich zur Zeichnung der russischen Anleihe zu einer Zeit, als die Straßen in Kischinem und Hömel noch naß waren von jüdischem Blute. Heute waltet die Strafe der Gerechti^ keil und es weht ein anderer Wind durch die Lande. Die Jugend war nie schlecht gewesen. Beweis: die einmütige Begeisterung, mit der sic in die Schanzen für das Vaterland trat, sie war nur irregeleitet, schwelgte in einer Schönglisttrei, mit der vorläufig der Krieg gründlich aufgeräumt hat. An eine Hebung der Moral uno Sittlichkeit nach dem Kriege kann der Redner aus Grund seiner Erfahrung nicht glauben. Man hoffte es auch von den früheren Kriegen, aber die Hoffnung wurde immer getäuscht. Nach; 1870 gehen alle ethischen Errungenschaften nach der Richtung einer Verbrüderung der Nationalitäten in der reißenden antisemitischen Strömung unter. Die wirtschaftliche Frage wird nach dem Kriege in der Judenheit nicht leicht zu lösen sein. Besonders die soziale Versorgung der Frauen und Mädchen, deren Heiratsmöglichkeiten sich heut. noch wesentlich erschwert haben. Man muß, um Hilfe zu schassen, znm Mittel des Handwerkes und der Bodenkultur greisen. Das ganz ungerechtfertigte Mißtrauen der Juden selbst gegen die jüdischen Handwerker kann nicht genug mißbilligt werden. Für eine Betätigung der Juden in der Landwirtschaft sei schon Rabbi Akiba Eger mit seiner ganzen Autorität eingelrcten. Auch gegen den Antisemitismus kann es keine bessere Abwehr geben, als eine ftärfjere Beteiligung der Juden am Handwerk und Ackerbau. Junge Mädchen sollten sich der Gartenwirtschaft zu wenden, in der sie es, wie es der Redner an Hand von konkreten Fällen nachweisl, zu ganz beträchtlichen Erfolgen bringen können. Es existiere bereits in Berlin eine Anstalt, die jungen Mädchen den Weg nach dieser Richtung weise. Bon Nöten sei eine starke Organisation, die die Lösung aller Fragen in die Hönd nehme. Der Vortrag, der tiefernste Dinge in ge-!Ä~... ■« 1 ■ Xnie

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