Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 40 (17.5.1900)
- Date
- 1900-05-17
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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829 in die Thätigleit des Dicectociunts ein, rmd diese Einmischungen gefährden wesentlich den Erfolg des Trust und zwingen mich, meine Entlassung zu geben. Die Firma Lissa und Kann rechnete es sich zur großen Ehre, bei der Errichtung des Trust mitzuwirken, aber jetzt ist sie genöthigt, die Verbindung mit demselben zu lösen. Ich hoffe, Sie werden mir gestatten, die Gründe meiner Resignation zu veröffentlichen, wie ich es für zweckmäßig halte. Obgleich ich genöthigt bin zurückzutreten, weil die Führer der zionistischen Bewegung einen gefährlichen Weg in Bezug auf die Leitung des Trust einschlagen, so bin ich doch überzeugt, Sie werden wissen, daß die Idee des Zionismus jederzeit meine volle Sympathie haben wird. Ich kann indessen keinerlei thätigen Antheil an der Leitung des Board nehmen, wenn nicht Maßregeln getroffen werden, welche die unbesonnene Dazwischenkunft von Laien ausschließen, durch deren Eingreifen jetzt alles gefährdet wird, was mit so großer Mühe errichtet wurde. Ihr ergebener I. Kann. Man muß gestehen, daß dieser Brief des Herrn Kann an Deutlichkeit nichts zu wünschen läßt und die unheilvolle Thätigkeit van Dr. Herzl bei der Bank deutlich genug charakterisirt. Die Einzahlung auf die Raten der Ban! wird diese Affaire gewiß nicht fördern. London, 7-8. Mai. Aus dem Leben des verstorbenen Eantors Gollancz ist noch Folgendes zu berichten: Er war zu Witkowo in der Provinz Posen geboren, bildete sich bei dem berühmten Sänger Rachtigal aus. Seine Lieblingsunterbaltung war, von seiner Lebensgeschichte, die in autogravhischem Manuskript vorbanden, zu erzählen. Interessante Momente derselben bilden seine Bewunderung des sel. Rabbi Akiba Eger. dem er in seiner trüben Kindheit vorgestellt limrbe, ferner daß er dem sel. Rabbi Israel Lipschitz zu Danzig, wenn derselbe als Borsänger fungirte. wie man sich in alten Zeiten auszudrücken pfleate. als Mitsänger z u gehalten batte, auch hörte er dessen talmudische Vorträge, sowie die des sel. Rabb. Elias Gutmacher zu Gratz. Er war im Talmud bewandert und erhielt den Morenu-Titel. Bald wurde er als guter Vorsänger bekannt und erhielt eine Anstellung in Vromberg und sväter in Bremen. Vor 45 Iabren wurde er als erster Cantor in der hiesigen Hambro-Spnagoge angesiellt. Rußland. Lodz, 10. Mai. Am Sonntag, den 29. April, verschied nach langem Leiden der Großindustrielle Israel K V o z n a n s k i im Alter von BO Jahren. Genannter bekleidete viele Ehrenämter, war Vorstand der Gemeinde und Brätes des tüdischen Mobltbätiakeitsvereins. Vor zebn Iabren stiftete er das ..Israel K. und Lea Bosnanski'scbe jüdische Hospital". B. war Mitbegründer und eifriger Förderer der jüdischen Handwe^kprschule „Talmud Tbora". in der 100 Kinder für! den besseren Handwerkerstand ausaebildet werden. Ferner gebörte er zum Eonseil der städtischen Creditanstalt. sowie der städtischen Handelsschule. Er ist vielfach dekorirt worden und besaß den erblichen Ehrenbürgertitel. Er war hochbegdbt, der beste Beweis, daß er im Laufe von 20 Jahren seine Etablissements derart erweitern konnte, daß sie die zweitgrößten am Platze sind und ca. 12,000 Arbeiter Beschäftigung haben. Nach dem letzten Willen des Verstorbenen hatte er ein rein jüdisches Begräbniß, sowohl von Kränzen wie anderen Dekorationen wurde abgesehen. Es betheiligten sich an der Leichenfeier die Spitzen der Behörde, die angesehensten Bürger christl. und jüd. Confesston, die Feuerwehr etc. Es wurden Reden von Dr. Jelski, Stanislaw, Jarocinski, Dr. Przedborski gehalten. Hier wurde ein Verein gegründet, jüdische Weber für die mechanischen Betriebe vorzubereiten. Hundert mechanische Stühle wurden bereits montirt u. kommen in fünf Wochen in Betrieb. Antheilsscheine auf 40,000 Rubel sind gezeichnet. L. Rumänien. Bukarest, im Mai. Der „große Rath" der „Antisemiten Allianz," die am 8. Dezember 1896 in Bukarest begründet wurde und in ihren Statuten den Paragraph (841 bat: „Die rumänische Allianz wird in gemeinschaftlichem Akkord mit allen ausländischen Antisemiten-Allianzen wirken," dieser große Rath hat— man höre und staune — seinen Sitz im rumänischen Kultusministerium. Drei Minister, der Kultusminister Dr. Istrate, der Minister der öffentlichen Bauten, Johann Gradistianu, der Domänenminister Fleva, der Präsident sowie zwei Vizivräsidenten der Kammer und der Bürgermeister von Bukarest sind Mitglieder dieses großen Rathes! Keine noch so schändliche Antisemitenzeituna ist entstanden, ohne von der Regierung subventionirt zu sein; Hobe und niedere Beamte in allen Verwaltungszweiaen sind gezwungen, die antisemitischen Blätter zu abonniren, und der große Rath, in welchem drei Minister und die leitenden Dignitäre des Parlamentes sitzen, ist der eigentliche, direkte Protektor dieser Blätter! Bulgarien. Sophia, 10. Mai. (Fürst Ferdinand und der ungarische R a b b i n c r.) Fürst Ferdinand von Bulgarien bat — wie Kel. Ert." erfährt — den Rabbiner der isr. Kultusaemeinde von Diakovar Dr. Ehrenpreis, zum Landes-Rabbiner von Bulgarien ernannt. Dr. Ebrenvreis dankte persönlich für die Auszeichnung. Bei seinem Empfange erklärte ihm der Fürst, er beae den Wunsch, daß die in Bulgarien vertretenen Konfessionen mit einander in Friede und Eintracht leben sollen und daß im Interesse des Landes die Gleichberechtigung der Juden ausgesprochen werde. Gleichzeitig forderte er den Rabbiner auf, bezüglich der Entwicklung der Kultur der bulgarischen Juden und der Oraanisirung von Religionsaemeinden Vorschläge zu machen. Dr. Ehrenpreis wird schon demnächst seine neue Stelle in Sophia antreten.