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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 4 (1895) · p. Seite 56

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
4 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 56 (sequence 26)
Language
German
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Brüder, wenn diese dazukommen und erklärt ihnen Bilder und Geschichten sehr hübsch, wie überhaupt die Prinzen sich im ganzen sehr gut untereinander vertragen; wenn auch der Kronprinz die Brüder etwas beherrscht und zuweilen herumkommandiert. Um 1'/, Uhr nehmen die Prinzen ihr Mittagsmahl ein, an dem ihre Umgebung teilnimmt; dann geht es wieder in den Park zum fröhlichen Spiel. Später wird eine weite Ansfahrt in die Umgebung Kassels unternommen. Gcwönhlich fahren alle Kinder in zwei Wagen, die älteren Prinzen mit ihrem Militärgouverneur, die jüngeren mit der Gräfin Keller, welche in Abwesenheit der Kaiserin diese bei den Prinzen vertritt. Besonders gern fahren sie nach Wilhelmsthal, wo sich ein See befindet, in dem es viele und schöne Karpfen giebt. Wenn man an einer kleinen Glocke läutet, kommen die Fische an die Oberfläche des Wassers, und dann macht es den Prinzen große Freude, sie mit Semmeln zu füttern, wozu sie sich immer reichlich mit Gebäck versorgen. Um 7 Uhr essen die Prinzen Abendbrot, spielen dann noch etwas im Park oder bei schlechtem Wetter aus dem Balkon, auch wohl im Zimmer, und um 8 Uhr müssen sie zu Bett gehen, was ihnen an schönen Sommerabenden oft sehr schwer wird, aber sie sind an Gehorsam gewöhnt und fügen sich willig. Seht ihr wohl, auch die Prinzen möchten gern abends öfter länger aufbleiben, wie dies alle Kinder wünschen, aber sie betteln nicht darum, sondern gehorchen ohne üble Laune. Das frühe Schlafengehen ist gesund und kräftigt Körper und Geist; darum verlangen es alle sorgsamen Eltern, und verständige Kinder glauben das und gehorchen darum gern und willig. Die kaiserlichen Prinzen haben auch in Wilhelmshöhe eine hübsche Turnanstalt im Gartrn, denn der Kaiser hält sehr viel aus Leibesübungen; ferner spielen sie Lawntennies oder Krognett, und lvöchentlich zweimal kommt ein Untcrossizier, bei dem sie Ererzierstunde haben. Bekanntlich sind die drei ältesten Prinzen schon Lieutenants im ersten Garderegiment, wie es alte Sitte im Hohenzollernhausc ist, daß die Prinzen mit 10 Jahren als Offiziere in die Armee cintrcten; dadurch soll die Liebe zum Soldatenstande, der Preußen und Deutschland groß und stark gemacht hat, früh in den Prinzen geweckt und gepflegt werden. Wirklichen Dienst thnn die jungen Prinzen nicht, nur bei großen Paraden marschieren sie als schließender oder letzter Offizier mit, aber sie können mit ihren kurzen Beinen schwer mitkommen und helfen sich damit, daß sie ein paar Schritte laufen, bis sie wieder in Reih und Glied kommen und lustig mitmarschieren können, bis wieder ein paar Laufschritte nötig sind. Solch ein Tag ist aber sehr anstrengend für den kleinen Offizier, und wenn cs ihm auch Spaß macht, thnn ihm zuletzt die Beine tüchtig weh, besonders wenn die Parade lange dauert. Das ist aber auch eine sehr seltene Unterbrechung. Sonst, leben die kaiserlichen Prinzen sehr regelmäßig einen Tag wie den andern. Sehr glücklich sind die Prinzen, wenn die Kaiserin nach Wilhelmshöhe kommt; dort lebt sie ganz mit ihren Kindern, was sie sonst nicht

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