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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-09-01 · 12 (9.1937) · p. Seite 11

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
12 (9.1937)
Date
1937-09-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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_ No. 12 September 1937 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 11 I form entstammt der Werkstatt des Johann Peter Beyer (Meister 1729), ist aber etwas später auch von der Werkstatt des Rötger Herfurth übernommen worden. (Vergl. im Einzelnen über die Frankfurter Typen das eben erscheinende Notizblatt Nr. 34 der G. z. E. j. K.) Die schöne silberne Lampe mit dem Symbol der Priesterschüssel und Kanne auf der Rückwand ist eine Arbeit von 1735/36 von Johann Christian Drentwett, Meister 1718, also ursprünglich ein Augsburger Typus, ist aber dann in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. mit anderer Dekoration — aber sonst übereinstimmender Ausstattung — in Berliner Werkstätten hergestellt worden. (Ein Exemplar im Landesmuseum in Kassel, R. Hallo, Judaica Nr. 106, ein zweites in Privatbesitz.) Auch die interessante, um 1800 entstandene Lampe in Triumphbogenform mit der Lampenreihe oben auf dem Architrav und einer Judas Makkabäusfigur als Schamesträger, kommt mehrmals vor und ist als Nürnberger Typus um 1800 zu bezeichnen. Gewiß ist es nicht so, daß in den anderen Gebieten ausser den Lampen der bezeichneten Gruppen nichts anderes hergestellt wurde (einzelne häufiger vorkommende Typen, wie z. B. die Filigran-Menoroth des Ostens fehlen in der Sammlung Nauheim). Aber darüber hinaus gibt es auch dort Stücke in anderem Material und in anderem Aufbau. Während dies aber die Ausnahmen sind, ist in Deutschland die Vielfältigkeit die Regel. Einzelne wichtige Beispiele von Sondertypen sind in der Sammlung noch verteilt aufgehängt, sei es, daß sie durch die Art ihrer Dekoration besonders interessant erscheinen, wie die beiden Lampen mit Grenadiermützenschildern als Rückwänden (Eingangswaua ganz links, veröffentlicht von H. Gundersheimer, Frankfurter Israelitisches Gemeindeblatt, 15. Jahrgang, No. 3), oder durch das Ikonographische wie die beiden italienischen Lampen in Silber und Bronce mit dem Leuchtersymbol und der oelspendenden Hand Gottes (hintere Seitenwand links) oder wegen ihrer ausführlichen Besitzerinschrift, wie die messinggetriebene italienische Lampe von 1810 (hintere Seitenwand unter dem Nauheim- Bildnis). Wegen ihrer besonderen Bedeutung ist zum Schluss dieser Abteilung noch die Menorah aus Marmor zu nennen (auf dem Tisch vor der Rückwand), die ursprünglich in einer Hauswand fest eingemauert war. Sie ist gelegentlich als antik bezeichnet worden. Das ist sie nicht, aber nach den einfachen, strengen Frührenaissanceformen trifft die Bezeichnung: „Italienisch 15. Jahrhundert" wohl das Richtige. Damit aber ist sie eines der ganz seltenen Stücke, die vor 1600 bis jetzt überhaupt festgestellt worden sind. II. Die Besomimgefässe Sie nehmen neben den Menoroth einen stattlichen Platz in der Sammlung ein (Eingangswand, linke Vitrine) und es wird wohl kaum eine wesentliche Form geben, die nicht in einem guten Beispiel vorhanden ist: Die Türme aus Silber und Filigran, die Urnen und weihrauchfassähnlichen Formen, die Früche, Fruchtzweige und Blumen, die Tierfiguren, grössere und ganz kleine Büchsen und Kapseln. Auch hier versucht die Beschriftung mit Vorsicht eine Lokalisierung und Datierung ohne den Anspruch, mit allem schon das endgültig Richtige zu treffen. Da Begriff und Anwendung des Riech- und Räuchergefässes nicht auf die jüdische Hawdolohzermonie beschränkt ist, so ist bei den Besomimgefässen die Form auch nicht so charakteristisch jüdisch ausgebildet worden, wie etwa bei den Chanukkahlampen. Eine Ausnahme machen die Türme, die