Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- 6 (17.11.1927)
- Date
- 1927-11-17
- Page
- Seite 106 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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X des v e r j u d e t e n Bolschewismus immer noch eine große Rolle spielt, lassen wir die folgenden Ausführungen Weißenbergs zu diesem Thema wörtlich folgen: „Als Ausgangspunkt diene, daß die Juden im europäischen Rußland 2,8 und in der Ukraine 6,9 Prozent ausmachen. Außerdem ist zu beachten, daß durch die Heranziehung immer weiterer Kreise, besonders der ländlichen Bevölkerung zur kommunistischen Partei der Prozentsatz der Juden als Städter zurückgehen muß. So betrug im Jahre 1922 der Prozentsatz der Juden in der Partei für ganz Rußland 5,2, während er jetzt unter 4 liegt. Dagegen war er in der Ukraine 11,8. Von den jüdischen Kommunisten des Jahres 1922 standen in einem Alter unter 24 Jahren 59 Prozent der Männer 45 Prozent der Frauen, wobei die letzteren 24 Prozent (darunter 42 Prozent Arbeiterinnen) der Gesamtzahl betrugen. Auch die Zahl der Jüdinnen nimmt ab, und zwar bedeutend, indem ihr Prozentsatz unter den Frauen überhaupt am 1. Januar 1925 9,8 und am 1. Januar 1926 nur 7,4 Prozent war. An den verantwortlichen Stellen waren 1922 von den Russen 12,4 und von den Juden 16,9 beschäftigt. Dieser Prozentsatz ist seitdem bedeutend gesunken, was mit dem Aufblühen eines kommunistischen Chauvinismus und Antisemitismus, sowie mit dem Erstarken der Partei selbst in Zusammenhang zu setzen ist." Interessant ist folgende Zusammenstellung über die soziale Gliederung der Parteimitglieder ebenfalls für 1922. Angestellte in o/o 35,0 32,2 19,9 Arbeiter in o/o 44,0 47,4 46,4 Bauern Übrige Qualifikain 0/o in°/0 tionsnote. 0,6 20,4 8,0 6,2 14,2 7,4 24,4 8,9 5,4 Nationalität Juden Deutsche Russen Zu diesen Zahlen macht W. folgende Ausführungen: „Während die Arbeiter unter allen drei Nationalitäten fast gleich vertreten sind, spricht der sonstige Parallelismus zwischen den Juden und den Deutschen im Gegensatz zu den Russen dafür, daß solche Fragen kulturell und sozial beurteilt werden müssen, ebenso die Qualifikation, nach welcher die Juden und die Deutschen eine bedeutend höhere Stufe einnehmen als die Russen." Konfessionelle Schulstatistik. Das in Paderborn erscheinende „Westfälische Volksblatt" brachte in seiner Nr. 256 einen Artikel: „Sprechende Zahlen aus der Schule". Darin wurde anhand von Zahlenmaterial der Rückgang der Schülerzahl an den öffentlichen Volksschulen in Preußen dargelegt. Der allgemeine durch die Geburtenabnahme verursachte Rückgang ist prozentual b e i den Juden geringer als bei Protestanten und Katholiken. Diese an sich auffallende Tatsache erklärt sich nicht daraus, daß die Geburtenabnahme bei der jüdischen Bevölkerung relativ geringer ist als bei der christlichen. Sie erklärt sich auch nicht, wie angenommen wurde, aus einer Zuwanderung aus dem Osten, sondern der Grund dafür liegt in folgendem: In den Jahren 1921 bis 1926, für die die Aufstellung gilt, sind die sogenannten Vorschulen aufgehoben worden und dafür wurden die Grundschulen eingerichtet. Die bisher in den Vorschulen unterrichteten Schüler sind also in die Volksschulen übergegangen. Da aber der Prozentsatz der jüdischen Schüler an den Vorschulen relativ größer war als an den Volksschulen, so hat der Uebergang sich zahlenmäßig zu Gunsten der jüdischen Schüler an den Volksschulen ausgewirkt. Rechtsschutz. Fingierte Namen. Vor einiger Zeit ging durch einen großen Teil der Presse eine Notiz, nach der zwei Galizier, Löwenstengel und Gardinengeruch, auf einem Berliner Auto -Omnibus Taschendiebstähle begangen und sich dann gegenseitig bestohlen hätten. Wir haben den Fall geprüft und müssen leider bestätigen, daß der Vorgang, so wie er geschildert wurde, sich ereignet hat. Die Namen der Täter aber sind fingiert. Die Notiz ist von dem Gerichtsberichterstatter der Berliner „Nachtausgabe" verfaßt worden; dieser ist getaufter Jude. Er behauptet, sich bei der Wahl der Decknamen, die er an die Stelle anderer jüdisch-klingender setzte, keine Vorstellung von einer judenfeindlichen Wirkung gemacht zu haben. Eine Berichtigung der Notiz war preßgesetzlich nicht zulässig. Der Berichterstatter hat uns aber zugesagt, daß die Gerichts-Journalisten seines Verlages in Zukunft die Wahl ähnlicher tendenziöser Decknamen unterlassen werden. Judenfeindliche Äußerung anläßlich einer Beerdigung. Anläßlich der Beerdigung eines jüdischen Artisten i,n Halle hörte eines unserer Mitglieder auf der Straßenbahn, die an dem Trauerzug vorbeifuhr, folgende Aeußerung einer Dame (Frau eines Oberleutnants): „Das ist eine jüdische Beerdigung, die Itzige zieh'n alle hinterher". Unser Mitglied ließ daraufhin den Namen der Dame feststellen. Es kam zu einer Privatklage, die vor dem Schiedsmann damit endigte, daß die Frau Oberleutnant an den Privatkläger einen Entschuldigungsbrief schrieb, dem wir folgende Stellen entnehmen: „Ich möchte Ihnen hierdurch nochmals versichern, daß mir bei meiner Aeußerung anläßlich der Beerdigung eines Ihrer Glaubensgenossen Ende Mai d. Js. jede beleidigende Absicht vollkommen ferngelegen hat .... Wenn der Herr, für den diese Aeußerung tatsächlich nicht bestimmt war, und die anderen an der Beerdigung beteiligten Herren sich gekränkt fühlen, so bedauere ich das von Herzen." Aufklärung. Der Judenbrief von Toledo. Im „Völkischen Herold" vom 29. Juli 1927 finden wir einen Briefwechsel abgedruckt, den Herr Justizrat L e v i n g e r , München, mit Herrn Oberstleutnant a. D. Graf Recke geführt hat. Wir geben den Briefwechsel nachstehend auszugsweise wieder, da es trotz aller Abschwächungsversuche des Grafen Recke doch als Erfolg zu bezeichnen ist, daß Herr Justizrat L e v i n g e r Gelegenheit hatte, die gegen das vom Grafen Recke zitierte Machwerk sprechenden Gründe den Lesern des „Herold" zu unterbreiten. Herr Justizrat Levinger schreibt: 106