Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 8 (November 1934)
- Article
- Die jüdische Geschichte des deutschen Judentums
- Date
- 1934-11-01
- Page
- 336 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ignaz Maybaum: Die judische Geschichte des deutschen Judentums*) i. Mit Moses Mendelssohn beginnt die Geschichte des deutschen Judentums. Ein deutsches Judentum hat es wohl auch vor Moses Mendelssohn gegeb en. Aber erst seit Mendelssohn fällt dem deutschen Judentum eine Mission für das Gesamtjudentum zu; mit ihm wird die Problematik der neuen Geschichtszeit sichtbar. Für das deutsche Judentum entsteht die Aufgabe, als nicht mehr mittelalterliches Judentum doch treues und vor allem echtes Judentum zu sein. Die heutige Kritik hat sich mit aller Schärfe gegen Mendelssohn gewandt. Man kritisiert den Rationalismus des vorkantischen Jahrhunderts, die Aufklärung und ihr Unverständnis gegenüber geschichtlich Gewordenem und gegenüber der religiösen Welt und meint, mit dieser Kritik auch Mendelssohn zu treffen. Daß Mendelssohn aber von den Ideen seiner Zeit her nicht allein zu verstehen sei, daß diese Zeitideen, auch wo er sich ihrer bediente, an sein Judentum nicht zu rühren vermochten, ist durch Fritz Bambergers Untersuchung „Die geistige Gestalt Moses Mendelssohns" in aller Schärfe deutlich gemacht worden. Mendelssohn war gewiß ein Kind seiner Zeit, aber er war auch, was sein christlicher Zeitgenosse Hamann „Stockjude" nannte. Sein Programm wollte Judentum in der neuen Zeit. Mendelssohn sah sich in einer Welt, in der nicht das Mittelalter, sondern die Neuzeit herrschend war. In dieser Situation wollte er als Jude leben. Er wollte das Judentum nicht ändern. Er glaubte, daß auch das Judentum ohne Gefahr sein Mittelalter verlassen und in der Neuzeit Judentum sein könne. Hier Mendelssohn zustimmen heißt ihm dort recht geben, wo er seine eigentliche Bedeutung hat und wo er für das deutsche Judentum die Existenzgrundlage geschaffen hat. Er hatte die Sicherheit und das Vertrauen, mit einem Standort in der Geisteswelt seiner Zeit für sein Judentum nicht nur keine Bedrohung zu sehen, sondern sogar Kraftzuwachs zu erhoffen. Als treuer Jude war er dieser Meinung. Das deutsche Judentum hat sich dazu bekannt und ist *) Vgl. auch Ignaz Maybaum's Aufsätze „Der jüdische Sinn des deutschen Judentums* (Januar 1934); .Raum und Grenze der Diaspora" (Juni 1934); .Die geschichtliche Aufgabe des deutschen Judentums' (August 1934). 336