örtlich vor allem für Deutschland in Anspruch genommen werden können. Sie sind am frühesten in Frankfurt durch eine Zeichnung und urkundliche Erwähnung in den Goldschmiedeakten bis zurück in die Zeit um 1500 bezeugt und werden dort als Hedesch (von hebr. Hadassa-Myrthe), Judenrauchfass, einmal aber auch als Judenmonstranz bezeichnet, was für die Richtigkeit der formalen Ableitung von architektonisch gebauten Monstranzen spricht, wie R. Hallo sie vorschlug. (Notizblatt der Gesellschaft z. E. j. K. Nr. 24, S. 8.) Das schönste. Exemplar, das die Sammlung Nauheim besitzt, ist das Augsburger Werk des Mathäus Wolf, entstanden 1710/15, zierlich getragen von einer männlichen Judenfigur mit Hawdolohgerät, ein Nachfahr der beiden berühmten Besomimtürme in Kassel und Friedberg, die Hallo ausführlich veröffentlicht hat. (Judaica Nr. 73/74. Notizblatt der Gesellschaft z. E. j. K. Nr. 24). Hier, wie^bei dem sechseckigem Turm mit den kleinen Spitzentürmchen, der in mehreren Exemplaren vorkommt, aber wegen gefälschter . Marken noch nicht für einen bestimmten Ort lokalisiert werden konnte, treten noch im 18. Jahrhundert gotisierende Formen auf. Ein charakteristisch italienisches Werk ist dagegen die schöne vergoldete, von Blattwerk belegte und im oberen Teil durchbrochene, Eriiklassige Damenstoffe HRISS Rossmarkt 8 I (Lift) von einem Löwen bekrönte Kugel auf hohem schlanken Fuss, die ein römisches Beschauzeichen des 18. Jahrh. trägt. Als ein stattliches Stück sei auch die grosse Sonnenblume genannt, die nach älteren östlichen Vorbildern in der Werkstatt von Bezalel gearbeitet ist. Unter den kleinen Büchsen und Kapseln finden sich häufig Stücke, die ursprünglich für andere Zwecke gearbeitet sind, in zweiter Verwendung. Auch die Vereinigung von Hawdolohkerzenhalter und Gewürzlade ist in drei schönen Beispielen vorhanden, einem Wiener Stück von 1831, einem1 Nürnberger des 18. Jahrh. und einem besonders schönen Frankfurter, daß von einer Judenfigur mit Becher in den Händen getragen wird, gearbeitet um 1770 von Rötger Herfurth, dessen Werkstatt ganz besonders häufig von jüdischen Familien in Frankfurt beauftragt worden ist (Mittelvitrine oben). (Schluss folgt) im Persönliche Nachrichten Zum 60. Geburtstag Ferdinand Stiefels Das Vorstandsmitglied unserer Gemeinde, Herr Ferdinand Stiefel, beging am 26. August seinen 60. Geburtstag. Wenn Ferdinand Stiefel auch erst seit wenigen Monaten dem Gemeindevorstand angehört, so kann er doch auf eine langjährige Arbeit im Dienste unserer Gemeinschaft zurückblicken. Seit 3 Jahrzehnten gehört er dem Vorstand des „Freisinnigen Vereins für jüdisches Gemeindeleben" an, 17 Jahre lang war er Mitglied der Gemeindevertretung, in der er sich vornehmlich den wirtschaftlichen Fragen gewidmet und in der Finanzkommission wertvolle Arbeit geleistet hat. Lange Jahre hat er im Pflegamt des jüdischen Krankenhauses gewirkt, und unvergessen sind seine Bemühungen, diese wertvolle Einrichtung unserer Gemeinde durch die Inflationszeit zu erhalten. Auch für das Philanthropin, zu dessen Schülern sich Ferdinand Stiefel mit Stolz zählt, ist er stets eingetreten, als die Existenz der Schule in den Nachkriegsjahren bedroht war; mit Entschiedenheit hat er sich für den Ausbau des Schulwerks eingesetzt. Aber unter allen jüdischen Einrichtungen, die er betreut und in deren Verwaltung er mitwirkt, liegt ihm doch besonders die Haupt Synagoge am Herzen, die Stätte, mit der ihn seit den . frühsten Kindheitstagen die schönsten Erlebnisse und Erinnerungen verknüpfen. Unermüdlich ist er als Vorsitzender ihres Vorstandes in der Sorge um einen würdigen Gottesdienst, und—ma-Hr kann wohl sagen, dass er die durch seine Vorgänger,, In allen jüdischen Blättern dürfen, soweit es sich um deutsche Staatsangehörige handelt, nur Juden inserieren

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