Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 25 (22.6.1864)
- Date
- 1864-06-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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509 510 Priestern, den Leviten, und zu dem Richter, der zur selbigen Zeit sein wird, kommen und fragen; die sollen dir den Urtheilsspruch verkünden (5 M. 17, 8. 9)." Auch sonst erscheinen die Priester als Handhaber der Gerechtigkeitspstege (Das. 19, 17. 21, 5.). Merkwürdig ist in dieser Rücksicht der Bericht des Chronisten über ׳die Reformen des Königs Josafat. Diesem Berichte zufolge bestellte Josafat Leviten und Priester und Stammhäupter von Israel zu Richtern, indem er die Verfügung traf, daß in den ״Angelegenheiten des Ewigen" der Ausspruch des Oberpriesters Amarjah, in ״Angelegenheiten des Königs" hingegen die Entscheidung des Judäischen Fürsten Sabadjah maßgebend sein sollte (2 Chron. 19, 8. 11.). Nach diesem Berichte scheint es fast, als habe Josafat die Absicht gehabt, die richterliche Macht der Priester auf ein gewisses Maß zurückzuführen, oder, nach der modernen Ausdrucksweise, Staat und Kirche von einander zu trennen. In religiösen Dingen blieb die Hierarchie auch nach dieser Trennung im Vollgenusse ihrer richterlichen Gewalt. Faßt man nun den Lehr- und Richterberuf der Priester ins Auge, so könnte man leicht dem Gedanken Raum geben, als wären die Rabbinen an die Stelle der Priester getreten; denn auch in den Rabbinen war bis auf die neuere und neueste Zeit der Lehrer- und Richterberuf vereiniget, und besteht diese Vereinigung in mancheu Staaten bis auf den heutigen Tag, wie denn auch die mit gründlicher Sachkenntniß gestellte Berliner Preisfrage auf dieses Verhältniß Rücksicht genommen hat. Die Annahme, daß die nachbiblischen Rabbinen Successvren der biblischen Priester seien, könnte leicht darauf führen, denselben auch sazerdotalen Charakter beizulegen. Und in der That fehlt es in der talmudischen Literatur nicht an Anhaltspunkten für eine solche Anschauung: ״Wer einen Schristgelehrten beschenkt, übt ein so frommes Werk, als wenn er Erstlinge in den Tempel brächte (Kethub. 105, b)." Diese Maxime wird aus dem biblischen Berichte deduzirt, nach welchem man dem Profeten Elisa Erstlingsbrode (Lechem Bikkurim) brachte (2 K. 4, 42.) Da das Wort Bikkurim nach dem Sprachgebrauche der talmudischen Schulen ausschließlich rituelle Bedeutung hat (5 M. 26, 1—11), und die talmudische Hermeneutik gewohnt ist, den Sprachgebrauch ihrer Zeit auch in der Bibel voraussetzen; so entstand die Frage: Wie konnte Elisa, der Nichtaaronide, sich anmaßen, sakrifiziale Gaben anzunehmen? Antwort: die ihm dargereichte, Gabe erhielt sakrifizialen Charakter, indem sie von ihm, dem Schriftgelehrten, angenommen wurde! — Ferner: ״Wer einen Schriftgelehrten gastfreundlich aufnimmt und denselben beschenkt, legt ans den Altar des Herrn ein Opfer nieder." — ״Zur Zeit des Tempels vermittelte der Altar die Versöhnung Israels mit seinem Gotte; jetzt treten die Schriftgelehrten an die Stelle des Altars."*) Diese Aussprüche haben allerdingS haggadifche Tendenz und ihr hyperbolischer Sinn ist nicht zu verkennen. Ebensowenig läßt sich aber darin die Neigung und das Streben verkennen., die Schristgelehrten im Priesterlichen Lichte erscheinen zu lassen, und das Rabbinerthnm mit einem sazerdotalen Nimbus zu umgeben. Diese hierarchische Richtung wurde so beliebt, daß man sich an manchen Orten allen Ernstes anschickte, hervorragende Schriftgelehrte mit manchen einstmaligen Prärogativen des Hohen- Priesters auszustatten. So findet es die babylonische Gemara nach einer Version vollkommen gerechtfertigt, daß R. Ame, ein berühmter Palästinensischer Schriftgelehrter des dritten Jahrhunderts, sich einer feiner Schule zugedachten Geldsumme bemächtigte, indem es ihm, wie einst dem Hohen- Priester, zukäme, auch durch irdischen Neichthnm zu glänzen. Nach einer andern Version nahm R. Ame die Geldsendung zu Gunsten der Armen in Beschlag (Chnl. 134, b.) In neuerer Zeit hat die hierarchische Ansicht vom Rabbinerthume an R. Moses Sofer in Preßburg einen warmen und eifrigen Vertreter gefunden. R. Moses begnügt sich nicht damit, zn erklären, daß ״diejenigen, welche das Joch der Thora und der Gemeinde tragen, zn allen Zeiten nnd an allen Orten Priester sind, die dem Ewigen nahen, und ihm Räucherwerk darbringen"; er erklärt sogar, daß ״jeder einzelne Rabbiner in seiner Gemeinde als Hoher- Priester zu betrachten ist." Die Gelegenheit zu dieser Erklärung war folgende: R. Ezechiel Landau hatte den in älteren Quellen begründeten Usus, nach welchem Geschwister nicht einen und denselben Gevatter (סנדק) haben dürfen, für den Ausfluß eines Vorurtheils erklärt, und sich dabei auf diejenigen Gemeinden berufen, in denen der Rabbiner der Gevatter aller zu beschneidenden Knaben zu sein pflegt, so daß mehrere Brüder denselben Gevatter haben müssen. Dagegen replizirt nun R. Moses Sofer, indem er hervorhebt, daß der Grund, welcher gegen das Brüder-Gevatterthum spricht, — worauf wir hier nicht näher einzugehen haben, — bei dem Rabbiner, der in seiner Gemeinde Ho Herpriester ist, gänzlich wegfallt.**) N. Moses nahm mithin keinen Anstand, aus dem Hochpriefterthume der Rabbinen praktische Konseqnenzen zu ziehen. Im Geiste dieser hierarchischen Rabbiuatsdoktrin gehen in diesem Augenblicke, April 1864, die orthodoren Rabbinen Ungarns vor, indem sie zn ihren, bei der Negierung zu thuenden Schritten kein Mandat von ihren *) Berach. 10, b. El. Suta L. Zlk. 3 M. 455. Toßaf. Kethub. 106, b. Joma 71, a:,הרוצה לנסך יין על גבי מזבה ימלא גרונן של תלמידי חכמים יין!! **) Chalham Sofer zum Orach Chajjim Nr. 208. 158: הרב אב״ד בעירו ככהן גדול שמקטיר ושונה.