Blätter der Jüdischen Buchvereinigung
- Journal
- Blätter der Jüdischen Buchvereinigung
- Volume
- 3 (1936)
- Issue
- 2 (9.1936)
- Date
- 1936-09-01
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Kino Freundliches Dunkel, hülle uns ein! Wirklichkeitsmüde, suchen wir Schein. Draußen ist Tag und nüchternes Licht, hier aber sitzen wir ohne Gesicht, sitzen wir alle im gleichen Raum, träumen wir alle den gleichen Traum. Jeder eigene Kummer verwischt, jedes eigene Denken erlischt. Denn wir erleben fremdes Geschick, denn wir erleben das Märchen vom Glück — sind für zwei Stunden Heldin und Held in einer nicht existierenden Welt. In einer Welt ohne Dimension, in einer Welt aus Schatten und Ton, in einer Welt aus Lüge und Spiel — aber für uns bedeutet sie viel. Lieber Gott, sieh unsre klägliche Not! Gib uns die Lüge zum täglichen Brot! Gib uns die Leinwand, die Welten trennt, gib uns den Film und das Happy-End! Zuerst begnügt man sich Zuerst begnügt man sich, zuerst betrügt man sich mit Traumgesichten. Den Einen, den man liebt und den es noch nicht gibt, muß man erdichten. Man sagt: „Ich liebe Dich!" und fragt sich innerlich, wen man denn meine. Man glaubt schon dann und wann bei einem fremden Mann, er sei der Eine. Es ist nur Irgendwer, man sieht das bald nachher — und will nicht sehen. Man bleibt aus Müdigkeit und denkt, es sei noch Zeit zum Weitergehen. Und dann begnügt man sich, und dann betrügt man sich mit Wirklichkeiten. Denn wenn man Einen liebt, den es ja doch nicht gibt, nimmt man den Zweiten. Schlaflied Wir sind nicht laute Zecher, wir brauchen keinen Wein. Die Nacht ist unser Becher — laßt uns schlaftrunken sein. Laßt uns in Schlaf ertrinken und in Vergessenheit. Laßt uns im Rausch versinken für kleine Ewigkeit. Laßt uns die Glieder lösen aus Tages Angst und Not. Wir wollen uns erlösen im Rausch, im Schlaf, im Tod. Die Guten und Gerechten sind auch nicht immer brav. Den Sündigen und Schlechten gibt Gott den gleichen Schlaf. Denn groß ist sein Erbarmen mit jedem Menschenkind. Er weiß, daß all die Armen so todesmüde sind. MARGARETE LIEBMANN Nacht Die Nacht schwebt leise hoch, Das Feld ein graues Meer, es wächst das große Schweigen — der Wald ein schwarzes Drohen — der Wolken Rand erblaßt — das Herz so dumpf und schwer — die fahlen Nebel steigen — in Asche fällt sein Lohen — Sein Glanz sinkt in die Nacht — wann wird es auferstehen? Ein Morgen steht am Tor nach jeder Nacht Vergehen! 5