Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 15 (1.8.1932)
- Date
- 1932-08-01
- Page
- Seite 235 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 235 falls neu gekündeten alten Sinai-Lehre zu erweisen. Namens des Dozentenkollegiums händigte er alsdann die Urkunden über die Rabbinatsautorisation den sechs anwesenden Absolventen aus. Es sind dies: Isi Broch, Dr. Ehrenfeld (Urenkel von „Chassam Säufer“ und R. Akiba Eger), Dr. Michael Munk, (seit mehreren Jahren Mitarbeiter seines Vaters Rabbiner Dr. Esra Munk im Rabbinat der Adass Jisroel und der Reichszentrale für Schächtangelegenheiten); Dr. Fritz Bloch (jetzt als Nachfolger von Dr. Raphael Breuer zum Bezirksrabbiner in Aschaffenburg berufen); Dr. Israel Porusch aus Palästina (seit längerer Zeit als Religionslehrer und Prediger bei der Berliner Jüdischen Gemeinde tätig); Hugo Stransky aus Prag (seit einiger Zeit Bezirksrabbiner in Nachod (CSR); das Rabbinatsdiplom ist ferner erteilt Dr. Max Kober, (zurzeit Gymnasiallehrer in Poniewisch, Litauen); und Dr. Hillel Salmanowitz, seit kurzem Rabbiner in Glyboka (Polnisch-Litauen). Namens aller Absolventen umriß Rabbiner Dr. Ehrenfeld programmatisch in einer groß angelegten Rede das religiöse Führerproblem. Die Wünsche des Kuratoriums überbrachte Dr. Meier Hildesheimer. Er appellierte an die Schüler des Seminars, es an Idealismus und Optimismus den Gründern gleichzutun. In tiefer Bewegung streifte der Redner auch die schwere materielle Not des Seminars, dessen Aufgabe für das Gesamtjudentum seine Fortexistenz dringender notwendig als je zuvor erscheinen lasse. Vereine Palätsina-Verband Am 21. Juni hatte Frau Dr. Rahel Straus die Mitglieder des Palästinaverbandes in ihr Haus geladen zu einem Vortrag von Fräulein Weinreich, einer langjährigen Mitarbeiterin an der Zentralwohlfahrtsstelle in Berlin. Fräulein Weinreich war eben aus Palästina zurückgekehrt; sie hatte sich dort vor allem über den Stand der sozialen Arbeit orientiert,.aber auch durch vielerlei persönliche Beziehungen Einblick in das Leben in den Städten und auf dem Land gewonnen. Sachverständig und lebendig war daher der Bericht. Es wurden die Anfänge der sozialen Arbeit im Lande geschildert, wie zunächst ohne Plan und Zusammenhang Institutionen und Organisationen entstanden. Heute hat diese Gründerzeit ihren Abschluß gefunden, schon unter dem Zwang der Not. Dafür hat die Ära der Einordnung in ein einheitliches System begonnen. Die verschiedenen palästinensischen Frauenvereine haben sich zusammengeschlossen und sind im Begriff, mit den großen jüdischen Frauenorganisationen der Diaspora, die Palästinaarbeit leisten, mit der Wizo und Hadassah, in engste Beziehung zu treten. Fräulein Weinreich sprach über einzelne Einrichtungen, die sie besichtigt hat, die vielfach erstaunlich großzügig und modern sind, vor allem die von Amerika aufgebauten. Sie erzählte von der Organisation der Gemeinden, die programmatisch Wohlfahrtspflege als eine ihre Hauptaufgaben betrachten. Zum Schluß betonte sie die Hingabe der jüdischen Palästinenserin an soziale Aufgaben, ihr außerordentliches Verantwortungsgefühl für die Gemeinschaft, die sich nicht nur auswirkt in der Winterarbeit in Vereinen und Anstalten, sondern auch in einer weitherzigen und selbstverständlichen gegenseitigen Unterstützung der Frauen von Haus zu Haus. G. W. rschau Eduard Stucken, Die Weißen Götter. Neuausgabe des Romans in zwei Bänden (628 und 623 Seiten) mit einem Nachwort über Stucken von Hanns Martin Elster. Berlin (1932), Deutsche Buch-Gemeinschaft. Der große Roman Stuckens, der den Zusammenstoß der mexikanischen Kultur mit der europäischen im Zeitalter der Entdeckungen behandelt, ist das erstemal 1918 erschienen; dieses große Kunstwerk gehört zu den ganz wenigen modernen deutschen Romandichtungen, die nicht in wenigen Jahren veralten, ja, deren Glanz und Spannungskraft bei-jeder neuen Lektüre wechseln. Die dramatische Phantasie „der weiße Heiland“ von Gerhart Hauptmann, auch Jakob Wassermanns erschütterndes Porträt „Columbus, der Don Quichot des Ozeans“ und zuletzt der englische Roman