Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 4 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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59 Hochmut hasse ich. Hoffahrt wird gcbcmütiflt. Spr. saun,,. Nkv Nagel und öev WisMpfrn. Von dem Dache eines Landhauses hing ein Eiszapfen herab, und unter ihm befand sich ein fester eiserner Nagel, welcher Geräte für den Fall einer Feuersgefahr trug. „Du armer Schelm", sagte höhnend der Eiszapfen zu dem Nagel, „du hast es schwer, mußt Leitern und Eimer tragen, und siehst dabei so häßlich ans in deinem rostgelben Kleide." — „Ein jeder thnt was seines Amtes ist", erwiderte der Nagel, „Ich trage nützliche Gerätschaften und dir genügt es, dich zu putzen, zu funkeln und nichts zu thnn." — „Das spricht der Neid ans dir", rief der Eiszapfen, „dich ärgert meine hohe Geburt und mein glänzendes Wesen. Dir zum Ärger will ich mich nun doppelt schmücken. Sieh', schon kommt die Sonne hervor, um ihre Strahlen in mir zu spiegeln. Bald glänze ich in tausend Farben so bunt und lustig wie ein Diamant." Die Sonne goß nun ihre warmen Strahlen über das Haus, so daß der Eiszapfen zu schmelzen begann. „Edler Freund, was ist dir?" fragte der Nagel, „es gleiten ja die hellen Tropfen von dir nieder, mir deucht, du weinest gar." - „Glaubst du", erwiederte der Eiszapfen, „daß ich so hart und fühllos bin wie du? Wir Vornehmen haben weiche Herzen, und ich weine allerdings. Es sind Thräucn der Rührung über die freundlichen Grüße, welche mir die Sonne zusendet." — „Nun, weine nicht allzusehr, du könntest vor lauter Rührung vergehen, denn schon wirst du sichtlich magerer, du weiches Herzchen", so spottete der Nagel. Der Eiszapfen blieb still, denn schon war er zur Hälfte -abgeschmolzen, wurde dünner und schwächer und bald war nichts mehr von ihm zu sehen. . Der Nagel aber brummte yor sich hinL„dir vergeht wieder einer von denen, die äußerlich glänzen und in sich keinen Halt haben. Über Nacht werden sie groß, überdauern kaum den Tag, und nichts bezeichnet die Stätte, wo sie gewesen sind. _ Dr. Samuel TCriftellcr. Trügerisch ist die Anmut, vergänglich die Schönheit. Ein gottesfürchtigcs Weib ist rühmenswert. 5pr. saiam. Nie Macintbe. jgid)’ dort im hellen Glas die Hyaeinthenblume, Sie blühet dir zur Lust und selber sich zum Ruhme. ' Betrachten kannst du ganz ihr stilles Blumenleben, Weil deinem Blick ist Stamm und Wurzel freigegeben. Genügsam nährt sie sich von Wasser, Licht und Luft, Und reichlich streut sie doch den edlen Blütenduft. Die Hyacinthe nimm dir, Kind, znm Musterbild, Dein Thmt sei gut und schön und allen unverhüllt. Und ob die Welt auch geizt, du spar' mit Liebe nicht, Dann blühst und reckst du froh hinan in Gottes Licht. - - Dr. Samuel Rristeller.