Mannheim
Compact Memory

Blätter der Jüdischen Buchvereinigung · 1936-09-01 · 2 (9.1936) · p. [Seite 15]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter der Jüdischen Buchvereinigung
Volume
3 (1936)
Issue
2 (9.1936)
Date
1936-09-01
Page
[Seite 15] (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9626633-9633726-9626584--42-9626599
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Emil Bernhard Cohn: Die jüdische Geschichte. Verlag Erwin Löwe, Berlin. Eine Selbstanzeige. Soeben erschien eine jüdische Geschichte von mir, und ich werde aufgefordert, sie hier anzuzeigen. Sie trägt den Untertitel „Ein Gang durch die Jahrtausende", ist 100 Seiten stark und kostet RM. 1,2 5. Lauter Dinge, die buchhändlerisch willkommen sein mögen, den ernsteren lieser aber bedenklich stimmen könnten. Darum soll hier gesagt werden, warum ich diese Geschichte schrieb, und warum ich sie so und nicht anders für nötig hielt. Zunächst: Ich schrieb nahezu zwei Jahre an diesem Werkchen, und erst gegen Ende des dritten ließ ich es drucken. Eine Geschichte von 5oo Seiten wäre jedenfalls leichter gewesen. Es galt hier, nicht etwa einen Leitfaden und ganz und gar nicht einen „geschichtsphilosophischen Versuch" zu schreiben, wie ihn Grätz in seiner Jugend verfaßte, sondern Anlaß und Grund der Sache lagen tiefer. Ich sah in den letzten Jahren genug geistige und seelische Not im Judentum, sah unter durch die Zeitverhältnisse aus der Bahn Geschleuderten vor allem die erschütternde Tragik der Unwissenheit. Das allein durfte schon Grund genug für mich sein, aufs neue eine jüdische Geschichte zu wagen, d. h. den Leuten zu zeigen, welchem Volke sie angehören. Das Zweite und Wichtigere, was ich vermißte und was mich deshalb drängte, das Meine zu tun, war etwas, was ich hier als das Fehlen des weltgeschichtlichen Elementes bezeichnen möchte. Ich fand nämlich, daß die Geschichte unseres Volkes bisher immer nur neben der Weltgeschichte her erzählt worden ist, und hielt es darum für notwendig, die wunderbaren Erlebnisse meines Volkes einmal in die Weltgeschichte „hineinzuweben", wie einer meiner Kritiker treffend bemerkt hat, und sie so noch einmal zu erzählen; dergeslalt,daß, wer diese meine kleine, durchaus ihrer Grenzen sich bewußte Geschichte liest, gleichzeitig die Weltgeschichte miterleben kann. Der unvoreingenommene Leser, im Jüdischen unbewandert, im Allgemeinwissen und in der Kultur- und Literaturgeschichte aber wohl beschlagen, wird hier sein eigenes Wissen bestätigt und doch in einer neuen, und zwar jüdischen Beleuchtung wiederfinden. Er wird von Plato, Aristoteles, Karl dem Großen, Gregor, Friedrich IL, Kopernikus, Galilei, Giordano Bruno, Descartes, Voltaire, Dampf, Elektrizität, Auto, Radio usw. lesen und dabei feststellen, daß hier nicht nur jüdische Geschichte erzählt wird, wie ein religiöser Mensch sie sieht, sondern auch Weltgeschichte, wie ein religiöser Jude sie sehen soll. Meine Aufgabe, meine — schwere Aufgabe sah ich so: Es galt nicht etwa, in die 100 Seiten die viertausend Jahre jüdischer Geschichte hineinzupressen, sondern das ungeheure Material so zu verdichten, daß ein eindeutiges, klares und sogar reichhaltiges Bild des ganzen Volkes im Ablauf seines Werdens und Wachsens zutage trat. Diese Verdichtung war in der Hauptsache eine Sache des Stils. Ich empfinde aus diesem Grunde mein Buch wirklich als eine Art Dichtung, höre freilich auch schon das Aha der Leute: „Die jüdische Geschichte, wie Emil Bernhard Cohn sie sieht!" Nein, so ist es nicht gemeint. Aber, wenn ich z.B. vom König Agrippa rede und sage: „Agrippa, in der Jugend liederlich, im Alter charmant", so glaube ich nach eingehenden Studien über seine historische Persönlichkeit, mit diesen fünf Worten in der Tat den ganzen Menschen hingestellt zu haben. Das ist es, was ich zu diesen hundert Seiten zu sagen habe, die, so unscheinbar sie sich geben, mir doch selber sehr am Herzen liegen und vor allen Dingen von Herzen kamen. Emil Bernhard Cohn Verlag: Jüdische Buch -Vereinigung E.V., Berlin W15, Pariser Str. 7 / Verantwortlich lür den Inhalt: Dr. Erich Lichtenstein, für die Inserate: Erwin Löwe, beide in Berlin / Druck: Max Lichtwitz, Berlin / Aufl.: 8000 Sonderangebot für unsere Mitglieder Die JBV ist in der Lage, den Mitgliedern eine kleine Anzahl signierter Original-Graphiken von Budkow, Lesser-Ury, Steinhardt, Struck und anderen bedeutenden jüdischen Künstlern, zu äußerst billigem Preise anzubieten. Die Preise der Blätter betrugen früher 20,- bis 100,- RM und sind von uns auf 3,- bis 40,- RM herabgesetzt. Im Kunsthandel sind die Blätter vergriffen. Wir bitten Interessenten sich mit uns deswegen in Verbindung zu setzen. uwwvwui/uu k/yv/w \/u\/u\/\/u\i\/\/\/\/\/\/\/\/w\/\t\/\/\/\/\/\r\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\j\/\/\/\/\/v\i\j\/\/\/\j\/\/\J\J\J\t\'\t\i\< \i\jv\j\ni\/\iu\i\/\/\j\i\t\t\/\i\/\/\/\i\t\j\i\i\/\i\s\iu\iu\/\/\i\/\i\i\i\i\tu\iu\i\i\iuvu\t\/\t\t\iu\iu\i\ An die Jüdische Buch-Vereinigung E.V., Berlin 1. Frage: Soll im nächsten Jahr eine Anthologie jüdischer Lyrik erscheinen? Antwort ....................................................................................... 2. Frage: Welches Buch der JBV hat mir am besten gefallen? Antwort ............................•.......................................................... Name..................................................................... Adresse.............................................................................................................................. Wir bitten höflichst diesen Zettel auszufüllen, auszuschneiden und ihn in einem Umschlag als Drucksache für 3 Pf. an die Jüdische Buch-Vereinigung, Berlin \V 15, Pariser Straße 7 zu senden. 15

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.