von D. H. Lawrence „Die gefiederte Schlange“, der die Macht der alten Aztekengötter Quetzalkoatl und Huitzilopochtli noch im modernen Mexiko schildert, alle diese echten Dichtungen der letzten Jahre werden bewegt von dem faszinierenden Drama des Einbruchs Europas in die alte Indianerkultur und von der Frage, wer hier die wirklichen. Barbaren gewesen sind. „Ohne einen gewissen Mut“, sagt Wassermann mit Bezug auf diese Epoche, „und ohne Resignation kann man die Vergangenheit des menschlichen Geschlechts nicht als das erkennen, was sie ist: eine ununterbrochene Kette von Unrecht, Übervorteilung, Diebstahl, Gewalttat und Mord. Dies sind nur vierhundert und etliche Jahre. Ich kann mir eine Geistesstimmung denken, die seufzend zu dem Schluß gelangt: es könnte, mit nur geringen Variationen, auch gestern gewesen sein.“ Stuckens Roman ist hier nur künstlerisch zu werten. Der Dichter hat sich im Aufbau im wesentlichen an die Berichte gehalten, die Cortes selbst von seinem Eroberungszug gegeben hat. Das Schicksal des Aztekenkaisers Montezuma, dessen großes Reich nur den größten und bestverwalteten europäischen Ländern von damals gleichzustellen ist, und die ruchlose, erpresserische Habgier, mit der die spanischen Horden, die „weißen Götter“ über die seltsame mächtige Kultur herfallen, wird von Stucken in einem großartigen farbenreichen und beseelten Gemälde lebendig gemacht. Nur einem großen Künstler, der gleichzeitig ein großer Gelehrter ist, konnte dies gelingen. Es sei hier daran erinnert, daß Eduard Stucken auch als Forscher auf dem Gebiet der vergleichenden Religionsforschung Bedeutendes geleistet hat. Beispielsweise seine Darstellung „Der Ursprung des Alphabets und die Mondstationen“ (1913) zeigte ihn als ausgezeichneten Kenner der altsemitischen Sprachen und Kulturen, namentlich des Hebräischen; vor allem das Kapitel „Die althebräischen Mondstationen und das Buch Hiob“ enthält eine ganz große Entdeckung, die heute in der alttestamentlichen Wissenschaft steigende Anerkennung findet. Nur dein religionswissenschaftlichen Forscher konnte es auch gelingen die versunkene Kultur der Azteken wieder so zu neuem Leben zu wecken wie in den „Weißen Göttern“. Elster sagt dazu in seinem wichtigen Nachwort: „Zehn Jahre seines Lebens hat er diesem Meisterwerk, dem die Weltliteratur nichts Ähnliches an die Seite zu stellen hat, gewidmet. Zehn Jahre, in denen er für das Werk Spanisch und Aztekisch lernte und sich in die Überreste der indianischen Kultur Versenkte. Zehn Jahre, die auch dazu führten, daß der Riesenstoff nicht nur wie eine einfache geschichtliche Erzählung dargeboten wurde, sondern dichterische Leuchtkraft erhielt, jene Beseelung und Vergeistigung. durch die das Schicksal des Aztekenreiches menschlich erschütternd wirkt und unter dem Scheine der Ewigkeit als Tragödie in unser Herz dringt.“ Die neue Ausgabe mit ihren geschmackvollen Einbänden von Prof. E. K. Weiß, ist die neueste Veröffentlichung der Deutschen Buchgemeinschaft. Auf diese ausgezeichnete Einrichtung, deren Wirksamkeit man am besten durch Augenschein in München an Ort und Stelle (im Leuchtenberg-Palais in der Fürstenstraße, Eingang gegenüber der Glückstraße) wahrnehmen sollte, sei hier besonders hingewiesen. Die besten und größten Werke des Schrifttums aller Länder, auch die modernsten Dichtungen und wissenschaftlichen Grundwerke aus allen Gebieten, werden hier einen großen Leserkreis in vorbildlicher Ausstattung, wirklich preiswert und glänzend ausgesucht, geboten. Stuckens großer Azteken-Roman ist ein Musterbeispiel von der ausgewählten Güte des Gebotenen. F. ‘ Im Verlag der Ärztlichen Rundschau Otto Gmelin, München NW, erscheinen soeben wieder drei sehr empfehlenswerte Gesundheitsbücher von allgemeinem Interesse. 1. Der Einfluß der Wechseljahre auf die Entstehung und Verschlimmerung chronischer Beinleiden von Dr. Schiunk, Bremen, und Dr. Kohlhagen, Berlin. RM. 1.50, geh. RM. 2.25. Im Jahre 1931 gab der Verlag der Ärztlichen Rundschau Otto Gmelin unter Nr. 65 seiner Bücherei „Der Arzt als Erzieher“ die Broschüre heraus: „Die Venenentzündung“.